ISBN-10:
0300123213
ISBN-13:
2900300123219
Pub. Date:
12/15/2008
Publisher:
Yale University Press
Eine Liebe aus nichts: A German Reader

Eine Liebe aus nichts: A German Reader

by Barbara Honigmann

Paperback

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Product Details

ISBN-13: 2900300123219
Publisher: Yale University Press
Publication date: 12/15/2008
Edition description: New Edition
Pages: 256
Product dimensions: 6.00(w) x 9.10(h) x 0.40(d)

About the Author

Marion Gehlker is senior lector and language coordinator for the Department of Germanic Languages and Literatures at Yale University. Birte Christ is assistant professor at the University of Freiburg and the University of Bonn.

Read an Excerpt

Eine Liebe aus nichts


By Barbara Honigmann

Yale University Press

Copyright © 2010 Yale University
All right reserved.

ISBN: 978-0-300-12321-0


Chapter One

TEIL I

So, wie er es in einem hinterlassenen° Brief - nicht etwa 1 einem Testament°, nur einem Brief, ein paar Zeilen auf einem karierten° Zettel° - gewünscht hat, ist mein Vater auf dem jüdischen° Friedhof° von Weimar nach den Vorschriften° begraben° worden. Auf dem kleinen Friedhof, der ein Stück 5 weit von der Stadt entfernt liegt, ist seit Jahrzehnten niemand mehr begraben worden, und man konnte sich über den Wunsch meines Vaters nur wundern, denn er hatte in seinem ganzen Leben überhaupt keine Verbindung° zum Judentum und nicht mal einen hebräischen Namen. Der Kantor°, den 10 man aus einer anderen Stadt hatte kommen lassen müssen, ein Jude aus Saloniki, der meinen Vater gar nicht gekannt und nie gesehen hat, fügte deshalb an den entsprechenden° Stellen des hebräischen Singsangs einfach den deutschen Namen und lächerlicherweise° auch noch den Doktortitel ein°, und er hat 15 keine der endlosen Wiederholungen ausgelassen° und nicht aufgehört, mit seinem sephardischen Akzent immer von neuem den Namen meines Vaters zu entstellen°.

Es war schwer zu glauben, dass dort in dem Sarg° mein Vater liegen sollte, ichdachte, ich müsse ihn noch einmal sehen, ich 20 müsse jemanden bitten, den Sarg wieder zu öffnen, damit ich ihn noch einmal sehen konnte, aber ich wagte° es nicht, weil ich Angst hatte, ihn tot zu sehen, so wie ich schon Angst gehabt hatte, ihn krank zu sehen, denn ich musste mich ja fragen, warum ich nicht früher gekommen war, es nicht wenigstens 25 versucht hatte, vielleicht wäre es möglich gewesen, die "Berechtigung 1 zum Erhalt eines Visums"° schon eher zu bekommen, aber ich hatte nicht einmal danach gefragt, aus Angst, vielleicht war aber auch etwas von Rache° dabei, denn mein Vater hatte mich ja auch verlassen, hatte mich auch betrogen, 5 und warum hatte er in seinem Brief Mord° unterstrichen?

Nach dem Begräbnis° bin ich noch einmal zum Schloss Belvedere hinaufgegangen, dort hat mein Vater mit seiner letzten Frau gewohnt. Sie war Direktorin des Schlossmuseums, das es in Wirklichkeit gar nicht gab, weil die Restaurierungsarbeiten 10 im Belvedere nie aufgehört und eigentlich nie begonen hatten. Ihre Wohnung war unter dem Dach, gleich neben dem Tischleindeckdich°, einem Speiseaufzug°, den Goethe für Karl August hatte installieren lassen, damit sie oben auf der Dachterrasse picknicken konnten. Aus dem Fenster sieht man 15 über den Park von Belvedere, wo der Ginkgo Biloba steht, den auch Goethe importieren und pflanzen lies und auf den er das so berühmte Gedicht schrieb. Der Baum sieht aber ganz unauffällig und mickrig° aus, und mein Vater und ich haben uns bei unseren Spaziergängen durch den Park oft gefragt, ob es 20 wirklich "dieses Baums Blatt" in dem berühmten Gedicht gewesen sein kann, doch so steht es ja überall geschrieben, und jedermann dort sagt es immerzu.

