Die Elternsprecherin: Über Helikoptereltern, den Wahnsinn von Elternabenden und eine Mutter, die den Schulalltag nicht so bierernst nimmt

Die Elternsprecherin: Über Helikoptereltern, den Wahnsinn von Elternabenden und eine Mutter, die den Schulalltag nicht so bierernst nimmt

by Laurie Gelman, Maike Müller

NOOK Book(eBook)

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Product Details

ISBN-13: 9783955768287
Publisher: MIRA Taschenbuch
Publication date: 08/01/2018
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 384
File size: 4 MB

About the Author

Die gebürtige Kanadierin Laurie Gelman hat 25 Jahre als Moderatorin für das kanadische und auch für das amerikanische Fernsehen gearbeitet, unter anderem für The Mom Show, bevor sie mit dem Schreiben begann. Heute lebt Laurie mit ihrem Ehemann und zwei Töchtern im Teenageralter in New York. Gelman bloggt für babycenter.com und tritt nach wie vor im Fernsehen auf. Aber nach eigenen Angaben ihr schwierigster Job: Sie war 5 Jahre lang Elternsprecherin.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Ich klicke auf meinem Laptop auf Senden, lehne mich in meinem Stuhl zurück und grinse.

»Das sollte als Gedankenanstoß reichen«, sage ich so vor mich hin.

Während ich mir die müden Augen reibe, frage ich mich zum fünfzigsten Mal an diesem Tag, warum um alles in der Welt ich zugesagt habe, noch mal Elternsprecherin zu spielen.

Meine instinktive Reaktion war richtig gewesen.

»Aufüberhauptgarkeinen Fall!«, hatte ich zu Nina Grandish gesagt, als sie mich gefragt hatte. Nina ist die amtierende Hohepriesterin des Elternvereins der Schule. Trotzdem ist sie meine beste Freundin. »Das ist der schlimmste Job, den ich je hatte – nach der Kundenbetreuung bei Allstate.«

»Bitte!«, bettelte sie. »Ich brauche dich wirklich.«

»Nein. Ich habe keine Zeit.«

»Doch, hast du. Vivs und Laura sind schon auf dem College.«

»Ich habe mit meinem Training für den Schlammlauf angefangen.«

»Unwahrscheinlich«, spöttelte Nina.

»Ich denke darüber nach, Max einen Hund zu kaufen, und das wird mich sehr einspannen.«

»Das stimmt doch gar nicht. Du hasst Hunde. Komm schon! Denk an die ganze Erfahrung, die du für den Job mitbringst.«

»Oh, wow«, sagte ich. »Danke, dass du mich daran erinnerst, wie viel älter ich im Vergleich zu den anderen Eltern bin.«

»Nicht älter«, säuselte Nina, »weiser.«

Und das bin ich – fünfzehn Jahre weiser. Die Neunziger waren für mich irgendwie ein verlorenes Jahrzehnt. Nachdem ich vier Jahre an der Universität von Kansas herumgelungert hatte (Ich sage nur Jayhawks!, und für diejenigen, die keine Ahnung haben: eine alternative Countryband), stand ich mit einem supernützlichen Abschluss in Kunstgeschichte und ohne jede Chance da, damit eine Stelle zu finden. Deshalb beschloss ich, mir die Welt anzusehen. Einige Leute fahren nach Paris, um sich großartige Kunst anzuschauen; andere gehen nach Rom, um tolle Architektur zu bestaunen. Und ich? Ich ging nach Amsterdam, um mir eine fantastische Band anzusehen. INXS fingen gerade an, dank ihres Albums X international so richtig erfolgreich zu werden. Mein Glück war es, dass sie noch nicht so erfolgreich waren, dass sie sich nur mit Supermodels einließen. Teilweise hatte ich es wohl meiner damaligen »Ohne BH«Phase zu verdanken, dass ich aus dem Publikum geholt und – wer hätte das gedacht? – ein Groupie wurde.

