Der Abend

Der Abend

by Ferdinand Hardekopf

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Overview

Der Abend by Ferdinand Hardekopf

Ostap und Germaine
überschreiten die Schwelle des Hotelzimmers. Der Herr, der sie bis dahin geleitet hatte, nach einer Verbeugung, zieht sich zurück. Kaum sind sie allein, so fliegt Germaine schräg an Ostaps Brust. Germaine ist 25 Jahre alt. Ostap ist 30 Jahre alt.
Ostap:
In diesem Zimmer sind die Teppiche rot und tief. Es ist Abend. Hier ist es warm. Das Hotel hat Zentralheizung. Draußen regnet es stark. Das Gepäck ist schon da. Du hast alle deine Parfüms. Du hast deine Bücher. Du hast deine Bilder. Und die Madonnen.
Du wirst deine Knöchel nicht mehr verletzen, wenn du steile Treppen hinaufrennst . . . Warum ranntest du immer so die Treppen hinauf? . . . Mein Kind, vielleicht magst du sehr lange ausruhen. Wir fahren nicht mehr auf der Eisenbahn. Kaffee, Brötchen, Zigaretten kommen ans Bett. Die elektrische Leselampe kommt ans Bett. In diesem Spiegel — —
Germaine:
Ich bin soweit. . . Bei mir geht das rasch . . . Ein Korsett trug ich zuletzt in . . . Krakau. Meine Kleider saßen viel besser. Sie saßen besser an. Aber jetzt trage ich keins mehr. Bei dir habe ich es gut. Ich brauche auch meine Haare nicht zu brennen. Ich darf sie glatt tragen. Du schickst mich nicht hinaus. Aber wenn du willst, will ich sofort in den Regen hinausgehen.
Ostap:
Nein . . . Ich denke daran, wie mißtrauisch gegen mich Madame Chantavoine war, als ich am ersten Abend in euer Haus kam, Rue St. Fiacre im zweiten Arrondissement. Ihr stecktet alle in roten Kleidern. Ich empfand: daß alle Mädchen, die es noch geben würde, rote Kleider tragen würden. Wir sprachen zusammen. Aber wie ich aufstand, da trat Madame sehr schnell vor dich hin und hielt dich zurück. Im Atrium sah ich noch, durch einen hellen Streif, die letzte Welle deines roten Kleides . . . Man schob mich hinaus. An der Tür murmelte die Concierge verächtlich: ich sei ja schon aus vielen Häusern hinausgeworfen worden.
Germaine:
Niemand soll Böses zu dir sagen! . . . Aber du kamst wieder. Du benahmst dich geschickt. Und als ich dich mit aufs Zimmer hinaufnehmen durfte —
Ostap:
. . . da verlangtest du zehn Franks von mir, Geliebte. Soviel wollte ich dir nicht geben. Schließlich sagtest du: „Mein Herr, Sie werden mir soviel geben, wie ich Ihnen wert gewesen sein werde.“ Das tat ich.
Germaine:
War ich zehn Franks wert?
Ostap:
Du warst mehr als zehn Franks wert. — — —
Germaine:
. . . Wir lieben uns ganz innig. Als man dir neulich den Hals schnitt, taten mir die Brüste ebenso weh. Was ich dir gesagt habe, das hat dir noch kein Mädchen gesagt. Und du hast es angenommen! Das weißt du. Wir verschieben es nur noch, nicht wahr? Aber . . . etwas möchte ich gern wissen.
Ostap:
. . . . .
Germaine:
Warum du mich nicht heiratest.
Ostap:
. . . . .
Germaine:
Du brauchst es ja nicht zu tun. Du bist an nichts gebunden. Aber sag’ nur einen Augenblick, daß du es tun willst. Du brauchst es ja nicht zu tun. Es macht mich so namenlos glücklich, wenn du es nur sagst. Du bist an nichts gebunden.
Ostap:
Wir werden uns heiraten.
Germaine:
. . . Wäre es möglich, daß ich dich einst nicht mehr liebte, so könnte ich nicht sagen: „Ich habe dich geliebt.“ Das . . . dächte ich dann nicht mehr aus. Vergangen könnte dies nur sein, wenn ich nicht mehr wüßte, wie süß es war. Wenn ich kein . . . Bewußtsein mehr hätte. Wenn ich . . . nicht mehr Herrin meiner selbst wäre. Sonst wäre es: grauenvoll. Du . . .
Ostap:
Bitte, sprich nicht von mir! Ich komme nicht im geringsten in Betracht! Ich bin ein alter Mann. Ich habe graue Haare. Ich bin . . . dein Publikum. Ich lebe von dem Gifte das du bist. Ich habe nie eine Rolle gespielt. Ich bin ja überglücklich, wenn du totkrank bist, nur damit ich eine Rolle übernehmen darf: in tiefster Seele um dich besorgt zu sein.
Germaine:
Und doch hast du eine Rolle von mir angenommen. Das weißt du. Hättest du sie aber nur gespielt, so wärst du immer noch ein guter Schauspieler. Denn du hast so zu mir gesprochen, wie . . . Lupu Hood nicht zu mir gesprochen hat.
Ostap:
Wo ist Lupu Hood?
Germaine:
Im Zuchthaus.
Ostap:
Was hatte er getan?
Germaine:
. . . . .
Ostap:
Du hast ihn wahnsinnig geliebt.
Germaine:
Ich liebe dich.
Ostap:
. . . Aber vielleicht hast du alles nur gespielt! Alles das, was du für mich tun wolltest. Du warst freigebig, mein Kind. Du sagtest: „Denke dir aus, was ich tun soll. Ich tue alles!“
Germaine:
Das sage ich auch jetzt.
Ostap:

Product Details

BN ID: 2940148338413
Publisher: Lost Leaf Publications
Publication date: 01/31/2014
Sold by: Barnes & Noble
Format: NOOK Book
File size: 148 KB

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