Ich wollte das Zimmer meines Vaters noch einmal sehen und mir ein Erinnerungsstück° mitnehmen, aber es war 25 schwer und trostlos°, etwas herauszusuchen, seine Kleider lagen in dem Raum so verloren° herum, wie sein Körper jetzt war, und auch all die anderen Gegenstände°, die zu seinem Leben gehört hatten und eine Erinnerung daran trugen, erschienen mir nur wie abgefallene° Stücke, die ihren Halt° 30 verloren und nun keinen Sinn° mehr hatten; eine Weile werden sie noch hin und her geschoben°, in die Hand genommen und dann doch wieder weggelegt. Das oder jenes nahm ich auf, sah es an, drehte und wendete° es, ob nicht irgend etwas Lebendiges noch darin zu finden sei, das ich herauslocken° 1 könnte, wie ein kleines Kind, wenn es ein neues Ding findet und es schüttelt und ans Ohr hält und in den Mund nimmt und darauf beist, weil es nicht weis, woher seine Wirkung kommen wird, und noch alles von dem unbekannten 5 Gegenstand erwartet. Aber ich begriff°, dass die Erin nerung aus den Gegenständen herausgefallen war; Jetzt würden sie weggeworfen werden oder weggeschenkt, und andere Leute können ihre Geschichte wieder neu hineinlegen, aber die Geschichte meines Vaters war darin zu Ende, in den 10 Dingen hielt sie sich nicht mehr.

In einer Schublade° fand ich ein kleines, in rotes Leder gebundenes° Notizbuch, ein englischer Taschenkalender° aus der Emigrationszeit, den nahm ich mir und auserdem die russische Armbanduhr, die er immer getragen hatte. Sie war ein Geschenk 15 von Jefim Fraenkel, dem Germanisten aus Moskau, mit dem mein Vater in den ersten Jahren nach dem Krieg im Sowjetischen Nachrichtenbüro° in der russischen Besatzungszone° zusammengearbeitet hatte. Als das Sowjetische Nachrichten büro aufgelöst° und Jefim Fraenkel nach Moskau zurückgekehrt 20 war, wurde er ins Lager° und in die Verbannung° geschickt, aber das erfuhr mein Vater erst zwanzig Jahre später, als sie sich zum ersten Mal wiedertrafen. Da besuchte Jefim Fraenkel ihn in Weimar, und bei dieser Gelegenheit hatte er ihm die Uhr geschenkt, und mein Vater hatte in der "Jugendmode" drei 25 Paar Jeans ftir Fraenkes Söhne in Moskau gekauft.

Jetzt war die Uhr stehen geblieben und nicht mehr aufzuziehen°, deshalb habe ich sie hier in Paris gleich zur Reparatur gebracht. Der Uhrmacher hat sie mir wieder hergerichtet°, aber er machte abfällige° Bemerkungen° über die russischen 30 Uhren; sie seinn zwar solide, sagte er, aber im Inneren grob° und ohne Kunstfertigkeit°. Und dann hat er mich gefragt, ob ich von dort käme, und ich habe geantwortet, nein, nein, aber woher denn, daher käme ich nicht.

Erst seit wenigen Monaten, noch nicht mal einem Jahr bin 1 ich in dieser Stadt, in Paris. Ich wohne im XIII. Bezirk° in einem Souterrain°, etwas Besseres babe ich nicht finden können. Von unten sehe ich auf die Strase hinauf, auf die Füse der Leute, die da laufen; am Anfang, als ich gerade angekommen 5 war, liefen sie ohne Strümpf° und trugen Sandalen, denn drausen war es heis, ein sehr heiser Sommer, aber drinnen, in meiner Wohnung war es kalt und dunkel, weil das Fenster nur wenig über die Strase reicht° und kaum Licht hereinlässt, und ich musste mich warm anziehen, nicht, wie 10 sonst, beim Hinausgehen, sondern wenn ich von drausen hereinkam. Ich sas in dem Zimmer wie in einer Sternwarte°, um micb herum kreiste° die Stadt, die ich nicht sehen konnte, und aus dem Fenster suchte ich wie mit einem Fernrohr° die Strase vor mir ab° nacb dem, was nun anders werden sollte. 15

