The Forest - Wald der tausend Augen (The Forest of Hands and Teeth)

The Forest - Wald der tausend Augen (The Forest of Hands and Teeth)

by Carrie Ryan, Catrin Frischer
     
 

Ungeweihte jagen sie, Hoffnung führt sie

In Marys Welt sind die Regeln einfach. - Die Schwesternschaft hat immer recht. Die Wächter schützen und dienen. Und hinter dem Zaun, der das Dorf umgibt, liegt der Wald der tausend Augen, Heimat der »Ungeweihten« – das Nichts. Niemals darfst du diese Grenze überschreiten. Es kommt…  See more details below

Overview

Ungeweihte jagen sie, Hoffnung führt sie

In Marys Welt sind die Regeln einfach. - Die Schwesternschaft hat immer recht. Die Wächter schützen und dienen. Und hinter dem Zaun, der das Dorf umgibt, liegt der Wald der tausend Augen, Heimat der »Ungeweihten« – das Nichts. Niemals darfst du diese Grenze überschreiten. Es kommt der Tag, da fühlt sich Mary von diesen Regeln verraten. Sie findet Dinge heraus, die sie nie wissen wollte. Über die Schwesternschaft und ihre Geheimnisse, über die Wächter und ihre Macht. Doch erst als der Zaun durchbrochen und das Dorf überrannt wird, erkennt Mary die schlimmste Wahrheit von allen – wie unbarmherzig die »Ungeweihten« wirklich sind. Jetzt muss sie sich entscheiden. Zwischen ihrer Angst und ihrem Traum von einer anderen Zukunft, zwischen dem einen, den sie liebt, und dem Mann, dem sie versprochen ist. Kann es Leben außerhalb einer Welt geben, die vom Tod beherrscht wird? Und ist Mary stark genug, den Weg durch den Wald der tausend Augen zu wagen?

• Ein Mystery-Thriller der Extraklasse – düster, sexy und nervenzerfetzend

• Ein verliebtes Mädchen, eine rätselhafte Atmosphäre der Angst und das unheimlichste Dorf seit »The Village«


Product Details

ISBN-13:
9783641036416
Publisher:
cbt
Publication date:
11/20/2009
Series:
Forest of Hands and Teeth Series , #1
Sold by:
Barnes & Noble
Format:
NOOK Book
Pages:
400
File size:
489 KB
Age Range:
14 - 17 Years

