Bis wir eins sind: Liebesroman Neuerscheinung

Bis wir eins sind: Liebesroman Neuerscheinung

by Jodi Ellen Malpas, Sabine Schilasky

NOOK Book(eBook)

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Overview

Ein Blick, eine Berührung, ein verzehrendes Feuer. Und er fühlt es auch. In Jacks Armen erlebe ich eine Nacht ohne Hemmungen, ohne Gedanken an den Morgen. Danach allerdings trennen sich unsere Wege. Doch wenig später steht Jack wieder vor mir, und sofort erwachen in mir all die sinnlichen Erinnerungen. Aber dann offenbart er mir etwas Schockierendes: Er ist verboten für mich. Dennoch können wir uns einfach nicht voneinander lösen, egal, wie falsch es ist. Kann es für unsere Liebe eine Zukunft geben? »Jedem Kuss, jeder erotischen Szene, jedem Wortwechsel zwischen diesem Paar gehört ein Stück meiner Seele.« SPIEGEL-Bestsellerautorin Audrey Carlan über »Mit allem, was ich habe« »Die neue Königin sinnlicher Literatur.« Sunday Times »Bis wir eins sind ist ein herzzerreißender, zutiefst berührender Roman, der die Leser in seinen Bann ziehen wird.« Romantic Times Book Reviews

Product Details

ISBN-13: 9783955768140
Publisher: MIRA Taschenbuch
Publication date: 09/03/2018
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 400
File size: 3 MB

About the Author

Jodi Ellen Malpas‘ Romane wurden in über 22 Sprachen übersetzt und erobern die Bestsellerlisten weltweit. Ein Erfolg, den die bekennende Tagträumerin nicht für möglich gehalten hätte. Seitdem ist das Schreiben von ebenso spannenden wie leidenschaftlichen Geschichten zu ihrer Passion geworden.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Ich kicke die Berge von Post auf dem Parkett aus dem Weg, während ich einen Karton auf den Armen balanciere. Hinter mir knallt die Tür ins Schloss. Von der Erschütterung stiebt Staub, der sich über zwei Jahre angesammelt hat, von den Bilderleisten im leeren Flur auf, tanzt im Dämmerlicht vor mir und steigt mir geradewegs in die Nase. Ich niese – einmal, zweimal, dreimal – und lasse den Karton fallen, damit ich meine kitzelnde Nase reiben kann.

»Verdammt«, bringe ich schniefend hervor, trete den Karton zur Seite und gehe den Flur hinunter, um Taschentücher zu holen.

Im Wohnzimmer suche ich die willkürlich aufgestapelten Kisten nach der mit der Aufschrift BAD ab. Viel Hoffnung mache ich mir nicht, denn die Kartons stehen in Fünferstapeln um mich herum und warten allesamt darauf, ausgepackt zu werden. Ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll.

Langsam laufe ich herum und schaue mich in meinem neuen Apartment um – eine Erdgeschosswohnung in einem alten, umgebauten georgianischen Haus in einer Westlondoner Allee. Das Erkerfenster im Wohnzimmer ist riesig, die Decken sind sehr hoch, die Böden noch das Original-Parkett. Ich schlendere in die Küche, verziehe das Gesicht wegen der abgestandenen Luft und der Fettfilme auf allen Oberflächen. Dieses Apartment hat zwei Jahre leer gestanden, und das sieht man. Aber es ist nichts, was mithilfe von einem Paar Gummihandschuhen und Putzmitteln nicht zu lösen wäre.

Plötzlich bin ich aufgeregt und stelle mir vor, wie alles blitzt und blinkt, wenn ich erst einen Eimer Reinigungsmittel zum Einsatz gebracht habe. Ich stoße die Glasflügeltür auf, die in den Garten führt, um frische Luft hereinzulassen, und blicke mich im Schlafzimmer um. Es ist gewaltig mit dem Original-Kamin und dem angrenzenden riesigen Bad. Lächelnd laufe ich zurück in den Flur und ins Gästezimmer, das ich allerdings nicht als solches nutzen werde. Ich male mir aus, wie mein Schreibtisch unter dem Fenster mit Blick auf den niedlichen Hof steht, und mein Zeichentisch kommt an die gegenüberliegende Wand mitsamt lauter technischen Plänen und Akten. Es ist meins. Alles meins. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich die ideale Wohnung in meiner Preisklasse gefunden habe, doch endlich bin ich hier. Endlich habe ich meine eigene Wohnung und meinen eigenen Arbeitsplatz. Ich habe mir immer gesagt, dass ich mit dreißig meine eigene Firma und mein eigenes Zuhause haben würde. Und ich habe mein Ziel ein volles Jahr früher erreicht. Jetzt bleibt mir dieses Wochenende, das Apartment zu meinem Heim zu machen.

