Der Fall Romy Schneider: Eine Biographie

Der Fall Romy Schneider: Eine Biographie

by Michael Jürgs

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Product Details

ISBN-13: 9783843715324
Publisher: Ullstein Ebooks
Publication date: 04/06/2018
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 352
Sales rank: 1,224,863
File size: 5 MB

About the Author

Michael Jürgs, geboren 1945, studierte Politische Wissenschaften, Germanistik und Geschichte. Seit über 30 Jahren ist er Journalist. Unter anderem war er Feuilletonchef der Münchner Abendzeitung und später Chefredakteur von stern und Tempo. Er ist Autor mehrerer Bestseller, die zum Teil auch verfilmt wurden.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Die Morgendämmerung hat sich durch die Jalousien geschlichen und das Zimmer in ein fahles Licht getaucht. In einem Sessel liegt zusammengekrümmt eine Frau. Sie scheint eingeschlafen zu sein, denn auf dem kleinen Schreibtisch brennt noch eine Lampe. Ihr linker Arm hängt über eine Lehne, die Hand berührt fast den Boden, auf dem hellen Teppich steht ein voller Aschenbecher, eine leere Flasche Rotwein. Das Glas ist umgekippt und hat auf einem nicht zu Ende geschriebenen Brief, der bei dem Wort faire nach dem »i« in einem langen Strich endet, einen dunklen Fleck hinterlassen. Der Füller liegt in ihrem Schoß auf der rosafarbenen Satinhose.

Von draußen dringen nur wenige Geräusche der erwachenden Stadt herein. Ein paar Autohupen, in der Ferne ein startendes Flugzeug. Es ist Sonnabend, und für Paris wurde ein sonniges, warmes Wochenende vorhergesagt. Die Frau im Sessel bewegt sich nicht, als die Tür aufgeht und ein dunkelhaariger, schmaler junger Mann in Boxershorts und T-Shirt den Raum betritt. Er gähnt verschlafen. Als er die Frau sieht, lächelt er, geht zu ihr hin und fährt ihr mit einer Hand leicht über die Haare – »Bist ja wieder mal hier eingeschlafen. Komm, ich bring' dich ins Bett, ein paar Stunden hast du noch. Es ist erst sieben.« Die Frau rührt sich nicht. Er blickt seufzend auf die leere Weinflasche, beugt sich zu der Frau hinunter und hebt sie vorsichtig hoch, um sie ins Bett zu tragen. Er hat das schon oft getan, wenn sie wieder mal nicht schlafen konnte, in das andere Zimmer gegangen und dann irgendwann dort doch eingeschlafen war. Als er sie hochhebt, knickt ihr Kopf nach hinten weg. Er greift fester zu und spürt, daß ihre Haut feucht ist und kalt. Er schüttelt die Frau, legt sie wieder auf den Boden, umarmt sie in einer hilflosen Geste, schlägt immer wieder an ihre Wangen, Romy, Romy, wach auf, wach auf, was ist denn, wach auf. Er fühlt ihren Puls, läßt die Hand wieder fallen, küßt sie auf den Mund.

Der Mann erstarrt. Langsam begreift er, daß die Frau nicht schläft. Wieder hebt er sie hoch vom Boden, hält sie in seinen Armen. Er bleibt mitten im Raum stehen, Tränen laufen über sein Gesicht. Dann trägt er sie behutsam, als hielte er ein schlafendes Kind, zu einer Couch. Dort legt er sie hin. Er kauert neben der Frau, streichelt ihr immer wieder mit den Fingerspitzen über das Gesicht, über die geschlossenen Augen und weint. Nach einer Weile steht er auf, geht zum Telefon, neben dem silbergerahmte Fotos von einem älteren Mann und einem etwa zwölfjährigen Jungen stehen, und wählt eine Nummer. Er muß es lange klingeln lassen, bevor sich eine verschlafene Stimme meldet. »Ich glaube, Romy ist tot«, flüstert er, »komm bitte schnell.« Dann lauter, schreiend: »Romy ist tot, Romy ist tot.«

