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Stadt der Verlierer: Roman
     

Stadt der Verlierer: Roman

by Daniel Depp, Regina Rawlinson
 
Besser geht's nicht! David Spandau hat die Arbeit als Stuntman aus Altersgründen an den Nagel gehängt, arbeitet als Privatdetektiv und lässt sich regelmäßig beim Rodeo aus dem Sattel werfen. Zudem pflegt er einen starken Hang zum Whiskey, zum guten alten Wilden Westen und zu seiner Exfrau Dee. Sein neuer Auftrag lautet, Bobby Dye, den

Overview

Besser geht's nicht! David Spandau hat die Arbeit als Stuntman aus Altersgründen an den Nagel gehängt, arbeitet als Privatdetektiv und lässt sich regelmäßig beim Rodeo aus dem Sattel werfen. Zudem pflegt er einen starken Hang zum Whiskey, zum guten alten Wilden Westen und zu seiner Exfrau Dee. Sein neuer Auftrag lautet, Bobby Dye, den angesagtesten Shootingstar am Hollywood-Himmel, zu beschützen, weil dieser Morddrohungen erhalten hat. Aber schnell kommt Spandau dahinter, dass der Clubbesitzer und Großdealer Richie Stella etwas gegen den jungen Schauspieler in der Hand hat und ihn erpresst. Mit David Spandau betritt eine melancholisch-sympathische Detektiv-Figur die internationale Thriller-Szene. Hautnah erleben wir die schmutzige Seite der Glitzer- und Glamourwelt von Hollywood. Daniel Depp jagt in seinem schräg-coolen Roman exzentrische Schauspieler, kinobesessene Mafiabosse und liebestrunkene Mörder auf der Suche nach Geld und Ruhm durch die Stadt der Engel. Herrlich böse, hinreißend komisch und überaus spannend. »Stadt der Verlierer« ist ein wunderbar böser Roman über Hollywood.

Product Details

ISBN-13:
9783641038007
Publisher:
C. Bertelsmann Verlag
Publication date:
11/20/2009
Sold by:
Bookwire
Format:
NOOK Book
Pages:
314
File size:
362 KB

