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Die Zukunft der Menschheit liegt in den Sternen

Das Unausweichliche ist geschehen: Wirtschaft und Umwelt unseres Planeten sind kollabiert. Während die eine Hälfte der Menschheit mit aller Kraft versucht, die verheerenden Folgen des Niedergangs rückgängig zu machen, hat die andere Hälfte bereits begonnen, die Planeten und Monde unseres Sonnensystems zu kolonisieren. Doch als ein gemeinsames Projekt irdischer und extraterrestrischer Ingenieure ...
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Der stille Krieg: Roman

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Die Zukunft der Menschheit liegt in den Sternen

Das Unausweichliche ist geschehen: Wirtschaft und Umwelt unseres Planeten sind kollabiert. Während die eine Hälfte der Menschheit mit aller Kraft versucht, die verheerenden Folgen des Niedergangs rückgängig zu machen, hat die andere Hälfte bereits begonnen, die Planeten und Monde unseres Sonnensystems zu kolonisieren. Doch als ein gemeinsames Projekt irdischer und extraterrestrischer Ingenieure scheitert, droht ein Krieg zwischen den beiden Parteien auszubrechen – ein kalter Krieg in den stillen Weiten des Weltalls ...

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Product Details

  • ISBN-13: 9783641046750
  • Publisher: E-Books der Verlagsgruppe Random House GmbH
  • Publication date: 7/27/2010
  • Language: German
  • Sold by: Barnes & Noble
  • Format: eBook
  • File size: 802 KB

