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Die Stunde des Sandmanns: Thriller
     

Die Stunde des Sandmanns: Thriller

by Andrew Pyper, Kristian Lutze
 
Hochspannung bis zur letzten Seite! Der Journalist Patrick Rush träumt davon, ein berühmter Bestsellerautor zu werden. Wie groß die Konkurrenz ist, merkt er jedoch, als er an einem Schreibkurs teilnimmt. Besonders fasziniert ihn die Geschichte von Angela, denn sie erzählt auf packende Weise vom Sandmann, der kleinen Kindern erscheint und sie dann

Overview

Hochspannung bis zur letzten Seite! Der Journalist Patrick Rush träumt davon, ein berühmter Bestsellerautor zu werden. Wie groß die Konkurrenz ist, merkt er jedoch, als er an einem Schreibkurs teilnimmt. Besonders fasziniert ihn die Geschichte von Angela, denn sie erzählt auf packende Weise vom Sandmann, der kleinen Kindern erscheint und sie dann grausam tötet. Als wenig später in Toronto drei Leichen gefunden werden, deren Mörder unter dem Decknamen »Sandmann« auftritt, ist Patrick zutiefst entsetzt. Für ihn ist klar – Angelas Geschichte muss der Schlüssel zu den Morden sein. Doch noch ehe er sie dazu befragen kann, kommt sie bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben …

Product Details

ISBN-13:
9783641037505
Publisher:
Goldmann Verlag
Publication date:
11/20/2009
Sold by:
Bookwire
Format:
NOOK Book
File size:
461 KB