Er will auflegen, doch der Hörer rutscht ab. Er drückt hektisch auf die Gabel und wählt, immer wieder von Schluchzen geschüttelt, die Nummer der Polizei. »Hier ist Laurent Pétin, Rue Barbetde-Jouy 11. Ich brauche einen Krankenwagen ... und einen Arzt ... und dringend ... Rue Barbet-de-Jouy 11 ... ja ... «

Dann setzt er sich neben die tote Romy Schneider, nimmt ihre Hand und wartet. Er entdeckt ein Stück Papier, das sie zwischen den Fingern hält. Ein Zettel, fast schon vergilbt ... Darauf in einer steilen Schrift, in einer Sprache, die er nicht versteht, ein einziger Satz. Er liest stockend und laut auf Deutsch: »Steck deine Kindheit in die Tasche und renne davon, denn das ist alles, was du hast.« Er nimmt den Zettel, geht ins Schlafzimmer und zieht sich automatisch an. Das Stück Papier steckt er in die Tasche seiner Jeans.

Es klingelt. Der Mann rennt zur Tür und öffnet. Draußen stehen Polizisten und ein Arzt. Wortlos fuhrt er sie herein, zeigt auf die Couch und wendet sich ab. Er geht zum Fenster, zieht die Jalousie hoch und blickt hinaus in die Sonne. Vor kurzem noch waren sie draußen gewesen auf dem Land, in der Nähe von Paris, in Boissy Sans Avoir. Ein Haus hatten sie gesucht, in dem sie zusammen leben wollten, weit weg von der Großstadt, weit weg von den Nächten, in denen sie mit den Menschen auf jenen Fotos geredet hatte, mit ihrem toten Sohn David und dessen totem Vater Harry Meyen, ihrem ehemaligen Mann. In diesen Nächten war sie eine unerreichbare Fremde für ihn gewesen, gefangen in einer Welt der Finsternis und Hoffnungslosigkeit, aus der er sie nicht reißen konnte. Aber vor ein paar Wochen schien sie plötzlich wieder wie früher, da hatte sie ihn mit ihrer Begeisterung für das große, schöne Haus auf dem Land angesteckt, immer wieder war sie im wilden Garten herumgelaufen und hatte gerufen: »Hier bleiben wir.« Er hatte sie in die Seite gepufft, um sie zu stoppen. Der Makler stand direkt daneben und registrierte genau, wie groß die Begeisterung war und wie gut die Gelegenheit für ihn, jeden Preis zu fordern. Laß mich reden, hatte Laurent geflüstert, sonst zahlen wir das Doppelte, verdirb nicht die Verhandlungen. Ja, ja, hatte sie versprochen und gleich anschließend auf der Terrasse einen Walzer gedreht vor Glück. Er hatte den Makler nach draußen gezogen, und der hatte prompt 2,4 Millionen Francs gefordert und immer wieder betont, wie sehr Madame sich hier wohlfühlen würde. Zwei Millionen und keinen Franc mehr, hatte Laurent ihm gesagt. Das Angebot gilt jetzt und morgen schon nicht mehr. Da hatte der Makler genickt, und Laurent hatte im selben Augenblick gewußt, daß er zuviel bezahlt hatte. Aber Romy war nicht zu bremsen gewesen. Sie war aus der Küche gestürzt und hatte ihn umarmt, und am liebsten hätte sie den Makler auch noch geküßt. Schon auf der Rückfahrt nach Paris hatte sie nur noch überlegt, wie man die Zimmer einrichten konnte und wie schön es für ihre Tochter Sarah sein würde, in dem großen Garten zu spielen. Und er hatte sich gefreut, daß sie endlich aus ihrer Apathie aufgewacht war.

Bevor er sich wieder umdreht – der Arzt schließt neben der Couch gerade seinen Koffer –, blickt er nach unten auf die Straße. Dort parken neben dem Krankenwagen und der Polizeilimousine mehrere Autos. Menschen stehen herum, diskutieren, reden mit einem Polizisten, schauen nach oben. Ein Mann hebt seine Kamera und drückt ab.

Das Foto wird wenige Stunden später in France Soir erscheinen, auf der zweiten Seite mit der Bildunterschrift: »Ihr letzter Lebensgefährte Laurent Pétin am Fenster der Wohnung, in der heute morgen Romy Schneider tot aufgefunden wurde.« Die Schlagzeile der Zeitung lautet: »Romy Schneider s'est suicidée«, Romy Schneider hat sich umgebracht.

