Bad Boss

Bad Boss

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Overview

Ja, Wes ist gut im Bett. Und dank der Bad Bachelors App weiß das ganz New York …   Wes Evans, Sohn eines Broadway-Produzenten, möchte endlich selbst etwas erreichen. Der sexy Millionär ist für seine preisverdächtigen Auftritte auf der Bühne bekannt. Doch seit die Bad Bachelors App erschienen ist, scheint die ganze Welt nur noch über sein Privatleben zu sprechen. Als er durch Zufall eine talentierte Balletttänzerin entdeckt, weiß er, dass sie genau das ist, was er braucht, um seiner neuen Show zum Erfolg zu verhelfen. Remi Drysdale hatte nur einen Gedanken, als sie aus Australien floh und nach New York zog: Niemals wieder Arbeit mit Privatem zu mischen. Und mit Wes zu arbeiten ist die perfekte Chance, um ihre Karriere zu retten. Deshalb nimmt sich Remi vor, nichts mit dem Mann anzufangen, der ihre berufliche Zukunft in seinen Händen hält. Egal wie sehr er ihr Avancen macht und wie gut seine Bewertungen bei Bad Bachelors sind … Von Stefanie London sind bei Forever by Ullstein erschienen: Bad Bachelor (New York Bachelors 1) Bad Boss (New York Bachelors 2) Bad Boss (New York Bachelors 3)

Product Details

ISBN-13: 9783958183346
Publisher: Forever
Publication date: 04/01/2019
Series: New York Bachelors , #2
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 304
File size: 3 MB

About the Author

Stefanie London stammt ursprünglich aus Australien, lebt aber inzwischen mit ihrem ganz persönlichen Helden in Toronto. Sie ist USA Today und iBooks Bestseller Autorin und hat bereits mehr als fünfzehn Liebesromane veröffentlicht. Für ihre Bücher erhielt sie verschiedene renommierte Auszeichnungen. Stefanie wuchs in einer Familie von Frauen auf, die es lieben zu lesen. Sie absolvierte ein Studium der Betriebswissenschaft und arbeitete eine zeitlang im Kommunikationsbereich, bevor sie zum Romanschreiben fand. Stefanie liebt es, die ganze Welt zu bereisen. Sie hat eine Schwäche für guten Kaffee, Lippenstift, Love Storys und alles, was mit Zombies zu tun hat.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Etwas stimmte nicht. Das Ding war entweder zu lang oder zu ... breit. Remi Drysdale legte den Kopf schief und blickte skeptisch. »Ich glaube, es geht nicht.«

»Das sagen alle.« Der Mann schenkte ihr ein strahlendes Lächeln, das durch seinen Zweitagebart noch attraktiver wirkte.

Remi verdrehte die Augen. Sie wusste ja, dass dreiste Typen gerne angaben. Aber eines hatte sie beim Online-Dating dazugelernt: Männer neigten generell dazu, sich selbst stark zu überschätzen.

Als sie sich wenig beeindruckt zeigte, fügte er hinzu: »Es wird gehen. Ganz bestimmt.«

»Hm, ich weiß nicht recht.« Sie beugte sich vor und verengte die Lider. »Ich nehme an, es ist nicht das erste Mal?«

Er hörte auf zu lächeln. »Natürlich nicht.« Plötzlich wirkte er nicht mehr ganz so selbstsicher.

Remi trat auf ihn zu und berührte seinen Arm, dabei lächelte sie zuckersüß, damit er nicht etwa auf den Gedanken kam, einen Rückzieher zu machen. »Nicht, dass etwas kaputtgeht. Einfach ... vorsichtig vorgehen. Immer schön langsam, okay?«

»Alles klar. Das wird schon hinhauen, wie ein Finger im Handschuh.«

»Wenn Sie meinen.«

Sie trat zurück, als der Mann und sein Partner die lange Holzstange durch das Ballettstudio trugen und in den glänzend polierten Halterungen befestigten, die sie kurz zuvor montiert hatten. Die Ballettstange passte ... haargenau. Das abgerundete Ende stieß fast an die Wand, und Remis Chefin hatte ausdrücklich darauf bestanden, dass die frischgestrichenen Wände des Studios auf keinen Fall einen Kratzer abbekommen durften.