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Read an Excerpt

Meine Mutter hat mir immer vom Meer erzählt. Es gibt einen Ort, sagte sie, an dem - so weit das Auge reicht - nur Wasser ist. Und es bewegt sich ständig. Es eilt auf dich zu, dann zieht es sich wieder zurück. Einmal hat sie mir ein Bild gezeigt, sie hat gesagt, das sei meine Urururgroßmutter als Kind, die da im Meer stehe. Das ist Jahre her und das Bild ist schon vor langer Zeit in den Flammen verloren gegangen, aber ich erinnere mich daran, verblasst und abgegriffen ist es gewesen. Ein kleines Mädchen umgeben vom Nichts.
In den Geschichten meiner Mutter, die alle von ihrer Vielfach-Urgroßmutter stammten, hatte das Meer einen Klang wie Wind in den Bäumen — und Männer ritten auf dem Wasser. Einmal, ich war schon älter und unser Dorf litt unter einer Dürre, habe ich meine Mutter gefragt, wie es angehen konnte, dass unsere Flüsse in manchen Jahren beinahe austrockneten, wenn es so viel Wasser gab. Sie hat mir gesagt, das Meer sei nicht zum Trinken da, das Wasser sei voller Salz.
Da habe ich aufgehört, ihr die Geschichten vom Meer zu glauben.
So viel Salz konnte es doch im Universum nicht geben! Gott würde doch niemals zulassen, dass so viel Wasser verdorben wurde.
Aber es gibt Zeiten, in denen ich am Rand des Waldes der tausend Augen stehe, in die sich endlos ausdehnende Wildnis hinausschaue und mich frage, wie es wäre, wenn das alles Wasser wäre. Ich schließe die Augen und lausche dem Wind in den Bäumen und stelle mir eine Welt aus nichts als Wasser vor, das über meinem Kopf zusammenschlägt.
Es wäre eine Welt ohne die Ungeweihten, eine Welt ohne den Wald der tausend Augen.
Häufig steht meine Mutter neben mir. Eine Hand über den Augen, mit der sie die Sonne abschirmt, schaut sie über die Zäune hinweg in Bäume und Gestrüpp und wartet auf die Heimkehr ihres Mannes.
Sie lebt als Einzige in dem Glauben, er habe sich nicht gewandelt und könnte als der Mann zurückkommen, der er war, als er wegging. Ich habe meinen Vater schon vor Monaten aufgegeben und den Schmerz über seinen Verlust so tief wie nur möglich begraben, damit ich das tägliche Leben weiterführen konnte. Jetzt fürchte ich mich manchmal davor, an den Waldrand zu kommen und hinter den Zaun zu schauen. Ich fürchte mich davor, ihn dort mit den anderen zu sehen: zerfetzte Kleider, schlaffe Haut, das schreckliche, bettelnde Stöhnen — und Finger, die vom Zerren an den Drahtzäunen wund sind.
Niemand hat ihn gesehen, das gibt meiner Mutter Hoffnung. Jeden Abend betet sie zu Gott, Vater möge irgendwo im dichten Wald Sicherheit gefunden haben, einen Zufluchtsort, der so ähnlich ist wie unser Dorf. Aber niemand sonst hat Hoffnung. Die Schwestern sagen, unser Dorf ist das einzige, das es noch gibt auf der Welt.
Mein Bruder Jed hat sich freiwillig zu Sonderschichten der Wächterpatrouillen gemeldet, die den Zaun überwachen. Genau wie ich glaubt er, dass wir unseren Vater an die Ungeweihten verloren haben. Ich weiß das. Er hofft, ihn während einer seiner Patrouillen zu finden und zu töten, ehe meine Mutter sieht, was aus ihrem Mann geworden ist.
In unserem Dorf sind Leute verrückt geworden, die ihre Lieben als Ungeweihte gesehen haben. Eine Frau, eine Mutter, war so entsetzt über den Anblick ihres Sohnes, der sich auf einem Patrouillengang angesteckt hatte, dass sie sich selbst angezündet hat. Unser halbes Dorf hat sie niedergebrannt, damals, als ich noch ein Kind war. Das war das Feuer, in dem die Erbstücke meiner Familie zerstört wurden, das Feuer, das unsere einzige Verbindung zu den Menschen ausgelöscht hat, die wir vor der Rückkehr gewesen sind. Allerdings waren die meisten Dinge damals schon so alt und verwittert, dass sie nur noch Trugbilder der Erinnerung bargen.
Jed und ich beobachten unsere Mutter jetzt ganz genau, sie darf sich dem Zaun nie mehr unbegleitet nähern. Jeds Frau Beth hat sich unserer Wache ab und zu angeschlossen, bis ihr Bettruhe verordnet worden ist, weil sie ihr erstes Kind erwartet. Jetzt sind Jed und ich ganz allein.
Und dann eines Tages, als ich unsere Wäsche in dem Bach spüle, der vom großen Fluss abzweigt, kommt Beths Bruder zu mir. Solange ich zurückdenken kann, bin ich schon mit Harold befreundet, er ist einer der wenigen Gleichaltrigen im Dorf. Er reicht mir eine Handvoll Wiesenblumen und nimmt mir dafür meine tropfenden Laken ab, und wir schauen zu, wie das Wasser über die Felsen strömt, während er die Laken umständlich auswringt.
»Wie geht es deiner Mutter?«, fragt er mich, denn höflich ist er.
Ich senke den Kopf und wasche mir die Hände im Wasser. Ich weiß, ich sollte mich auf den Weg zu ihr machen, ich habe mir heute schon zu viel Zeit gelassen. Wahrscheinlich geht sie auf und ab und wartet auf mich. Jed ist zu einem langen Patrouillegang aufgebrochen, er überprüft, wie stark die Zäune sind, und meine Mutter verbringt ihre Nachmittage gern in der Nähe des Waldes, wo sie nach meinem Vater Ausschau hält. Ich muss bei ihr sein, damit ich sie notfalls trösten kann. Und um sie vom Zaun fernzuhalten, falls sie ihn findet. »Sie macht sich immer noch Hoffnung«, sage ich.
Harry seufzt mitfühlend. Wir wissen beide, dass es kaum Hoffnung gibt.
Er tastet im Wasser nach meinen Händen. Seit Monaten weiß ich schon, dass es so kommen wird. Ich habe bemerkt, wie er mich jetzt anschaut, wie sein Blick sich verändert hat. Wie sich Spannungen in unsere Freundschaft eingeschlichen haben. Wir sind keine Kinder mehr, schon Jahre nicht.
»Mary, ich ...« Er hält einen Moment inne. »Ich hatte gehofft, dass du am nächsten Wochenende mit mir zum Erntefest gehst.«
Ich schaue auf unsere Hände im Wasser. Meine Fingerspitzen werden in der Kälte schrumpelig und seine Haut fühlt sich weich und fleischig an. Ich denke über sein Angebot nach. Das Erntefest im Herbst ist die Zeit im Jahr, zu der Leute im heiratsfähigen Alter einander Anträge machen. Es ist der Beginn der Werbung, während derer das Paar über die kurzen Wintertage herausfindet, ob es zusammenpasst.


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