Es ist der 29. Mai 1982.

Als Alain Delon eintrifft, begleitet von Leibwächtern, hat sich in der stillen Straße im siebten Arrondissement von Paris schon eine schweigende Menge versammelt, die in den Frühnachrichten um acht Uhr die Todesmeldung gehört hatte. Manche weinen, andere haben Blumen in der Hand. Delon reagiert nicht auf die Zurufe der Reporter. In der Wohnung oben sind die Jalousien wieder heruntergelassen. Romy Schneider liegt wie aufgebahrt immer noch auf der Couch. Der Arzt ist mit seiner Untersuchung fertig und schreibt den Totenschein aus. »Natürlicher Tod aufgrund eines Herzversagens.« Dr. Emile Deponge schätzt, daß morgens gegen fünf Uhr das Herz aufgehört hat zu schlagen. Delon hat Laurent umarmt und sich dann über Romy gebeugt und sie angeschaut, als wolle er sich ihr Gesicht für immer einprägen. Die anderen Menschen im Raum sind ein Stück zurückgewichen, sie gehörten plötzlich nicht mehr dazu, sie spürten, daß sie mit ihrer Gegenwart eine Einheit störten.

Und da liegst du, dachte Delon, und du bist so schön wie nie, und ich glaube, es ist zum erstenmal in meinem Leben, daß ich dich heiter und entspannt sehe. Wie ruhig du da liegst, wie zerbrechlich. Man könnte denken, daß eine Hand ganz sanft alle Spannungen von deinem Gesicht genommen hat, all deine Ängste vor dem Unglück. Wo habe ich mich schuldig gemacht? Nein, ich bin nicht schuldig. Aber verantwortlich. Sie sagen, ich hätte kein Herz, aber du weißt es besser. Ich weiß als einziger, wer du bist und warum du gestorben bist. Wir beide sind uns so ähnlich. Wir hatten beide Angst vor dem Leben. Wie soll man den anderen erklären, wer wir sind und wie wir sind, wir Schauspieler. Wie soll man ihnen erklären, daß wir eigentlich verrückt werden, wenn wir darstellen, was wir eigentlich nicht sind. Ich schreie es hinaus, aber nur du kannst es hören. Wir sind beide vom selben Stamm. Wir sprechen dieselbe Sprache. Aber ich bin ein Mann, und ich habe überlebt. Wenn man eine Frau ist wie du, dann kann man daran sterben. Weil ein Mythos an seiner Einsamkeit zugrunde geht. Es ist zu sehr geschüttelt worden, dein Herz. Nein, Davids Tod hat dich nicht getötet, er hat dich grausam umgebracht, dein Herz gebrochen. Du bist am Ende des Tunnels angekommen. Das Leben, das niemanden etwas angeht, hat uns fünf Jahre gegeben, und dann hat es uns getrennt. Aber ich blieb dein Bruder und du meine Schwester. Alles ist rein und klar zwischen uns, keine Leidenschaft mehr. Habe ich mit dir oder nur neben dir gelebt? Ich sehe dich an, während du schläfst. Ruh dich jetzt aus. Ich sehe dich immer wieder an. Ich bin da. Ich bin wieder allein.

Ein paar Tage später wird er diese Gedanken seinem Freund Jean Cau, der in Frankreich zu den bekanntesten Journalisten gehört, aufs Band diktieren. Der wird daraus den berühmten Abschiedsbrief von Alain Delon an Romy Schneider formen. Unter dem Titel »Adieu ma Puppele« erscheint der Nachruf in Paris Match und danach in vielen anderen Magazinen in anderen Ländern. »Puppele« ist der Kosename, den Delon der jungen Romy gegeben hatte, damals, in Paris.

Delon tritt zögernd zurück, so, als könnte er sich nicht von der Toten trennen, und geht zu Laurent. »Hast du ihren Bruder angerufen?« Laurent nickt nur. »Überlaß alles mir, Laurent, ich werde das so arrangieren, daß die Meute da unten wenigstens die tote Romy nicht mehr zu fressen bekommt.« Er geht zu einem seiner Leibwächter, redet kurz auf ihn ein, der Mann nickt und verschwindet.