Kennen Sie den Cameron-Crowe-Film Almost Famous – Fast berühmt, in dem drei Mädchen, die »Band Aids« genannt werden, mit der Band herumreisen und die, ähm, Moral der Musiker hochhalten? So ähnlich war das auch bei mir, nur nicht annähernd so glamourös. Ich habe INXS etwas länger als ein Jahr begleitet und bin dann weiter zu einem Folksänger namens Greg Brown gezogen. Ja, ich hatte vorher auch noch nie von ihm gehört, aber er wirkte definitiv anziehend auf viele Menschen – besonders auf die ungewaschenen. In den drei Jahren, in denen ich unterwegs war, bekam ich irgendwie zwei Kinder, von denen eins möglicherweise von Michael Hutchence ist. Dank seines vorzeitigen Todes 1997 wird die arme Vivs es nie erfahren. Und Lauras Samenspender war sehr wahrscheinlich Greg Browns Banjospieler. Da bin ich mir zu fünfundsechzig Prozent sicher.

Um den Sänger von Journey, Steve Perry, zu zitieren: »Es heißt, die Straße sei nicht der richtige Ort, um eine Familie zu gründen.« Also nahm ich meine beiden Kinder von zwei verschiedenen Vätern und machte mich auf den Heimweg nach Kansas City, kurz KC genannt.

Zu jenem Zeitpunkt hatten sich meine Eltern einen Lebenstraum erfüllt und waren nach Overland Park gezogen, einem schicken Vorort von KC. Ich war traurig, dass ich keine Gelegenheit gehabt hatte, mich von unserem alten Haus zu verabschieden, aber begeistert, weil ich Vivs und Laura an so einen schönen Ort bringen konnte.

Sagen wir mal so: Ich musste Kay und Ray Howard, meinen extrem katholischen Eltern, eine Menge erklären, als ich mit Laura und Vivs, die beide noch Windelpopos hatten, auf ihrer mondänen neuen Türschwelle landete. Der Gesichtsausdruck meiner Mutter veränderte sich so schnell von irritiert in entsetzt und weiter in erfreut, dass ich dachte, sie hätte einen Schlaganfall.

Glücklicherweise gehören sie eher zu den religiösen Menschen, die anderen vergeben, und weniger zu jenen, die andere verdammen. Und nach ein paar Dutzend Ave-Marias und einem quälenden Nachmittag in der katholischen Schule Our Lady of Unity, an dem ich den Stationen des Kreuzwegs gefolgt bin, zog ich bei ihnen ein und begann damit, was ich heute als »die normalen Jahre« bezeichne. Mit ihrer Hilfe zog ich die Mädchen groß, arbeitete eine Weile beim Versicherungsunternehmen Allstate und, ja, war sieben endlose Jahre in Folge Elternsprecherin. Ein Rekord, der, soviel ich weiß, an der William-H.-Taft-Grundschule bislang ungebrochen ist. Zwar hoffe ich nicht, dass dies in meinem Nachruf irgendwann mal als meine bemerkenswerteste Leistung hervorgehoben wird, aber man kann nie wissen.

Während meiner Zeit bei Allstate habe ich den Mann kennengelernt, der BabyDaddy Nummer drei und Ehemann Nummer eins wurde: Ron Dixon. Nur mal nebenbei: Ich habe bis heute nur einen Ehemann. Ich finde es einfach nur lustig, ihn so zu nennen. Ron rief an, um sich über die Leute zu beschweren, bei denen er sich bisher in guten Händen geglaubt hatte. Wie es meinem Job entsprach, nahm ich den Anruf entgegen und versuchte, ihm auszureden, seine Versicherung zu kündigen. Ron hat eine fantastische Stimme. Sogar wenn er sich beschwert, klingt er, als hätte er gerade flüssigen Samt geschluckt. Ich hätte ihm den ganzen Tag zuhören können. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als er mich ein seelenloses Miststück nannte, beschloss ich, mich mit ihm zu treffen. Er denkt bis heute, ich wäre mit all meinen aufgebrachten Anrufern mittagessen gegangen.

Was soll ich sagen? Ich stand von der ersten Sekunde an auf ihn. Ich bin nicht unattraktiv, in Anbetracht meines Alters und der Laufleistung meines Körpers, und Ron war zufälligerweise Single und hatte gerade eine seelenzehrende Scheidung hinter sich. Als er die Versicherungsgesellschaft anrief, behauptete er, sein Schadensfall – ein umgestürzter Baum – wäre eine Folge von höherer Gewalt, obwohl er ganz eindeutig von einem Auto umgefahren worden war. Später erfuhr ich, dass der Baum das Opfer häuslicher Gewalt war und seine Ex ihn umgepflügt hatte.