Wie aufs Stichwort klopft es an der Tür. Ich laufe durch meine Wohnung – meine Wohnung – und reiße die Tür auf, woraufhin eine Flasche Prosecco vor meiner Nase erscheint.

»Willkommen daheim!«, trällert Lizzy, die auch noch zwei Gläser aus dem Ärmel zaubert.

»Oh mein Gott, du bist ein Engel!« Ich springe vor, schnappe mir alles und trete zur Seite, damit ich sie in meinem neuen Zuhause willkommen heißen kann. Das Grinsen auf meinem Gesicht dürfte das breiteste aller Zeiten sein.

Sie strahlt mich an und stürmt herein, wobei ihr kurzes schwarzes Haar ihr Kinn umspielt und ihre Augen vor Freude schimmern – Freude für mich.

»Erst stoßen wir an, dann putzen wir.«

Ich stimme zu, während ich die Tür schließe und ihr ins vollgestellte Wohnzimmer folge.

»Ach du Schande, Annie!«, meint sie flüsternd, sobald sie an der Tür steht und die Kartonberge entdeckt. »Woher kommt denn das ganze Zeugs?«

Ich drängle mich an ihr vorbei, stelle die Gläser auf eine der Umzugskisten und mache die Folie vom Prosecco-Korken. »Das meiste ist Arbeitskram«, antworte ich, lasse den Korken knallen und schenke ein.

»Wie viele Bücher und Stifte braucht eine Architektin?«, fragt sie, wobei sie zu der Wand zeigt, an der sich Plastikkisten mit diversen Akten, Lehrbüchern und Büromaterial reihen.

»Die meisten Bücher sind von der Uni. Micky holt morgen mit einem Van den Kram ab, den ich nicht mehr brauche, um ihn zum Wohlfahrtsladen zu fahren.« Ich reiche Lizzy ein Glas und stoße mit ihr an.

»Prost.« Sie trinkt, während sie sich umsieht. »Wo fangen wir an?«

Ich trinke ebenfalls und schaue mich in meinem chaotischen neuen Zuhause um. »Ich muss mein Schlafzimmer einrichten, damit ich irgendwo schlafen kann. Den Rest nehme ich am Wochenende in Angriff.«

»Ohoooh, dein Gemach!«

Sie lässt ihre Augenbrauen hüpfen, und ich verdrehe die Augen. »Das ist eine männerfreie Zone.« Nachdem ich einen weiteren Schluck Prosecco getrunken habe, steuere ich das Schlafzimmer an. »Ausgenommen Micky«, ergänze ich, als ich dort ankomme und im Geiste mein Bett, meine Schränke und meine Frisierkommode durch den riesigen Raum bewege – noch befinden die Möbel sich allesamt mitten im Zimmer. Ich hoffe, dass Lizzy ausgiebiges Stretching gemacht hat, denn wir müssen schwere Möbelstücke rücken.

»Dein Leben ist eine männerfreie Zone.«

»Ich bin mit meiner Arbeit beschäftigt«, erwidere ich und lächle zufrieden. Ich liebe das! Meine neue Firma macht sich besser und besser. Es gibt kein schöneres Gefühl, als zu sehen, wie sich die eigene Vision verwirklicht, zu erleben, wie sich eine Zeichnung in ein richtiges Gebäude verwandelt. Seit ich zwölf war, wusste ich genau, was ich werden wollte. Mein Vater schenkte mir ein Kaninchen zum Geburtstag, und weil ich den Stall, in dem das Tier lebte, sehr dürftig fand, fing ich an zu nörgeln, dass ich die Unterkunft ausbauen müsse, damit es mein neuer Freund schöner habe. Mein Vater lachte und sagte, ich solle ihm aufzeichnen, was ich haben wollte. Also tat ich es. Und von da an gab es kein Zurück mehr. Nach zwei Jahren A-Levels, vier Jahren Bath University und sieben Jahren in einem Architekturbüro, während der ich mich durch meine drei Architektenprüfungen arbeitete, bin ich jetzt da, wo ich immer hinwollte. Ich bin selbstständig, realisiere die Traumprojekte von Menschen.