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Read an Excerpt

LABOR DAY, SEPTEMBER 2007

Ich wusste nicht, dass mein Sohn anhand der Sterne die Himmelsrichtung bestimmen kann. Südliche Krone. Leier. Delfin.
Sam hinterlässt Nasenabdrücke auf dem Beifahrerfenster, während wir auf den Highways stadtauswärts fahren, er zählt die Sternbilder auf und flüstert »Süden«, »Osten« oder »Norden«, wenn ich abbiege.
»Wo hast du das gelernt?«
Er sieht mich genauso an wie neulich abends, als ich ihn dabei ertappte, wie er vom Fenster seines Zimmers aus einen Trupp Plastiksoldaten mit einer Schleuder auf das Dach des Nachbarhauses katapultierte. »Ich bin ein Terrorist«, antwortete er auf die Frage, was er da mache.
»Wo hab ich was gelernt?«
»Die Sternbilder.«
»In Büchern.«
»Was für Bücher?«
»Einfach Bücher.«
Ich weiß, dass ich von Sam nicht mehr erfahren werde. Das liegt daran, dass wir beide Vielleser sind. Nicht unbedingt aus Leidenschaft, sondern weil wir nicht anders können. Wir sind von Natur aus Beobachter. Kritiker. Deuter. Wir lesen Bücher (ich in letzter Zeit den späten, wütenden Philip Roth, Sam Robinson Crusoe, in kleinen Häppchen als Gutenachtgeschichte). Aber auch Comics, Reiseprospekte, WC-Tür-Schmierereien, Bedienungsanleitungen, Rezepte auf Cornflakes-Packungen. Egal, worum es sich handelt. Lesend übersetzen wir die Welt in eine Sprache, die wir wenigstens teilweise verstehen.
»Norden«, sagt Sam und wendet die Nase wieder der Scheibe zu.
Beide spähen wir zu dem klobigen Schatten auf der Kuppe des Hügels. Ein quadratischer Monolith ragt aus einem Maisfeld in Ontario wie das letzte verbliebene Stück einer uralten Mauer.
»Mustang Drive-in. Letzte Vorstellung. Lange Film Nacht zum Labor Day«, liest Sam, als wir an dem Schild vorbeifahren.
Er beugt sich vor und betrachtet den Neon-Cowboy auf einem bockenden Wildpferd, das Hinweisschild, das uns die Abfahrt zum Mustang Drive-in anzeigt. »Hier war ich schon mal«, sagt er. »Daran kannst du dich erinnern?« »An das Schild. Den Mann auf dem Pferd.« »Damals warst du noch so klein.« »Und was bin ich jetzt?«
»Jetzt bist du ein Bücher lesender, Sterne guckender junger Mann.«
»Nein«, sagt er und verzieht das Gesicht. »Ich bin acht Jahre alt. Und ich kann mich einfach an Sachen erinnern.«
Witwer und Sohn sind gemeinsam hergekommen, um die letzte Vorstellung dieses Sommers in einem der letzten Autokinos des Landes zu sehen. Das letzte der Letzten.
Tamara - Sams Mutter, meine Frau - ist acht Monate nach Sams Geburt gestorben. Seitdem habe ich den praktischen Nutzen von Kinobesuchen entdeckt. In einem dunklen Kino (oder in diesem Fall auf einem dunklen Maisfeld) können Sam und ich zu einer Vertrautheit finden, ohne miteinander reden zu müssen. Es hat etwas sehr Männliches. Wie die Nähe, die
Väter und Söhne beim Fliegenfischen oder beim Anschauen von Baseballspielen erleben, wenn nicht viel zu tun ist und man meist stumm nebeneinandersitzt.
Der Mann in dem Tickethäuschen stutzt, als er Sam auf dem Beifahrersitz sieht. Der Hauptfilm des Abends - ein gruseliger Hollywood-Thriller, der gerade die letzten leicht verdienten Dollars des Sommers einfährt - ist für Kinder nicht freigegeben. Ich gebe dem Mann einen Geldschein, der den Preis von zwei Eintrittskarten für Erwachsene mehr als abdeckt. Er zwinkert mir zu und winkt uns durch, ohne mir das Wechselgeld auch nur anzubieten.
Es ist gerammelt voll. Der beste Platz, der noch frei ist, liegt an der Seite, vor der kleinen Snackbar für Getränke und Popcorn. Sam wollte es weiter hinten versuchen, aber ich weiß, dass sich dort die Highschool-Kids versammeln. Gras und eingeschmuggelter Whiskey, Jungs und Mädchen im Teenageralter und all ihre heimlichen Abenteuer. Ich ziehe es vor, bei den anderen, respektablen Zuschauern zu bleiben - nicht aus Sorge um Sam, sondern weil ich den nostalgischen Neid fürchte, den der Anblick dieser Eskapaden in mir wachruft.
»Es fängt an!«, verkündet Sam, als das Flutlicht ausgeht.
Also muss ich unsere Stühle und den nach Mottenkugeln riechenden Schlafsack im Licht der Werbung aus dem Kofferraum holen. Ein Auge auf die Leinwand gerichtet, gehe ich um den Wagen herum. Dies ist für mich der Höhepunkt: der uralte Snackwerbespot. Ein tanzender Hotdog, ein anzüglich schielender Milchshake, ein Chor aus Pommes. Und irgendwie bricht mir der Stepp tanzende Zwiebelring jedes Mal das Herz.
Ich klappe erst Sams, dann meinen Stuhl auf, und wir kuscheln uns unter dem Schlafsack aneinander.
»Viel Spaß beim Hauptfilm des Abends!«, liest Sam von der Leinwand ab.
Die in Reihen geparkten Wagen warten darauf, dass der Himmel sich endgültig von Dunkelviolett zu Schwarz verfärbt. Rechts neben uns hupt es einmal - ein Minivan voller ausgelassener Pfadfinder im Zuckerrausch -, was gedämpftes Lachen aus den umliegenden Fahrzeugen provoziert. Aber all die Geräusche klingen irgendwie nervös - der blökende Warnruf und die hohle Heiterkeit der Antwort. Um diesen Eindruck zu vertreiben, versuche ich selbst ein Lachen. Ein Vaterlachen. Und nachdem es heraus ist, atme ich die vertraute Mischung aus Abgasen, Popcorn und verbrannten Hamburgern ein. Und da ist noch etwas. Etwas wie Angst. So schwach wie der Duft des Parfüms, den der vorherige Gast auf dem Kopfkissen eines Motelzimmers hinterlassen hat.
Der Film fängt an. Die gruselige Einstiegsszene: eine dunkle Gestalt verfolgt ihr Opfer über ein nächtliches Feld. Aufblitzende Bilder einer verzweifelten Jagd. Rudernde Arme, stampfende Stiefel und Schlüssel, die an einem Gürtel klimpern. Gegenschnitte zwischen dem sicheren Schritt des Mörders und dem panischen Rennen des anderen, ein Sturz, Schluchzen und weiter auf allen vieren. Die kurze Aufnahme einer Hand, von der Öl, feuchte Erde oder Blut tropft. Ein Schrei in Nahaufnahme.
Es ist nicht klar, wer diese Person ist, dieses eine Opfer, aber wir erkennen, dass sein Kampf aussichtslos ist. Es ist ein Traum, den wir alle schon hatten; der, in dem unsere Beine uns nicht tragen wollen und der Boden weich wird wie schwarzer Sirup, der uns nach unten zieht. Und bei dem uns der Tod auf den Fersen folgt. Gesichtslos und - natürlich - unaufhaltsam.
Wir sind so nah an der Leinwand, dass ich mich ganz umdrehen muss, um etwas anderes zu sehen. Augen, die mich durch schlammverspritzte Windschutzscheiben betrachten.
Ich wende mich wieder nach vorn und lege den Kopf in den
Nacken. Das Himmelszelt, endlos und kalt an diesem Herbstabend, lässt mich für einen Moment wieder atmen.


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