Als Mitglied der Schwesternschaft sind mir Männer, die Frauen andauernd als verrückt bezeichnen, ein Graus, aber in diesem Fall ist es eindeutig, dass Rons Exfrau Cindy irre ist. Aber nicht renn-um-dein-Leben-irre, sondern nur durchschnittlich irre. Das größte Problem ist, dass man nie weiß, in welcher Form der Irrwitz seine hässliche Fratze zeigt. Wie einmal, als, wenige Monate nachdem Ron und ich zusammengezogen waren, plötzlich sechs Vorratspackungen Windeln vor unserer Tür standen. Die beiliegende Karte war von Cindy: »Botschaft angekommen?« Ich dachte, dass sie uns entweder für Babys hielt oder vorschlug, wir sollten ein Baby bekommen. Ron erklärte mir, was sie uns sagen wollte: dass wir bis oben hin voll Scheiße sind.

Ron passt gut zu mir. Er ist das, was mein Vater einen soliden Kerl nennen würde, sowohl körperlich als auch emotional. Er ist ungefähr eins achtzig groß (obwohl er anderen gegenüber aus mir unerfindlichen Gründen immer behauptet, er wäre eins zweiundachtzig) und durchtrainiert, ohne dabei aufgepumpt auszusehen. Und er hat kurzes, dunkles Haar, das an den Schläfen langsam dünner wird. Er ist nicht unbedingt der Typ Mann, den ich in der Vergangenheit attraktiv fand – er ist nicht mal tätowiert –, aber er ist wahnsinnig charismatisch und hat das freundlichste Gesicht auf dem Planeten. Das alles kombiniert mit seiner samtenen Stimme: In dem Moment, als ich ihn gesehen habe, war es um mich geschehen. Unsere Balz war kurz und süß, denn wenn es passt, dann passt es. Warum lange um eine Beziehung schleichen wie die Katze um den heißen Brei? Und dank Cindys spleeniger Angst davor, sich zu übergeben, hatten die zwei keine Kinder in die Welt gesetzt. Als er an unserem ersten Jahrestag also die BBombe platzen ließ, hätte ich eigentlich nicht überrascht sein dürfen.

Wir aßen am Abend zusammen bei Garozzo's, und bei einer köstlichen Penne Victoria erwähnte er beiläufig, dass er gern ein Baby hätte. Ich unterdrückte meinen ersten abwehrenden Gedanken (Tja, viel Spaß mit den Wehen!) und erwiderte, dass wir es natürlich versuchen würden. Insgeheim zählte ich darauf, dass mein in die Jahre gekommener Bauch verhindern würde, dass es klappte, aber was soll ich sagen? Ein gutes Ei war noch übrig. Und dafür danke ich Gott, denn Max ist die Krönung meines Mutterdaseins.

Und so habe ich nun, im reifen Alter von sechsundvierzig Jahren, zwei Mädchen im College und einen Jungen in der Vorschule. Ich bin die älteste Mutter in seiner Jahrgangsstufe. Ach nein, Moment, die weiseste.

»Max! Komm runter. Dein Toast wird kalt.«

Ich sitze unten in meinem Küchentresen-Büro und haue eine E-Mail an die Eltern meiner Klasse raus, die alle hoffentlich noch lesen, bevor sie ihre Kinder an diesem Morgen zur Schule bringen.

Max kommt um die Ecke in die Küche. Er trägt ein Outfit, das keine Ähnlichkeit mit dem aufweist, das ich für ihn rausgesucht habe.

»Wow. Die rote Hose ist super. Gehört die nicht zu einem Kostüm?«

»Jep. Pac-Man.«

»Und das lilafarbene Oberteil?«

»Das hat Nana mir gegeben, erinnerst du dich?«

»Ja. Bist du sicher, dass du das an deinem ersten Schultag zusammen anziehen willst?«

»Ja. Ich will auffallen.«

»Tja, das hast du geschafft.« In einem stillen Gebet danke ich dem Himmel, dass er nicht noch den passenden Pac-Man-Hut trägt.