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Read an Excerpt

Als der Transporter aus dem Laurel Canyon Boulevard in die Wonderland Avenue abbog, fragte Potts: »Wie viele Tote hast du schon gesehen?«
Squiers überlegte eine Minute mit angespannter Miene, als ob ihm das Denken Schmerzen bereitete. Was es wohl auch tat. Davon war Potts überzeugt. Schließlich fragte Squiers zurück: »Beim Bestatter oder bloß so?«
Das war genau die Art von Antwort, mit der er Potts in den Wahnsinn treiben konnte. Da stellte man ihm eine simple Frage, und er brauchte drei volle Tage, um einem mit einer schwachsinnigen Gegenfrage zu kommen. Deswegen kotzte es Potts auch so an, mit ihm zusammenzuarbeiten.
»Bloß so, du Arsch. Logisch. Keine alten Omas in der Holzkiste.«
Worauf Squiers eine neue Runde Gehirnakrobatik und Gesichtsgymnastik einlegte. Bis der mit Denken fertig ist, könnte ich mir locker irgendwo eine Tasse Kaffee genehmigen, dachte Potts. Am liebsten hätte er ihm eins übergebraten. Aber er biss sich bloß auf die Lippen, drehte den Kopf zur Seite und sah aus dem Fenster.
Die steile, kurvenreiche Straße, auf der sich der altersschwache Transporter den Berg raufschleppte, schien überhaupt nicht mehr aufhören zu wollen. Squiers fuhr, wie immer, weil Squiers gern fuhr und Potts nicht. In Potts' Augen musste man ein Idiot oder ein Irrer sein, um sich in Los Angeles freiwillig ans Steuer zu setzen. Auf Squiers traf beides zu. Potts hatte irgendwo gelesen, dass in L. A. mehr als zehn Millionen Leute leben. Leute, die buchstäblich ihr halbes Leben auf der Straße verbringen. Stellenweise auf zwölfspurigen Fahrbahnen, mit hundertzwanzig Sachen, Stoßstange an Stoßstange, in einem tonnenschweren Haufen aus Glas und Blech, die Finger ums Lenkrad gekrallt. Wer zu langsam fährt, dem kracht einer hinten drauf. Wer zu schnell fährt, der kann nicht rechtzeitig bremsen, wenn vor ihm ein scheintoter Alter wegen einer Halluzination in die Eisen steigt und sich eine Kolonne von hundert Autos wie eine Ziehharmonika zusammenstaucht. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als mit dem Strom zu schwimmen, scheißegal, wie blödsinnig es ist. Man lässt sich treiben und versucht, nicht an die mathematische Unmöglichkeit des Ganzen zu denken und nicht an dem unerschütterlichen, blinden Optimismus zu zweifeln, dass dieser Wahnsinn funktionieren kann, ohne dass man nach spätestens fünfzehn Sekunden schwer verletzt oder tot auf der Strecke bleibt. Weil auf einer Schnellstraße in L. A. aber andererseits tatsächlich alle fünfzehn Sekunden ein Mensch schwer verletzt oder getötet wird, ist es völlig normal, sich darüber einen Kopf zu machen. Wer in L. A. Auto fährt, muss schon einen ausgeprägten Todestrieb haben.
Was Potts aber am meisten gegen den Strich ging, war die Tatsache, dass sich alle vormachten, sie wüssten, was sie taten, obwohl das eindeutig nicht der Fall war. Ein Blick aus dem Fenster in die vorbeirauschenden Gesichter genügte, um jede Hoffnung fahren zu lassen. Auf der Überholspur nichts als Säufer, Teenager im Hormonrausch, überforderte Hausfrauen, die mit ihren Kids schimpften, gestresste Manager, die in ihre Handys brüllten, Greise, Halbblinde, Loser, die mit dem Leben abgeschlossen hatten, übermüdete und aufgeputschte Lastwagenfahrer mit zig Tonnen Toilettenartikeln auf dem Anhänger. Visagen wie aus einem Horrorfilm. Eine falsche Bewegung, und alle sind tot. Um zu funktionieren, musste man sich selber belügen. Und das war es, was Potts so zu schaffen machte. Potts war kein Optimist. Wer fünf Jahre in einem texanischen Knast gesessen hat, ändert seine Meinung über die Menschheit. Es laufen so viele Psychopathen frei herum, dass es ein Wunder ist, wenn man morgens lebendig in seinem Bett aufwacht, ganz zu schweigen davon, eine Fahrt auf einem Superhighway heil zu überstehen. Das alles musste man verdrängen und sicher in einem Gehirnkämmerlein wegsperren, bevor man aus dem Haus ging. Man musste sich zwingen, alles zu vergessen, was man über das Leben wusste und als wahr erkannt hatte, und so tun, als wären die Menschen eben doch gut und nicht nur die Horde von Dieben, Spinnern und Drecksäcken, als die man sie kennengelernt hatte. Und das machte Potts wahnsinnig. Es war anstrengend, sich dauernd etwas vorzumachen. So verdammt anstrengend, dass er ständig hundemüde war.
Potts warf einen Blick auf Squiers, der mit gerunzelter Stirn stur über das Lenkrad blickte und den großen Denker markierte. Riesig, bleich und blöde, war er das genaue Gegenteil von Potts, der fast so etwas wie Bewunderung für ihn übrig hatte, obwohl er es kaum aushielt, ihn um sich zu haben, und der Meinung war, dass die Welt um einiges sicherer wäre, wenn Squiers von einem Zug überrollt würde. Squiers war langsam und umständlich, und was sich in seinem Oberstübchen abspielte, hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem, was in Potts' Kopf ablief. Squiers machte sich nie Sorgen, wurde nie nervös, hatte nie Angst, konnte im Stehen schlafen wie eine Kuh. Er stellte keine Fragen, gab keine Antworten, stritt sich nicht rum. Entweder er tat etwas, oder er ließ es bleiben, und weil die Entscheidung darüber offenbar ohne jeglichen Denkprozess zu Stande kam, wusste man vorher nie genau, wie sie ausfallen würde. Er war vielleicht der zufriedenste Mensch, dem Potts je begegnet war. Ein Film über ein blutiges kleines Kettensägenmassaker oder ein Stapel billiger Pornohefte genügten, und Squiers war selig wie ein Kleinkind. Potts dagegen hatte es am Magen und rechnete fest damit, dass ihm eines schönen Tages der Himmel auf den Kopf fallen würde. Und deshalb beneidete er Squiers ein bisschen, auch wenn er ihn auf den Tod nicht ausstehen konnte. Richie, der sie gern als Dick und Doof bezeichnete, machte Witze darüber, dass sie zwar zusammengenommen den perfekten Mitarbeiter abgaben, einzeln jedoch die totalen Vollnullen waren. Für Richie hatte Potts auch nicht besonders viel übrig, obwohl er gut löhnte und man als Exknacki nicht allzu wählerisch sein konnte.
Der Transporter fuhr immer höher und höher hinauf, raus aus dieser Welt und rein in die nächste, vorbei an schweineteuren Häusern auf Stelzen, die Millionen gekostet hatten und trotzdem mit dem Arsch dreißig Meter über einem Canyon hingen. Man sollte doch meinen, dass bei so viel Kohle auch noch ein Garten mit drin gewesen wäre. Potts konnte sich ein Leben ohne Garten nicht vorstellen. Ein Garten musste sein.


Meet the Author

Daniel Depp, Drehbuchautor und Produzent, wurde für sein Drehbuch zum Film "The Brave" für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Er lebt in Kalifornien und Frankreich und schreibt gerade den zweiten David-Spandau-Roman.

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