Der Staatsanwalt unterzeichnet den Bericht des Gerichtsmediziners und gibt die Leiche zur Beerdigung frei. Der Filmagent Jean-Louis Livi, ein älterer Mann, einer von Romy Schneiders Freunden, die nach der Todesnachricht sofort in die Rue Barbet-de-Jouy gefahren sind, macht sich am Küchentisch ein paar Notizen, geht nach unten und verliest eine Erklärung. Er beantwortet keine Fragen und dementiert die Gerüchte, Romy Schneider habe Selbstmord begangen. Die Journalisten glauben ihm nicht, sie versehen später in ihren Berichten das Wort Selbstmord allenfalls mit einem Fragezeichen. Als Michel Piccoli und Jean-Claude Brialy eintreffen, lassen sie den alten Mann einfach stehen und bestürmen die beiden Stars mit Fragen. Beide wehren mit versteinerten Gesichtern ab und gehen zwischen den Polizisten, die den Eingang bewachen, nach oben in die Wohnung.

Laurent Pétin sitzt zusammengesunken am Schreibtisch, die Lampe hat er gelöscht. Was um ihn herum passiert, scheint er nicht zu registrieren. Er hat nicht einmal gemerkt, daß Bernadette, das Kindermädchen, mit Sarah die Wohnung verlassen hat, um aufs Land zu Biasinis Eltern zu fahren. Die Kleine soll nicht ihre tote Mutter sehen. Da die Sonne scheint, hat sie nicht viele Fragen gestellt, sie freut sich auf den Garten. Laurents Bruder Jérôme und dessen Frau Claude, die er morgens zuerst angerufen hatte, huschen hilflos-geschäftig durch die Wohnung, räumen die Weinflasche weg und den vollen Aschenbecher, laufen mit einer Kaffeekanne herum, bieten dem Arzt etwas an und den Freunden von Romy. Delon lehnt mit einer kurzen Handbewegung ab, er hat sich neben Jean-Claude Brialy gestellt, der weinend die tote Romy anschaut und dann eine Rose auf sie legt. Claude stellt Laurent eine Tasse Kaffee hin. Als er aufschluchzt, drückt sie minutenlang seinen Kopf an ihre Brust und hält ihn fest. Sein Schluchzen wird leiser. Er greift nach einer Zigarette und sucht das Feuerzeug in seiner Hosentasche. Mit dem Feuerzeug zieht er den Zettel heraus, den er in der Hand der Toten gefunden hat. Er steckt sich die Zigarette an, legt den Zettel vor sich hin und wählt eine Nummer in Deutschland, die er offensichtlich auswendig kennt. Niemand achtet auf ihn, als Delons Leibwächter zurückkommt und nur kurz in Richtung seines Chefs nickt. Nach dem dritten Klingeln hebt jemand ab.

»Anna Wendtlin -«

»Anna, ich bin's, Laurent ...«

»Laurent, so früh? Ich sitze hier gerade an einem Artikel, mir fällt kein Schluß ein. Und denke an euch, denn in der Zeitung steht, daß Romy bald wieder einen Film macht mit Alain und daß ...«

»Anna, Romy ist tot. Sie ist tot. Sie liegt hier tot, verstehst du? Tot ...«

Am anderen Ende hört man erst nichts, dann ein geflüstertes Nein, nein.

»Anna, bist du noch dran?«

»Ja, ja. Wie ...?«

»Ich habe sie heute morgen tot im Sessel gefunden. Herzversagen. Ich ...«, und er schluchzt ins Telefon.