Read an Excerpt

Jeden Tag erwachten die Jungen, wenn um 6 Uhr morgens die Lichter angingen. Sie duschten und zogen sich an, machten ihre Betten, räumten den Schlafsaal auf und ließen die Inspektion durch einen ihrer Lektoren über sich ergehen. Das Frühstück bestand aus einem Klecks Maisbrei und einem Fingerhut voll grünem Tee. Sie aßen rasch, während sie einander an dem langen Tisch gegenübersaßen, und nur das Kratzen von Plastiklöffeln in Plastikschüsseln war zu hören. Es waren vierzehn Jungen — groß gewachsen, blass und so schlank wie gehäutete Schößlinge. Allesamt hatten sie blaue Augen. Ihre nackte Kopfhaut glänzte in dem kalten Licht, während sie sich über ihre karge Mahlzeit beugten. Sie waren zweitausendsechshundert Tage alt und damit vollständig ausgewachsen, wenn auch noch ein Rest jugendlicher Ungelenkigkeit verblieben war. Sie trugen graue Papierhemden und -hosen und dazu Plastiksandalen. Rote Zahlen waren auf die Vorder- und Rückseite ihrer Hemden gedruckt. Die Zahlen waren nicht fortlaufend, weil mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Gruppe in den frühen Phasen des Programms ausgesondert worden war.
Nach dem Frühstück nahmen die Jungen vor einem großen Bildschirm Aufstellung, flankiert von ihren Lektoren und den Avataren ihrer Lehrer. Eine Flagge füllte den gesamten Bildschirm der Länge und Breite nach aus, eine echte Flagge, die irgendwo auf der Erde aufgenommen worden war und sich sanft kräuselte, als würde sie von einer leichten Brise erfasst. Ihr grünes Leuchten überflutete die Gesichter der Jungen und brachte ihre Augen zum Funkeln, während sie aufrecht in zwei Reihen dastanden, die rechte Hand mit gespreizten Fingern einem Seestern gleich auf die Brust gedrückt, um den Bündnisschwur zu sprechen.
Jeden Morgen dieselben Rituale. Derselbe Videofilm. Dieselbe Flagge, die sich auf genau dieselbe Weise kräuselte. Derselbe blaue Streifen, der für einen kurzen Augenblick in der linken oberen Ecke des Bildschirms zu sehen war — der blaue Himmel der Erde.
Einer der Jungen, Dave #8, wartete jeden Tag darauf, dass dieser kleine blaue Streifen auftauchte. Manchmal fragte er sich, ob seine Brüder ebenfalls danach Ausschau hielten, ob sie ebenfalls diese Sehnsucht verspürten nach jener Welt, zu deren Verteidigung sie erschaffen worden waren und die sie dennoch niemals besuchen würden. Er sprach nie darüber, nicht einmal mit seinem besten Freund, Dave #27. Solche Dinge - Gefühle, die einen auf den Gedanken bringen konnten, dass man sich von seinen Brüdern unterschied — behielt man besser für sich. Abweichungen von der Norm waren Schwächen, und jede Art von Schwäche musste unterdrückt werden. Dennoch wartete Dave #8 jeden Morgen voller Vorfreude auf den kleinen Streifen irdischen Himmels, der kurz auf dem Bildschirm zu sehen war, und wann immer er ihn sah, spürte er eine Sehnsucht in seinem Herzen aufflackern.
Ihre Lektoren und Lehrer sprachen ebenfalls den Bündnisschwur. Vater Aldos, Clarke, Ramez und Solomon in ihrem weißen Habit, das von einer Kordel zusammengehalten wurde; die Gesichter der Lehrer schwebten in den Visoren der mannsgroßen und wie ein Mensch geformten Plastikhüllen ihrer Avatare. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag waren es die Lehrer für Ökosystem-Management, Ingenieurwesen und Soziologie. Den Rest der Woche wurden Kriegstheorie, Psychologie, Ökonomie, Hindi, Japanisch, Mandarin und Russisch unterrichtet — die Jungen sprachen bereits fließend Englisch, die Verkehrssprache des Feindes, aber in manchen feindlichen Siedlungen wurden immer noch die Sprachen der Länder verwendet, aus denen die Vorfahren der Siedler ursprünglich stammten, und deshalb mussten die Jungen auch diese lernen.
Morgens gaben die Lehrer theoretischen Unterricht, und am Nachmittag und Abend hielten die Lektoren Praxisstunden ab. Die Wartung und Instandsetzung von Druckanzügen, die Programmierung und Anwendung von Dämonen und Datenmaulwürfen, Fahrzeug- und Flugsimulatoren und 3-D-Szenarios, die die Jungen mit allen Aspekten des Alltagslebens in den Städten des Feindes vertraut machten. Sie wurden in verschiedenen Kampfsportarten unterwiesen sowie im Bombenbau und der Sabotage. Sie trainierten mit Stöcken, Schwertern, Messern und allen möglichen anderen Schlagwaffen und Klingen. Die Übungsgeräte waren mit Gewichten beschwert, damit ihnen der Umgang mit den echten Waffen später leichter fiel. Sie lernten, Schusswaffen unter allen nur denkbaren Bedingungen auseinanderzubauen, zu reparieren und zu benutzen. im Dunkeln, im innern einer Zentrifuge, in der sie hin und her geschleudert wurden, bei extremer Hitze und Kälte und bei Regen, Schnee oder starkem Wind in der Wetterkammer. Bekleidet mit einem Druckanzug. Unter Wasser.
Alle zehn Tage marschierten sie in einer Reihe durch einen langen Tunnel, der an eine Nabelschnur erinnerte, in den Laderaum eines Shuttles, das sie in den Orbit brachte. Während sie schwerelos in der gepolsterten, fensterlosen Röhre schwebten, wo jede Bewegung aus dem Massemittelpunkt des Körpers hervorgehen musste und jeder Schlag eine ebenso starke gegenläufige Reaktion hervorrief, begannen die Unterweisungen im Nahkampf und im Umgang mit Waffen noch einmal von vorne.
Die Lektoren bestraften jeden Fehler. Bei Vater Solomon, der Kampfsport unterrichtete, saß der Schockstab am lockersten. Dave #8 und seine Brüder prügelten bis zur Erschöpfung beim Boxen, bei Capoeira und Karate aufeinander ein, um seine Anerkennung zu gewinnen, doch die meisten von ihnen bekamen in jeder Unterrichtsstunde mindestens einmal seinen Elektroschocker zu spüren.
Manchmal besuchte ein Avatar den Praxisunterricht, der das Gesicht einer Frau trug. Die Lektoren behandelten sie mit einer Ehrerbietung, die sie niemandem sonst entgegenbrachten, und beeilten sich, ihre Fragen zu beantworten. Für gewöhnlich schwieg sie jedoch und beobachtete die Jungen lediglich ein paar Minuten oder eine Stunde lang, bevor ihr Gesicht aus dem Visor des Avatars verschwand und er aus der Turnhalle hinausmarschierte und zu seinem Aufbewahrungsort zurückkehrte. Der Name der Frau war Sri Hong-Owen. Die Jungen waren schon vor langer Zeit zu dem Schluss gekommen, dass sie ihre Mutter sein musste.
Es spielte keine Rolle, dass sie ihnen nicht im Mindesten ähnlich sah. Schließlich waren sie nach dem Vorbild des Feindes geschaffen und mit denselben Gentherapien und Stoffwechselmanipulationen behandelt worden, die vom Feind als Verbesserungen bezeichnet wurden. Aber der Feind war menschlich gewesen, bevor er sich solcherart pervertiert hatte, also mussten auch die Jungen einmal Menschen gewesen sein. Und weil sie Klone waren — weswegen sie auch Nummern trugen und allesamt auf den Namen Dave hörten (ein beiläufiger Witz eines ihrer Lehrer, den die Jungen in ihre private Mythologie übernommen hatten) —, mussten sie alle dieselbe Mutter haben ...

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