»Sehen Sie.« Der Mann zwinkerte ihr zu. »Hab ich's doch gesagt.«

»Es war ganz schön knapp.« Sie inspizierte die Stange und strich mit der Hand über die glatte, polierte Oberfläche. »Aber ich gebe zu, Sie hatten recht.«

»Wir bringen jetzt die andere rein, zusammen mit den Beweglichen«, erklärte er. »Und dann brauche ich eine Unterschrift. Wenn Ihre Chefin nicht da ist, von Ihnen. Ich muss danach noch etwas ausliefern.«

Remi nickte. »Ich rufe sie noch mal an.«

Sie wartete, bis die Männer draußen waren, bevor sie sich gestattete, breit zu grinsen. Sie drückte ihre Freude aus, indem sie eine Pirouette drehte, bei der die Gummisohlen ihrer Sneakers auf dem glatten Boden quietschten.

Das Studio war einfach perfekt. Die Räume hatten früher eine Buchhaltungsfirma beherbergt und waren so heruntergekommen gewesen, dass sie als Kulisse für einen Endzeit-Zombie-Film getaugt hätten. Aber Remis Chefin Mish hatte Fenster und Böden erneuern, die Wände streichen und an zwei Seiten – hinter der Ballettstange und an der Frontseite, wo die Kursleiterin stehen würde - deckenhohe Spiegel installieren lassen. Die Spiegel ließen den Raum riesengroß wirken und sorgten für eine helle, luftige Atmosphäre.

Das Beste war, dass das Studio nur zehn Gehminuten von Remis Apartment in Park Slope entfernt lag, und das bedeutete, sich nie mehr in der Morgendämmerung aus dem Bett quälen und quer durch Manhattan zur Upper East Side schleppen zu müssen.

Remi holte ihr Handy aus der Tasche und wischte mit dem Daumen über das Display. Sie wollte gerade auf die »Anrufen«Taste tippen, als Mish hereinstürmte.

»Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid!«

Remi lachte. »Ich weiß ja, du bist Kanadierin, aber drei Entschuldigungen sind ein bisschen viel. Sogar für dich.«

»Klappe, Aussie.« Mish zog ein Haargummi von ihrem Handgelenk und versuchte, ihre wilde blonde Mähne in einem Pferdeschwanz zu bändigen. »Das sieht ja toll aus hier.«

»Ja, das tut es. Die Männer bringen jetzt noch die zweite Stange herein, die beweglichen Ballettstangen haben sie auch dabei. Wo wolltest du die haben?«

»Wahrscheinlich im Abstellraum. Bevor wir öffnen, weiß ich ja nicht, wie voll die Kurse sein werden. Vielleicht brauchen wir die erst, wenn das Geschäft richtig anzieht.«

Mish hatte ihr erstes winziges Studio unter dem Namen Allongé Barre Fitness an der Upper East Side eröffnet. Als Remi vor vier Jahren dort angefangen hatte zu arbeiten, hatte sie nur zwei Kurse pro Woche zu unterrichten gehabt. Aber im Lauf der Jahre hatten sie und Mish sich angefreundet und Remis Stundenplan war immer umfangreicher geworden. Jetzt war Mish dabei, ihr drittes Studio zu eröffnen – das erste in Brooklyn – und Remi sollte hier die Hauptkursleiterin werden.

Eine kleine Stimme in ihrem Hinterkopf hörte nicht auf zu nerven, wie ein winziger Nadelstich. Nicht stark genug, um wirklich schmerzhaft zu sein, aber nichtsdestotrotz spürbar. Es ist nicht das, was du eigentlich tun solltest.

Remi verscheuchte den Gedanken, schlang die Arme um Mish und drückte sie fest an sich. »Ich kann es noch nicht fassen, dass du Studio Nummer drei eröffnest. Ich bin ja so stolz auf dich.«

»Das könnte ich nicht ohne dich«, erwiderte Mish. »Im Ernst. Man hat es nicht leicht als kleines Unternehmen. Es gibt mir so viel Sicherheit, zu wissen, dass du zu mir stehst.«

»Immer. Das hier wird ein großer Erfolg, das weiß ich.«

Die Männer kehrten mit der zweiten Ballettstange zurück und befestigten sie etwa dreißig Zentimeter unterhalb der ersten. Remi stellte sich ihre kleinen Schützlinge vor – die Eltern-KindKurse mochte sie am liebsten. Sie sah zu gerne das Staunen und die großen Augen der Kinder, wenn sie etwas Neues lernten; die Art, wie sie etwas in Angriff nahmen, ohne Angst vor Blamage oder Versagen zu haben wie die Älteren.

Nein, das hier war nicht wirklich Ballett. Aber vielleicht war es ja genau deshalb das Richtige für sie.