»Ich komme mit der nächsten Maschine, Laurent, ich komme, o Gott, Laurent -«

»Anna, ich habe einen Zettel bei ihr gefunden. Ich verstehe ihn nicht. Es ist deutsch. Ich lese ihn dir vor.« Und er greift zu dem Zettel und spricht langsam ins Telefon: »›Steck deine Kindheit in die Tasche und renne davon, denn das ist alles, was du hast.‹ Was heißt das, Anna?«

»Das ist ein Satz, den Romy von ihrem Vater hat. Den hat er ihr aufgeschrieben, als sie ihren ersten Film drehte. Den hat sie immer bei sich gehabt. Bezieht sich auf eine Äußerung von Max Reinhardt. Der war ein berühmter Theatermann in Deutschland vor dem Krieg. Und so ähnlich hat der es wohl gesagt, in seiner Rede an die Schauspieler. Wir haben oft darüber gesprochen. Warte mal, ich versuche es möglichst genau zu übersetzen ... Es heißt etwa, daß es im Leben nie wieder so schön ist wie in der Kindheit und daß man die Erinnerung daran behalten muß und daß dies etwas ist, was einem niemand wegnehmen kann, und ...«

»Ja, Anna?«

»Ach, Laurent, ich bin völlig durcheinander, ich kann das alles nicht fassen ... ich ... mir fällt nur ein, warum sie diesen Satz so liebt ... so liebte ... weil sie ja nie eine Kindheit hatte ... und ...« Anna weint.

»Komm nach Paris, schnell«, sagt Laurent und legt den Hörer vorsichtig auf. Dann starrt er auf den Zettel, liest ihn noch einmal und steckt ihn wieder in seine Tasche. Er dreht sich um.

»Alains Leute sind jetzt in der Tiefgarage«, sagt sein Bruder, und dann schaut er zu der Frau hinüber, die wie schlafend auf der Couch liegt. »Wir müssen sie jetzt wegbringen, Laurent. Laurent, hörst du mich? Wir müssen sie jetzt wegbringen. Die Fotografen sollen sie nicht sehen. Alain wird eine Erklärung abgeben und alle ablenken. Wir fahren dann durch die Garage weg. Komm, Laurent, komm bitte.« Er nimmt Pétin an die Hand wie ein Kind, und beide folgen den Männern mit der Tragbahre. Sie haben eine Decke über Romy Schneider gebreitet, auch über ihren Kopf. Die Rose, die Brialy auf die Tote gelegt hatte, ist auf den Boden gefallen. Pétin hebt sie auf und hält sich an ihr fest.

Am Vordereingang stürzen sich die Journalisten auf Alain Delon, der in die vorgehaltenen Mikrophone spricht, davon, daß Romy Schneider an gebrochenem Herzen gestorben sei und daß sie jetzt endlich ihre Ruhe gefunden habe. Keiner achtet auf den großen amerikanischen Kombi, der aus der Garageneinfahrt kommt und wegfährt. Nach ihm stellt sich ein blauer Citroën quer auf die Straße, zwei Männer steigen aus, machen die Motorhaube auf und warten. Die Leibwächter bahnen Delon einen Weg durch die Menge, an dem Citroen vorbei zu einem kleinen Auto, dessen Motor läuft. Delon steigt ein und fahrt sofort los.

CHAPTER 2

Rosemarie Magdalena Albach wurde am 23. September 1938 in Wien geboren. Wenige Monate zuvor war Österreich als souveräner Staat gestorben. Romys Vater, der Schauspieler Wolf Albach-Retty hatte schon vor dem sogenannten Anschluß die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und erhalten. Als einer der Stars des gleichgeschalteten und den Prinzipien des Nationalsozialismus verpflichteten deutschen UFA-Films hielt er das für seiner Karriere förderlich. Nach der Befreiung 1945 mußte er kurzfristig für seinen ganz persönlichen Anschluß büßen; er bekam keine Engagements, aber schon nach wenigen Monaten war im allgemeinen Verzeihen auch diese (im Vergleich zu anderen läßliche) Sünde vergessen, er wurde wieder Mitglied im Ensemble des Wiener Burgtheaters, das allerdings in Trümmern lag und erst 1955 wieder eröffnet wurde. Doch in Wien gab es ja genügend andere Theater, die sich um den berühmten Wolf Albach-Retty rissen. Seine Frau Magda, geborene Schneider, mit der er viele Filme gedreht hatte (»Wir haben alles gespielt, wie es halt so kam«), brachte Rosemarie vier Wochen nach ihrer Geburt in das Haus der Familie, nach Mariengrund bei Berchtesgaden. Dort blieb Rosemarie, die bald alle Romy nannten, während ihrer Kindheit.

(Continues…)


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