Jetzt babe ich wenigstens schon meine Möbel und Sachen aus Berlin. In den ersten Wochen gab es nur die kahlen° Wände und ein Klappbett°, das man mir geborgt hatte, und zum td glichen Leben ein Besteck°, einen Teller, ein Handtuch, ein Glas und einen Hocker° zum Sitzen. Wie im Gefängnis, 20 dachte ich da, und nicht wie in der neuen Welt, und hatte nachts Albträume° von Kälte und Verbannung. Bald war ich mir schon gar nicht mehr so sicher, was ich denn nun hier anfangen will. Ja, ich hatte aus einem alten Leben in ein Neues aufbrechen° wollen, aus einer vertrauten Sprache in eine 25 fremde, und vielleicht babe ich sogar so etwas wie eine Verwandlung° erhofft.

Habe ich denn nicht mein ganzes Leben geseufzt°, nach Paris! nach Paris! Und dann babe ich eines Tages in einem Zug 30 gesessen, und der Zug ist irgendwo angekommen, und sie sagten, es sei Paris. Aus Lautsprechern schrie es mich an: Pariii Est! Pariii Est! Ich kam aus dem Osten, ja. Ich babe mich in dem Bahnhof, der sehr hell und sehr gros ist, umgesehen° wie in einer neuen Wohnung, die man zum ersten Mal betritt°; 1 man sieht die kahlen Wände an und fragt sich, was einen hier wohl erwartet und was man alles erleben° wird, und ist ängstlich und neugierig zugleich und auch stolz, dass man sich in das Abenteuer° gestürzt° hat und dass es nun kein Zurück 5 mehr gibt.

Aber schon, als ich aus dem Bahnhof in die Stadt hinaus wollte, war kein Weg da und keine Strase, nur eine lose Absperrung°, eine Baustelle, Bagger', Kräne, lärmende Maschinen und eine riesige Baugrube° ich bin wieder in den 10 Bahnhof hineingegangen und aus einem anderen Ausgang° wieder hinaus, doch da standen auch nur wieder die Bagger, Kräne, lärmenden° Maschinen und gähnte° die riesige Baugrube, und ich bin noch durch hundert Eingänge und Ausgänge wieder herein- und wieder herausgehetzr°, es war, als ob 15 wirklich kein Zugang° in diese Stadt hinein zu finden wäre. Plötzlich aber stand ich doch auf einem Platz, da fiel ein Boulevard direkt vom Bahnhof hinunter, ein Strasenfall, ein breiter° Fluss mit bunten Schiffchen, und ich lief an seinen beiden Ufern° hinauf und hinunter. Aber was nun? Eine kleine Verzweiflung° 20 hatte mich schon gepackt, eine Kopflosigkeit jedenfalls - wohin, wo entlang? Irgendwohin musste ich ja nun, einmal angekommen, gehen, doch ich hatte ja nocb nie daran gedacht, dass ich in eine richtige Stadt kä me, mit grosen Strasen, Avenuen, Bezirken, in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet°, 25 und müsste mich entscheiden, wo entlang, und es wäre nicht ein Ball von Träumen, der vor mir springt, und ich liefe ihm nach und holte ihn mir.

Aus meiner Höhle° im Souterrain bin ich dann jeden Tag auf 30 Streifzüge° längs und quer° durch die Stadt gegangen, über Strasen, Boulevards und Alleen und winzig kleine und riesengrose Plätze und durch schattige° Parks, und babe mich in Mrchen und Cafés gesetzt, die am Wege waren, und babe die Linien der Metro abgefahren und ihre Gänge° und Treppen° 1 und Tunnel kilometerlang durchlaufen, und manchmal bin ich auch in einen Vorortzug° gestiegen und wieder hinaus aus der Stadt gefahren und in das flache Land hineingelaufen, mit einer Art Elan°, der wie eine Wut war, als ob ich das Land 5 überrennen und es mir unterwerfen° könnte.