»Die Stellage für die Handgewichte stellen wir dorthin.« Mish deutete zur hinteren Ecke des Studios. »Und die Yogamatten können zusammengerollt in Container gesteckt werden. Wenn man sie einfach nur aufeinanderstapelt, werden sie mit der Zeit schmuddelig.«

»Stimmt.«

Mish ging zu den Lieferanten und entschuldigte sich für ihre Verspätung. Sie dirigierte sie hinaus in den Empfangsbereich und Remi blieb allein.

Dieser Trainingsraum war genau das, wovon sie schon als junges Mädchen geträumt hatte – hell und geräumig, mit einer langen Stange. Ein Raum voller Möglichkeiten. Mit einem Boden, der nur auf ihr Frappé zu warten schien, auf das anmutige Sssst, wenn ihre Zehen sich zu einem Grand Battement vom Boden erhoben. Die geräuschlose Landung in einem perfekten Pas de Chat. Und dann waren da die Spiegel, die das alles bewundern würden. Um Remis Enthusiasmus und Kreativität und das Glücksgefühl, das sie empfand, wenn der Luftzug ihren Pferdeschwanz wippen ließ – sodass sogar das Haarband ein wenig verrutschte – während sie sich drehte und drehte, in sich aufzunehmen.

»Remi?«

Sie zuckte zusammen, als Mishs Stimme sie aus ihren Gedanken herausriss. »Alles fertig?«

»Ja.« Mish lächelte bedauernd. »Vielen Dank, dass du in letzter Minute gekommen bist, um die Lieferung in Empfang zu nehmen. Das war die Rettung.«

»Kein Problem.« Remi schob den Schulterriemen ihrer Tasche ein Stück höher. »Hoffentlich hat das Kätzchen jetzt keine Magenprobleme mehr.«

»Wer weiß. Das hat man wohl davon, wenn man Streuner bei sich aufnimmt, oder?« Mish schüttelte den Kopf. »Wir haben heute noch einen Termin beim Tierarzt, dann wird es richtig untersucht.«

»Du hast so ein gutes Herz.«

»Aber nicht für meinen Teppichboden.«

Remi lachte und sah auf ihre Armbanduhr. »Ich muss los. Ich habe Darcy versprochen, mich heute Nachmittag mit ihr auf einen Kaffee zu treffen und ich möchte zu Fuß gehen, so schön wie das Wetter heute ist.«

»Nur zu.« Mish wedelte mit der Hand, wie um sie zu verscheuchen. »Ich rufe dich morgen an, dann können wir den Stundenplan besprechen.«

Remi winkte im Hinausgehen. Es war ein perfekter Frühherbsttag – sonnig und mild, aber auch schon ein klein wenig frisch – vielleicht schon kühl genug für eine Jacke. Nach dem langen, schwülen Sommer sehnte sich Remi nach dieser Art von Klima. Ganz zu schweigen davon, dass der Herbst in New York immer schön war – mit den vielen goldenen Braunund satten Rottönen. Das gab es in Australien so gut wie nicht. Dort waren zu viele immergrüne Pflanzen heimisch.

»Apropos Australien«, murmelte sie, als sie in die Flatbush Avenue einbog. Demnächst war wieder ein Skype-Gespräch mit ihren Eltern angesagt. Diese würden bald aus ihrem »Urlaub« zurückkehren. Für die meisten Paare in ihrem Alter bedeutete ein Entspannungsurlaub wahrscheinlich so etwas wie eine Kreuzfahrt oder einen Hotelaufenthalt. Oder eine Sightseeing-Reise durch ein fremdes Land. Oder wenigstens eine Tour mit dem Wohnwagen beziehungsweise– wie zum Teufel nannte man das hier ... Winnebago? Wohnmobil?

Wie auch immer, ihre Eltern waren nicht wie die meisten Paare in ihrem Alter. O nein. Für Opal und Dan Drysdale gab es keinen Urlaub ohne irgendeine Art der Horizonterweiterung. Diesmal war es ein tantrisches Seminar für Paare in Nimben, auch bekannt als die Hippie-Hauptstadt von Australien.

Ihre Eltern hatten sich für einen Sex-Workshops eingeschrieben.

Remi krümmte sich innerlich. Zweifellos würde ihre Mutter ihr alles darüber erzählen wollen. Und wie üblich würde sie sich Opals Kritik anhören müssen, dass sie, Remi, zu einer dieser »konservativen, spießigen, prüden Frauen« geworden sei, total zimperlich, was Sex betraf. Remi war nicht zimperlich in Bezug auf Sex. Kein bisschen. Sie konnte durchaus ein gelegentliches Abenteuer mit einem heißen Typen genießen. Ja, sie hatte jenes erotische Wochenende mit diesem Sexgott in Texas, der sie aufgefordert hatte, nackt bis auf ein Paar pinkfarbener, mit Glitzersteinen besetzter Cowboystiefel in seinem Hotelzimmer herumzustolzieren SEHR genossen. Nein, sie war definitiv nicht prüde.