Max lächelt und beißt von seinem Toast ab. Seit er alt genug ist, sich seine Anziehsachen alleine auszusuchen, hat er einen, sagen wir mal: einzigartigen Modegeschmack bewiesen. Man weiß nie, mit welchem Ensemble er als Nächstes aufwartet. Manchmal denke ich, er stellt seine Outfits mit Augenbinde und Dartpfeil zusammen. Ich hatte ihm eine Kakihose und ein weißes Poloshirt aufs Bett gelegt und gehofft, er würde seine neue Schuluniform lieben. Aber das ist wohl nicht der Fall.

Ron kommt verschwitzt von seinem Morgenlauf zurück. Ich liebe es, wenn er so aussieht.

»Hey!« Ich fasse ihm an den Hintern. »Du musst in zehn Minuten fertig sein, wenn du dir den Spaß des ersten Schultags nicht entgehen lassen willst.«

»Ich bin schon fertig.« Er grinst und rennt die Treppe hoch.

»Mom, wie heißt meine Lehrerin noch mal?«

»Miss Ward.«

»Ist sie nett?«

»Ich habe sie noch nicht kennengelernt, aber ihre E-Mail war nett.«

»Hoffentlich mag sie Lila.«

»Wer mag Lila nicht?« Ich lächle. »Aber du weißt, dass du ab morgen die Uniform tragen musst, oder?«

Er nickt mit vollem Mund.

»Ich hole dich heute Mittag ab, und wir gehen irgendwo zusammen essen.«

»Kommt Dad auch mit?«

»Wahrscheinlich nicht. Er muss im Fitting Room sein.« Ich spreche von dem Geschäft für Sportbedarf, das Ron gehört.

Noch bevor ich rufen kann: »Warum zum Teufel brauchst du so lange?«, ist mein Ehemann geduscht und abfahrbereit. Es muss wirklich schön sein, ein Mann zu sein. Ich bin nun wirklich kein Stundenlang-Schmink-Typ, aber ich brauche trotzdem mehr als sechs Minuten, um zu duschen und vorzeigbar auszusehen.

»Wer ist bereit für die Vorsch ...«

Ron verstummt mitten im Wort, als er sieht, was Max anhat.

»Willst du das anziehen, Max?«, fragt er.

Ich werfe ihm einen Blick über den Küchentisch zu, der sagt: Jetzt mach deswegen kein Theater.

»Ja. Ich will auffallen.«

»Ich dachte, ihr müsst Schuluniformen tragen.« Ron sieht zu mir.

»Nicht am ersten Tag.« Ich feuere einen weiteren warnenden Blick auf ihn ab. Normalerweise wirkt das. Aber heute treffe ich offenbar daneben. »Und heute ist sogar nur ein halber Tag, also lasst uns los!«

CHAPTER 2

DER ERSTE SCHULTAG. Jep, in Großbuchstaben, fett und kursiv. Genauso episch ist er in meinem Kopf gespeichert. Alle sind so adrett und aufgeregt! Neue Schulranzen, quietschende Sneakers, gespitzte Bleistifte. Würde man Mitte November noch mal eine Momentaufnahme machen, sähe die Sache schon ganz anders aus.

Wir gehen die ausgetretenen Flure von Vivs' und Lauras altem Tummelplatz entlang – der William-H.-Taft-Grundschule. Als wir bei Raum 147 ankommen, steht dort die hübscheste und adretteste Person, die ich je gesehen habe, an der Tür des Klassenzimmers und begrüßt die ankommenden Eltern und Kinder. Sie hat langes blondes Haar, das von einem pinkfarbenen Haarband zurückgehalten wird. Sie trägt eine hellrosa karierte Hose und eine weiße Bluse mit Rüschen. Ich hoffe, sie besitzt einen Kittel.

Als wir näher kommen, schenkt sie uns ein umwerfendes Lächeln und streckt uns die Hände entgegen.

»Ist das Max? Mein Gott, Max, ich habe mich ja so darauf gefreut, dich kennenzulernen! Ist das Shirt neu? Lila ist meine Lieblingsfarbe!«

Tja, ich bin schwer beeindruckt. Miss Ward ist ein echter Charmebolzen. Offensichtlich hat sie sich die Fotos, die wir ihr geschickt haben, gründlich angesehen. Max sagt keinen Ton, aber auf seinen Lippen liegt das Lächeln eines verliebten Mannes. Genauso wie bei Ron, wie ich feststelle.