Und so hatte ich bald manches gesehen, was ich lieber nicht hätte sehen wollen, und fühlte mich überhaupt viel mehr wie ein Einwanderer nach Amerika vor hundert Jahren: Nun sitzt er auf Ellis Island, der verdammten° Insel, hat sein ganzes 10 Leben hinter sich abgebrochen° und Amerika noch nicht mal mit einem Fus betreten, aber er ahnt schon die grausamen Wahrheiten der neuen Welt und muss sich manchmal fragen, ob er nicht viel zu viel ftir viel zu wenig hergegeben hat. Ein Zurück in sein russisches, polnisches, ungarisches, litauisches 15 oder sonst ein Dorf aber gibt es nicht mehr, ganz im Gegenteil, die Geschwister, Onkel, Tanten und Freunde wollen auch bald nachkommen°, und dann soll er, der jetzt noch so erstarrt° auf Ellis Island sitzt, doch etwas aufgebaut° haben-ein neues Leben. 20

Manchmal bin ich mitten in der Stadt, in irgendeiner Strase, einfach in einen fremden Hauseingang hineingegangen und die Treppe hochgestiegen, als ob ich da wohnte und immer da hineinginge. Da waren breite Steintreppen und weiche Teppiche über den Stufen°, so dass man ohne ein 25 Geräusch° von Schritten° lief, und ich steckte die Nase auch noch aus dem Fenster nach hinten hinaus und sah einen heimlichen° Garten, einen mit nicht zu viel Sonne und nicht zu viel Schatten, und plötzlich berührte° mich ein ganz un bekannter Geruch°, ein fremder, ohne Vergleich und ohne 30 Erinnerung, als ob es vielleicht doch noch eine ganz andere Welt gäbe, in der nicht alles an alles erinnert.

Aber wenn ich so durch Strasen und Höfe° ging und wollee nur einfach ein bisschen zuschauen, wie es so ist, und was sie da machen, dann fühlte ich mich nicht gerade willkommen. 1 Die Leute erschienen mir misstrauisch°, sie fragten gleich, ob ich jemanden suche, und wenn ich sagte, nein, niemanden, nichts, ich gehe nur so hier entlang, dann fanden sie das un passend° und überflüssig°, und ich verschwand lieber wieder 5 durch das nächste Tor.

Einmal habe ich mich ganz nah von meiner Strase, die so laut und voller Verkehr ist, in eine Gegend verlaufen , die einem Dorf ähnelt°, mitten in der Stadt. Ein hügeliges°, buckliges° Quartier°, krumme Strasen, die hinauf und hinab in 10 Schleifen und Kurven führen, mit Treppchen, Geländern', verrosteten Laternen° und alten Frauen, die in Pantoffeln° und Morgenrock° dort wohl schon jahrhundertelang ihre Hunde spazieren führen. Jedes Haus ist verschieden vom nächsten, ganz niedrig nur, höchstens zwei Stockwerke, schmal°, meistens 15 auch schief°, sich über die Strase neigend°, so dass sie noch enger scheint. Die Wege steigen alle zu einem einzigen Platz hinauf, dem Gipfel° des Berges. Ich sah mich nach einem Strasenschild um, da stand "butte aux cailles", Wachtelberg°. Auf dem Gipfel des Wachtelberges drängen sich°, wie 20 könnte es anders sein, Cafés und Kneipen, die Stühle und Tische stehen drausen auf dem schmalen Trottoir°, beinahe zwischen den Autos, Menschenschwärme° drum herum. Es kam mir vor, als hielte dort ein kleines Volk seine Versammlung° ab, so sehr schienen sie alle zusammenzugehören. Ab 25 und zu hielten Autofahrer neben den Tischen an, kurbelten die Fenster runter° und redeten einfach mit. Sie reden ja hier alle immer so viel, immerzu reden sie.

Ich hörte sie, aber ich verstand sie nicht. Sie begrüsten sich alle, küssten sich alle, lachten, gingen, kamen, gingen wieder, 30 und dann sah man einen von den Männern, der gerade gegangen war, im Fenster des gegenüberliegenden Hauses wieder, es öffnete sich ja halb über dem Tisch, er rief noch etwas hinunter, und die anderen riefen noch etwas hinauf.