Aber sie wollte nichts darüber hören, ob und wie ihre Eltern es taten. Auf keinen Fall.

Remi zog ihr Handy heraus und setzte sich eine Erinnerung, damit sie nicht vergaß, sich am Wochenende bei ihren Eltern zu melden. Opal und Dan mochten in vieler Hinsicht New Age, vegan oder was auch immer sein, aber sie erwarteten einmal im Monat ein Gespräch mit ihrer Tochter. Da waren sie ganz traditionell.

Nach etwa einer halben Stunde bog Remi in die Schermerhorn Street ein. Aus irgendeinem Grund machte sie auf dem Weg zu Darcys neuem Apartment in DUMBO immer diesen Umweg. Die Straße selbst war nicht besonders interessant. Um diese Jahreszeit herrschte hier der typische vorwinterliche Renovierungseifer, was bedeutete, dass man unter Baugerüsten hindurchgehen und Verkehrshütchen ausweichen musste.

Aber es gab noch etwas, und das zog Remi immer wieder hierher.

»Entschuldigung.« Eine zierliche junge Frau, die ihr schwarzes Haar zu einem strengen Knoten zusammengefasst hatte, eilte anmutig an Remi vorbei. Sie trug schwarze Leggings, die bis zur Mitte ihrer Wade reichten, sodass man zwischen Leggings und knöchelhohen Sneakers ein paar Zentimeter ihrer pinkfarbenen Strumpfhose sah.

Sie gehörte zu etwa einem Dutzend Personen, die gerade das Gebäude des Brooklyn Balletts betraten oder verließen. Hauptsächlich Frauen, doch es waren auch ein paar junge Männer dabei. Alle mit durchtrainierten, aber schlanken und geschmeidigen Körpern, wie man es von Balletttänzern kannte.

Ihre Bewegungen waren fließend und ließen alles wie perfekt choreografiert aussehen. Vom leichten Anwinkeln eines Armes bis zu der Art, wie sie zwischen fahrenden Autos hindurch die Straße überquerten. Selbst so etwas Profanes wie das Hinabbeugen, um sich die Schuhe zu binden, zeugte von einer Grazie, die aus einer anderen Welt zu kommen schien.

Remi nahm das alles gierig in sich auf, bevor sie die Straße entlangeilte und dabei ihre Kopfhörer aufsetzte, um den Lärm der Stadt auszusperren.

* * *

Wes Evans war daran gewöhnt, dass Frauen ihn anstarrten. Er trainierte oft und achtete auf sein Äußeres – und befolgte damit den Rat seines Vaters, sich stets so zu kleiden, als ob er jemand Wichtigem begegnen würde. New York City war nämlich ein Ort, an dem so etwas jederzeit passieren konnte. Im Aufzug, im Taxi oder in der Warteschlange eines Coffeeshops.

Seitdem er eine Zeit lang Gastjuror in der Show Dance Idol gewesen war, waren noch mehr Menschen auf ihn aufmerksam geworden. Fans der Show wollten ihm ihre tollen Fotos präsentieren und Möchtegern-Kandidaten versuchten, einen Termin zu ergattern.

Aber das hier war ... etwas anderes.

»Was darf ich Ihnen bringen?« Die Barista verschlang ihn mit Blicken, das kurze Aufblitzen ihrer Zungenspitze hinterließ eine glänzende Spur auf ihren pinkfarbenen Lippen.

»Cold Brew.« Wes fischte seine Brieftasche aus der Gesäßtasche seiner Jeans. »Ohne Milch.«

Sie neigte leicht den Kopf. Hinter ihrer breitrandigen Brille ließ sie den Blick an seinem Körper abwärtsgleiten und südlich seiner Gürtelschließe verweilen. »Welche Größe?«

»Groß.«

Sie griff nach einem transparenten Plastikbecher, steckte die Kappe ihres Filzmarkers in den Mund und zog mit einem hörbaren Plop den Stift heraus. Eine andere Barista ging hinter ihr vorbei und musterte Wes ebenfalls. »Ich habe gehört, er ist eher ›extralarge‹«, flüsterte sie nicht gerade leise.