»Hallo, Miss Ward. Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Ich bin ...«

»Nein, nein«, unterbricht mich Miss Ward. »Hier geht es nicht um Max' Eltern. Heute geht es allein um Max. Komm rein und such deinen Namen und deinen Tisch.« Sie schiebt Max in den Raum, was er zufrieden geschehen lässt, ohne sich umzusehen.

Ron und ich sehen einander an. Ich zucke die Schultern.

»Es geht allein um Max«, wiederhole ich.

Als wir die Schule verlassen, fragt mich Ron, was ich vorhabe.

»Ich treffe mich mit meinem neuen Trainer.«

Er sieht mich skeptisch an.

»Ich weiß, was du jetzt denkst, aber nach dem Debakel in deinem Laden habe ich das Gefühl, ich brauche mehr Work-outs.«

»Oder einfach, na ja, damit anfangen.« Er lächelt und drückt meine Schulter.

Die Sache ist die: Rons Sportartikelgeschäft gehört zu den größten in KC. Vor ein paar Monaten haben sie einen kleinen Schlammlauf veranstaltet, um für die »Werde fit«-Initiative unseres Gouverneurs zu werben. Als er erwähnte, dass er noch Teilnehmer bräuchte, meldete ich mich freiwillig. Das war mein erster Fehler. Ich dachte, dass ich dank des Fitnessstudios mit dem vielversprechenden Namen »Curves« gut in Form sei, das in unserer Wohngegend liegt und dem ich seit der Geburt von Max zweimal die Woche einen Besuch abstatte. Als ich also in Rons Laden kam und den Parcours sah, dachte ich noch: Null problemo. Das war mein zweiter Fehler.

Ich will es mal so formulieren: Die Kraft im Oberkörper, die man bekommt, wenn man ein paar Jahre lang ein Kleinkind durch die Gegend schleppt, bereitet einen nicht unbedingt darauf vor, ein Seil raufzuklettern, sich an horizontalen Stangen entlangzuhangeln oder sich auf den Bauch zu werfen und durch Matsch zu kriechen, auch wenn das noch der einfachste Teil war.

Es hat Wochen gebraucht, bis ich mich wieder in diesem Laden zeigen konnte. Es ist einfach nicht so toll, wenn die Frau des Eigentümers weinend zusammenbricht, weil sie nicht über eine Mauer kommt. Außerdem hatte ich tagelang Muskelkater an Stellen, von deren Existenz ich bis dahin nicht mal was geahnt hatte.

»Wen hast du als Trainer engagiert?«, erkundigt sich Ron, als ich nicht auf seine Spitze eingehe. Ich weiß genau, dass er verstimmt ist, weil ich ihn nicht in die Entscheidung miteinbezogen habe.

»Jemanden, den mir meine Mutter empfohlen hat. Er macht Hausbesuche. Und ich dachte mir, es ist an der Zeit, endlich Rons Gym & Tan zu benutzen.« So nenne ich den Sport- und Solariumbereich, den Ron in unserem Keller errichtet hat.

Ron keucht gekünstelt. »Willst du damit sagen, dass du nicht mehr zu Curves gehst?« Er war noch nie ein Fan davon. Ron ist gewissermaßen ein Fitnessstudio-Snob.

»Bis später!« Ich werfe ihm ein durchtriebenes Lächeln zu und gehe zu meinem Minivan. »Mein heißer neuer Trainer wartet.«

Ron runzelt die Stirn. »Heiß? Du hast nicht gesagt, dass er heiß ist.«

Lachend öffne ich die Autotür. In Wahrheit habe ich keine Ahnung, wie er aussieht. Aber der Name Garth macht mir große Hoffnungen.

Meine Mom hat mir sehr wenig von Garth erzählt. Nur dass er früher als Trainer im örtlichen Lucille-Roberts-Fitnessstudio gearbeitet hat. Er musste für eine Weile aussteigen und fängt nun wieder an. Für einen Personal Trainer mit Hausbesuchsoption ist er ziemlich günstig – dreißig Dollar die Stunde. Ich hoffe nur, es wird kein Fall von »Du bekommst so viel, wie du bezahlst«.

(Continues…)


Excerpted from "Die Elternsprecherin"
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