Ich halte mein Sektglas in die Höhe. »Was macht dein Job eigentlich?«

»Ich arbeite, um zu leben, Annie, nicht andersrum. Ich denke nur an Pediküre, Haut und Nägel, wenn ich im Salon bin.« Lizzy gesellt sich zu mir an die Schlafzimmertür. »Und wechsle nicht das Thema. Es ist über ein Jahr, zwei Monate und eine Woche her, seit du flachgelegt wurdest.«

»Wie überaus akkurat von dir.«

Lizzy zuckt mit den Schultern. »Es war mein Achtundzwanzigster.«

Ich erinnere mich allzu gut an die Nacht, doch der Name ist mir entfallen.

»Tom«, hilft sie mir auf die Sprünge, als hätte sie meine Gedanken gelesen, und dreht sich zu mir. »War ein niedlicher Rugbyspieler. Ein Freund von Jasons Freund.«

Prompt erinnere ich mich an die Oberschenkel des niedlichen Rugbyspielers, muss lächeln und denke an den Abend, an dem ich den Freund von Lizzys Freund kennenlernte – Tom. »Ja, er war wirklich ganz niedlich, nicht?«

»Sehr! Und warum wolltest du ihn nicht wiedersehen?«

»Weiß ich nicht«, antworte ich achselzuckend. »Da war nichts.«

»Da waren Schenkel!«

Ich lache. »Du weißt, was ich meine. Funken. Chemie.«

Sie schnaubt. »Annie, solange ich dich kenne, gab es nie Funken.«

Sie hat recht. Wann wird ein Mann erscheinen und mich von den Socken hauen? Mich richtig umhauen? Mich an etwas anderes als meine Karriere denken lassen? Das Einzige, was meinen Puls rasen lässt, ist mein Job.

»Hast du den Männern für immer abgeschworen?«, unterbricht Lizzy meine Gedanken. »Denn Jason hat noch jede Menge Freunde von Freunden.«

»Mich langweilt das alles. Dates. Der Stress. Die Erwartungen. Für mich hat es einfach nirgends ... klick gemacht«, erkläre ich. »Jedenfalls liebe ich meinen Job und meine Freiheit derzeit zu sehr.«

Lizzy lacht amüsiert und geht nach nebenan, um das Bad zu begutachten. »Deine Arbeit meint es echt ernst mit dir, so wie du sie mit achtundvierzig Stunden Einsatz die Woche verwöhnst.«

»Neunzig«, antworte ich, woraufhin sie die Stirn runzelt. »Ich habe letzte Woche neunzig Stunden gearbeitet. Und ich habe die Freiheit, genau das zu tun.«

»Und was ist mit Spaß?«

»Meine Arbeit macht mir Spaß«, sage ich ein bisschen bissig. »Ich darf wunderschöne Bauten entwerfen und zusehen, wie sie zum Leben erwachen.«

»In den letzten Wochen habe ich dich kaum noch zu Gesicht bekommen«, murrt sie.

»Weiß ich. Es war verrückt.«

»Ja, dieses Nobelpärchen in Chelsea verschlingt deine ganze Zeit. Wie läuft es überhaupt?«

»Super«, antworte ich, weil es so ist. Doch es ist eins der härtesten Projekte, das ich je übernommen habe. Monatelang habe ich Entwürfe gemacht und verhandelt, bis wir endlich einen Kompromiss für ihr ultramodernes Ökohaus hatten, das bei den Behörden bewilligt wurde. Die viele Arbeit war jede Mühe wert. Das Würfelhaus am Parkrand hat mir zu der läppischen Anzahlung verholfen, die ich für mein neues Zuhause leisten musste.

»Sie sind letzten Freitag eingezogen.« Ich laufe auf die Flügeltür zum Innenhofgarten zu und stelle mir vor, wie der kleine Platz in Grün versinkt und wie ein schmiedeeiserner Tisch mit ein paar Stühlen darauf steht, an dem ich meinen morgendlichen Kaffee genieße. »Ist es nicht perfekt?«

»Es ist toll«, meint Lizzy, die mir gefolgt ist. »Jason und ich müssen uns wirklich überlegen, etwas zu kaufen, anstatt zu mieten.«

»Oder zu bauen.« Ich blicke sie augenzwinkernd an. »Ich kenne eine tolle Architektin.«

Wieder mal schnaubt Lizzy. »Wir könnten uns dich nie leisten.«

Ich lache und gehe hinein. »Hilfst du mir jetzt, mein Bett aufzubauen, oder nicht?«

»Komme schon!«, ruft sie und schließt die Türen hinter sich.