Für einen Moment babe ich mich dazusetzen wollen. Ich 1 fand noch einen einzigen freien Stuhl, allein an einem Tisch, von dem alle anderen Stühle schon längst weggeholt waren. Aber weil es so eng war, babe ich trotzdem ganz nah bei dem Wachtelbergvolk gesessen. Wie in einer Theatervorstellung° 5 sas ich da in der ersten Reihe°, ganz dicht an der Bühne°, sah dem Schauspiel° ihrer Volksversammlung zu und erkannte auch schon die Dramaturgie und die Verteilung der Rollen°. Die Hauptpersonen° blieben nämlich die ganze Zeit sitzen, und nur die Nebenrolleýri und Statisten° hatten wechselnde 10 Auftritte. Icb musste lachen, wenn sie lachen, war scbon gefangen in ibrem Stück° - da haben sie mich fragend angesehen. Icb verstand. Icb hatte ihnen einen Platz weggenommen, eine halbe Stunde lang sag ich scbon da. So bin ich wieder weggegangen und wusste nicht, ob icb im Weggehen 15 grüsen und "Salut" sagen sollte, wagte es nicht und hätte doch gerne auf Wiedersehen gesagt. Während ich mich entfernte°, habe ich noch lange den Lärm des Wacbtelbergvolkes hinter mir gehört.

Ach, es ist ja schon, herumzulaufen auf fremdem Pflaster°, 20 eine Spaziergängerin, dahin, dorthin, irgendwo herum. Aber es ist schwer, zu kommen, ein bisschen zu bleiben und wieder zu gehen. Und dass ich ganz kurz zu ihnen gehört babe, das haben sie wohl gar nicht bemerkt°.

Immerzu habe ich auf meinen Streifzügen darüber nachdenken 25 müssen, was denn nun hier aus mir werden soll, ob und wie ich mich als Künstlerin durchschlagen° oder ob und wie ich eine Arbeit finden könnte. Es fiel mir schwer, das neue Leben zu beginnen, und ich dachte viel mehr an alles, was hinter 30 mir lag, an meinen Vater, vor dem ich weggelaufen war, weil er mein ganzes Leben lang zu viel von mir verlangt° hatte, an meine Freunde, derer ich überdrüssig° geworden war, und an das 'Berliner Theater', an dem ich nicht länger hatte arbeiten wollen. Jetzt schrieb ich Ansichtskarten° an meinen 1 Vater, an meine Freunde und an die Kollegen vom 'Berliner Theater' und fühte mich fern und abgeschnitten°, so losgelassen° und allein wie Adam und Eva oben auf der Brüstung° von Notre-Dame. Unter ihnen sind Hunderte 5 Heilige° stumpfsinnig° nebeneinander aufgereiht, aber die beiden, Adam und Eva, stehen da oben ganz allein, als ob sie herunterspringen wollten, weit voneinander entfernt, niemanden neben sich und nackt. Und unten, um die Füse von Notre-Dame, wimmeln die Menschen in Scharen° herum°, 10 ganze Völker, rufen und reden in vielen Sprachen und laufen in Gruppen hinter Führern mit Wimpeln° ihrer Sprache her, aber manche stehen nur und sehen nach oben, und manche reden und manche schweigen, manche gehen herum, manche laufen und haben es eilig, andere rennen sogar, manche 15 streiten sich°, manche küssen sich, manche sitzen auf den Bänken, manche schlafen auf den Bänken, manche lesen, andere essen aus mitgebrachten Beuteln° oder kaufen sich an einer Bude eine Coca-Cola, und manche schreiben Ansichtskarten, so wie ich. 20

(Continues...)



Excerpted from Eine Liebe aus nichts by Barbara Honigmann Copyright © 2010 by Yale University. Excerpted by permission.
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Table of Contents

Contents

Preface....................vii
Acknowledgments....................xi
Map of Europe and map of Berlin follow p. xi Eine Liebe aus nichts by Barbara Honigmann Teil I....................3
Teil II....................23
Teil III....................47
Teil IV....................75
Teil V....................93
Teil VI....................119
Vokabeln and Aufgaben Teil I....................147
Teil II....................161
Teil III....................171
Teil IV....................179
Teil V....................185
Teil VI....................193
Abschliesende Fragen and Aufsatzthemen....................198
Anhang I. Konzepte and Vokabular zur Text-Analyse....................203
II. Informationen and Begleittexte für den Unterricht....................211
Vokabelindex....................231
Credits....................253

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