Die andere Barista presste die vollen Lippen zusammen, als ob sie versuchte, ein Lachen zu unterdrücken, und markierte den Becher. »Du bist Wes, nicht wahr?«

»Ja.« Er wollte sie fragen, woher sie seinen Namen kannte, doch er hatte er keine Lust auf noch mehr abschätzendes Anstarren. Er kam sich vor wie eins dieser Steaks, die man in teuren Restaurants auf Servierwägen präsentierte; als ob er nur darauf warten würde, dass Leute seine Figur und seine Größe kommentierten.

»Sonst noch einen Wunsch?«, fragte sie.

»Nein, danke.« Er gab ihr einen Zehn-Dollar-Schein und trat ein paar Schritte weg, bevor sie Zeit hatte, sein Wechselgeld abzuzählen.

Eigentlich reichte es ihm für heute. Und je schneller er zu seiner Koffeindosis kam, desto besser. Vielleicht hätte er einen etwas weniger öffentlichen Ort für dieses Treffen wählen sollen. Aber als Sadie, seine beste Freundin und jetzt auch Geschäftspartnerin, ihm am Vormittag die E-Mail über die Bad-Bachelors-Website geschickt hatte, hatte er die Sache nicht weiter ernst genommen. Kaum hatte er jedoch sein Apartment an der Upper East Side verlassen, wurde ihm klar, dass Sadie nicht die einzige war, die diesen Abschaum von Klatsch- und Tratsch-Website nutzte.

Die Barista stellte seinen Cold Brew auf den Tresen und zwinkerte ihm zu. Sie hatte ihre Telefonnummer auf seinen Kaffeebecher geschrieben.

»Wes!« Sadie winkte ihm von einem Tisch in der hinteren Ecke des Raumes zu. Ihr Haar war auf einer Seite rasiert, auf der anderen halblang. Blau und lila gesträhnt, fiel es locker um eine Seite ihres Kopfs. »Oder sollte ich sagen Mr. Anakonda?«

»Hör bloß auf.« Er ließ sich ihr gegenüber auf einen Stuhl fallen. »Ich fange an mich zu fragen, ob die menschliche Spezies auf einmal Röntgenfähigkeiten entwickelt hat, so wie die Leute mich anstarren.«

»Das werden sie wohl kaum benötigen. Jemand hat eine digitale Nachbildung auf dieses Foto montiert, das Foto von dir und ... wie hieß sie gleich? Dieses russische Mädel. Natasha? Natalia?«

»Nadja.«

»Richtig.« Sadie schnippte mit den Fingern. »Wie auch immer, es ist online. Man hat wohl extra Photoshop bemüht, um zu zeigen, was sich unter deinen Shorts abspielt, und ich muss sagen ...«

»Nein, musst du nicht.«

Sadie grinste und rührte mit ihrem Strohhalm in der Sahnehaube einer wahrhaft monströsen Karamell-Mokka-Kreation. »Du hast Geheimnisse vor mir.«

»Ich dachte, wir hätten eine Abmachung.«

Wes und Sadie waren befreundet, solange sie denken konnten. Sie waren in einem der exklusiven Apartmenthäuser in Manhattan Tür an Tür aufgewachsen, hatten auf dem Spielplatz Butterbrote getauscht und nach einem katastrophalen Kuss mit etwa achtzehn Jahren beschlossen, dass sie für immer Freunde bleiben wollten. Nicht mehr.

»Ja, ich weiß. Aber das war, bevor ich wusste, dass du so überdurchschnittlich ausgestattet bist.« Sie konnte sich nicht mehr beherrschen und prustete. »Ieh. Nein, ich kann nicht einmal darüber scherzen, ohne mich schmutzig zu fühlen.«

»Wow, danke sehr.«

»Nicht persönlich gemeint. Außerdem wird ab jetzt jede Frau in dieser Stadt versuchen dich zu umgarnen. Da brauchst du nicht auch noch meine Zuwendung.«

»Hervorragend.« Er klatschte in die Hände. »Können wir jetzt mit diesem schlüpfrigen Kram aufhören und über die Arbeit sprechen?«

»Kein Grund, schnippisch zu werden.« Sadie sah so verdammt zufrieden aus. »Du weißt schon, dass Frauen so etwas ständig ertragen müssen, oder?«

»Ja, weiß ich, und ihr habt mein Mitgefühl.« Wes fischte sein Tablet aus der Tasche und wischte mit dem Daumen über den Bildschirm, um es zu entsperren. »Vielleicht sollten wir uns beide ein ›Achtung, ich bin hier oben‹ auf die Stirn tätowieren lassen.«

»Tittenwunder McGee und Mr. Anakonda, was für ein Paar wir abgeben würden.« Sie warf den Kopf zurück und lachte.

(Continues…)


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