Drei Stunden später und nach einem Ausflug zum Laden, um Prosecco-Nachschub zu holen, haben wir alles geputzt, poliert und gewaschen, was zu sehen war, und uns sogar das Bad vorgenommen. Die alte Klauenfuß-Wanne blitzt, und Lizzy hat alle meine Badsachen und Kosmetikartikel ausgepackt, während ich mein Bett machte. Es fühlt sich jetzt schon wie zu Hause an. Ich schaue in den Spiegel, als ich daran vorbeikomme, und sehe, dass sich mein dunkler Dutt oben auf meinem Kopf in ein zerzaustes Chaos verwandelt hat. Rasch zerre ich das Haargummi heraus, lasse mein Haar über meine Schultern fallen und streiche mit den Fingern hindurch, um es zu entwirren. Ich blinzle mehrmals, weil mich irgendwas an meinen blassgrünen Augen stört, beuge mich näher zum Spiegel und entferne einige Staubkrümel aus den Wimpern.

»Vergiss nicht, dass wir nächsten Samstag ausgehen«, erinnert Lizzy mich, während sie das Bad verlässt und einen schwarzen Müllsack zuschnürt. »Jason ist bei einer Firmenveranstaltung, Nat flieht vor John, weil er an dem Abend sein Kind hat, und Micky hat ... na ja, er hat immer Zeit. Also will ich keine Ausrede hören, dass du arbeiten musst.«

Ich trete an mein Bett, schüttle die Kissen auf und schlage die Decke zurück, denn sobald Lizzy weg ist, werde ich direkt schlafen gehen. »Keine Ausreden«, verspreche ich.

»Super!« Sie lässt den Müllsack bei den anderen neben der Tür fallen und klopft sich die Hände ab. »Und was ist mit deiner Einweihungsparty? Wir müssen die Wohnung noch taufen.«

»Die ist den Samstag danach. Ich habe auch einige neue Kunden eingeladen.«

»Heißt das, keine Orgie?«

Ich lache. »Keine Orgie.«

»Ah, okay. Ich kümmere mich um die Snacks, du dich um die Cocktails.«

»Abgemacht.«

Jubelnd schlingt sie die Arme um mich. »Es ist perfekt, Annie. Und du hast es dir hart erarbeitet.«

»Danke.« Ich erwidere ihre Umarmung und atme den Duft der unzähligen Kerzen ein, die wir angezündet haben.

»Wie lange nimmst du dir frei?«, fragt sie, als sie mich loslässt und ihre Tasche vom Boden aufhebt.

»Nur das Wochenende.«

»Wow, du lässt es ja richtig krachen, was?«

Ich ignoriere ihren Sarkasmus. »Ich muss die Zeichnungen für die neue Galerie fertig machen. Kein Frieden den Gottlosen.«

»Und auch kein Spaß«, bemerkt Lizzy grinsend, als sie ihr Handy aus der Tasche holt. »Klasse«, murmelt sie beim Blick auf das Display.

»Was?«

Sie steckt das Telefon ein und ringt sich ein Lächeln ab. »Jason arbeitet mal wieder länger. Eigentlich sollte er mich abholen ...« Sie sieht auf ihre Uhr. »Jetzt.«

»Du kannst hierbleiben, wenn du willst.«

»Nein, ich fahre mit der U-Bahn. Geh du schlafen.«

Sie küsst mich auf die Wange und befiehlt mir, schön zu träumen. Ich bezweifle nicht, dass ich es werde. Und tatsächlich schlafe ich sofort ein, als ich in mein nagelneues Bett mit der brandneuen Bettwäsche und der brandneuen Daunendecke falle.

Am nächsten Morgen weckt mich lautes, hartnäckiges Klopfen an der Wohnungstür. Ich setze mich auf und blicke mich einen Moment lang desorientiert in dem noch fremden Zimmer um.

Poch, poch, poch!

Auf einmal beginnt mein Handy zu klingeln, gefolgt von weiterem Geklopfe an der Tür und einer Stimme, die meinen Namen ruft. Ich reibe mir das Gesicht, bevor ich nach dem Telefon greife und es unter dem Kissen vorziehe. Micky leuchtet es mir entgegen. Und dann sehe ich die Uhrzeit. »Oh Mist!« Ich krabble aus dem Bett und stolpere aus dem Schlafzimmer.

Poch, poch, poch!

»Okay, okay!«, brülle ich, springe über einen Karton und knalle gegen die Tür. Als ich sie öffne, steht mir Micky gegenüber; seine Augen strahlen, das Haar hat er hochgebunden. »Im Ernst?« Mir hallt das Gewummer, das Geklingel und das Gerufe durch den Kopf.

»Guten Morgen, Zuckerschnute!« Er drückt mir einen Kuss auf die Wange, drängt sich an mir vorbei und inspiziert mit vielen Ohs und Ahs meine neue Bleibe. »Nette Wohnung!«

Ich schließe die Tür und folge ihm, wobei ich stirnrunzelnd seinen Man-Bun betrachte. »Was ist mit deinem Haar passiert?«, frage ich, während er sämtliche Ecken und Winkel begutachtet.

»Gefällt es dir?« Er greift sich an den dunkelblonden Knoten an seinem Hinterkopf. »Es fing an, mir beim Arbeiten im Weg zu sein.« Er tritt eine Kiste zur Seite, trinkt einen Schluck von seinem Starbucks-Kaffee und reicht mir gleichzeitig einen Becher.

Dankbar nehme ich ihn entgegen und gehe ins Schlafzimmer. Micky ist in seiner Arbeitskluft, sprich: Shorts und T-Shirt. Er ist Personal Trainer. Ein sehr beliebter Personal Trainer mit einer langen Warteliste voller Frauennamen. Nur Frauen. »Arbeitest du heute?«, frage ich und stelle meinen Kaffee auf den Nachttisch.

Micky folgt mir und hockt sich auf die Bettkante. »Zwei Termine am Nachmittag.« Er kneift mir in den Oberschenkel, als ich an ihm vorbeigehe, und ich schreie auf. »Wann lässt du mich mal an dich ran?«

»Nie!« Ich lache. »Lieber würde ich mir einen heißen Schürhaken in die Augen stechen.«

»Ein paar Kniebeugen werden dir guttun.«

Ich schnaube und schlüpfe in eine Jeans. »Du kannst reichlich Hintern bei Kniebeugen angaffen, ohne mich zu quälen.«

Er grinst. »Apropos, ich habe gerade eine neue Klientin angenommen.«

Ich mache meine Jeans zu. »Verheiratet?«, frage ich, ziehe mein Unterhemd aus und streife mir ein U2-T-Shirt über.

»Nein.« Erneut grinst er. »Du weißt doch, dass ich immer nur fünf verheiratete Klientinnen gleichzeitig betreue. So muss ich mich jeden Tag nur eine Stunde lang professionell benehmen. Fünf Stunden die Woche!«

Laut lache ich auf. Der Mann flirtet gnadenlos, aber er ist auch einer der besten Personal Trainer in London. Die Frauen stehen Schlange, um sich von meinem ältesten Freund beugen, strecken und in furchtbare Stellungen zwingen zu lassen. Und das nicht bloß, um körperlich fit zu werden. »Das muss anstrengend sein.«

»Ist es, wenn sie einen permanent in Versuchung führen. Mal ein unschuldiges Streifen meines Schenkels, mal ein Hintern, der mir ins Gesicht gereckt wird.«

»Wenn es so schwer ist, nicht mit Gedanken und Blicken abzuschweifen, solltest du einfach nur Single-Frauen annehmen. Oder Männer.«

»Ich brauche gemischte Kundschaft. Außerdem bemühen sich die Verheirateten mehr«, meint er, und ich hebe fragend die Brauen. Micky verdreht die Augen. »Beim Training«, stellt er klar.

»Und du warst noch nie versucht?«

»Niemals!« Er schüttelt energisch den Kopf. »Ich mag meine Beine zu sehr und würde niemals riskieren, dass sie mir ein wütender Ehemann bricht. Nein danke.«

Ich binde mein dunkles Haar zu einem hohen Pferdeschwanz, lache und schlüpfe in meine Flip-Flops. Micky kenne ich seit Ewigkeiten. Wir sind zusammen aufgewachsen, haben Mutter-Vater-Kind gespielt, uns nackt gemeinsam im Planschbecken vergnügt. Er hat sogar einige Nägel in den Anbau meines Kaninchenstalls eingeschlagen, als wir zwölf waren. Unsere Eltern waren und sind noch eng befreundet.

»Und wie war deine erste Nacht?«, fragt er und klopft auf die Bettdecke.

»Ich glaube nicht, dass ich schon mal so lange geschlafen habe.« Es ist ein gutes Zeichen. »Na komm, lass uns ein bisschen was von dem Mist loswerden, damit ich anfangen kann zu überlegen, was wohin soll.«

Wir gehen ins Wohnzimmer und ich beginne, gelbe Post-its an alles zu kleben, was ich nicht behalten will. Micky folgt mir und stellt diese Sachen auf eine Seite des Zimmers.

(Continues…)


Excerpted from "Bis wir eins sind"
by .
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