Jeden Tag gehörst du mir: Thriller

Jeden Tag gehörst du mir: Thriller

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Overview

Kate liebt ihre Freiheit. Sie hat den attraktiven Irish Look: lange glatte dunkle Haare, helle Haut, dunkle Augen. Die Achtundzwanzigjährige will das Leben in vollen Zügen genießen. Sie mag Stockton Heath, ihren Heimatort in der Nähe von Manchester. Bis die Freiheit vorbei und die Kleinstadt kein Zuhause mehr ist, weil die Angst um sich greift. Ein Mörder geht um, der Frauen tötet. Frauen, die eines gemeinsam haben: Alle sehen auf erschreckende Art aus wie Kate. "Es ist schwierig, nach der Lektüre, wenn die Lichter aus sind, einzuschlafen." Evening Standard

Product Details

ISBN-13: 9783959677400
Publisher: HarperCollins Publishers
Publication date: 11/13/2017
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 432
File size: 4 MB

About the Author

Alex Lake ist ein Pseudonym für einen in den 70er Jahren im Nordwesten von England geborenen Autor, der nun in den USA lebt. "Es beginnt am siebten Tag" ist sein erster Roman und war bei Erscheinen eine Ebooksensation. Der Autor schreibt an seinem zweiten Roman.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Sie musste hier raus.

In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken, während sie gegen die bittere Mischung aus Verwirrung, Reue und Scham anschluckte. Aber das war der eine Gedanke, der alle anderen überlagerte: Sie musste so schnell wie möglich verschwinden. Sofort.

Sie wäre jetzt überall gern gewesen, dachte Kate Armstrong. Nur nicht da, wo sie sich gerade befand.

Da gab es allerdings ein Problem. Wie sollte sie hier rauskommen? Denn der Mann, in dessen Bett sie lag – hieß er Rick? Mike? Mack? Nicht einmal daran konnte sie sich erinnern –, war weg. Seine Hälfte des Betts war leer. Was bedeutete, dass sie keine Chance hatte, unbemerkt zu entkommen. Er war wach und irgendwo da draußen, in diesem türkischen Ferienapartment. Also würde sie ihm gegenübertreten müssen, wenn sie die Haustür erreichen wollte.

Es sei denn, es gab hier irgendwo ein geeignetes Fenster. Klar, das würde unsicher wirken, fast schon panisch. Wenn er zurückkam und das leere Bett mitsamt einem offenen Fenster entdeckte, würde er das garantiert seltsam finden. Aber das war ihr egal.

Sie setzte sich im Bett auf und zog dann hastig das Laken hoch, als ihr klar wurde, dass sie nackt war. Nackt im Bett eines Fremden. Sie sah sich um. Ihr Blick war getrübt, als würde eine milchige Schicht über allem liegen. Was vermutlich daran lag, dass sie die Kontaktlinsen noch immer trug. Das würde auch erklären, warum sich ihre Augen so geschwollen anfühlten und schmerzten. Aber immerhin konnte sie das Fenster erkennen und was sich dahinter befand. Mist. Das Apartment befand sich weder im Erdgeschoss noch im ersten Stock. Denn da draußen, vor der Scheibe, waren die Astspitzen irgendwelcher Bäume zu sehen. Wenn sie sich nicht den Hals brechen wollte, kam dieser Fluchtweg also nicht infrage.

Okay, dann musste sie ihm also gegenübertreten. Rick, Mike oder Mack.

Ja, er hieß Mike. Nun kehrten die Erinnerungen an den letzten Abend langsam zurück. Sie hatte ihn in einem dieser Clubs getroffen, als sie zur Bar gegangen war, um Drinks für Gemma und May zu kaufen. Während sie auf die Getränke wartete, tauchte plötzlich so ein dauergebräunter Italiener neben ihr auf, der ihr zuerst den Arm um die Taille schlang, um dann sein bestes Stück an ihrem Hintern zu reiben. Gleichzeitig flüsterte er ihr irgendwelche unverständlichen Dinge – vermutlich auf Italienisch – ins Ohr. Es gelang ihr, sich seinem Griff so weit zu entwinden, dass sie sich umdrehen und dem Typen ins Gesicht sehen konnte. Prompt setzte er ein Lächeln auf, das er vermutlich für extrem charmant hielt. Sie spürte, wie seine Hand über ihre Hüfte glitt.

Und das war der Moment, in dem dieser Mann – Mike – auftauchte. "Hey", begrüßte er sie. Dann legte er eine Hand auf ihre Schulter und lächelte. "Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe."

Er musste bemerkt haben, dass sie belästigt wurde. Also war er gekommen, um ihr zu helfen.

"Kein Problem", versuchte sie ebenso locker zu erwidern, als würden sie sich schon ewig kennen. "Ich hab schon mal Getränke bestellt. Was willst du?"

"Ein Bier." Er schaute den Italiener an, als hätte er ihn gerade erst registriert. "Und wer ist dein Freund hier?"

"Niemand, wir waren zufällig zur gleichen Zeit an der Bar. Außerdem wollte er gerade gehen." Sie zog eine Augenbraue hoch und winkte dem Grabscher zu. "Arrivederci!"

Der Italiener musterte den anderen Mann – seinen schlanken, durchtrainierten Körper, die leicht angespannten Muskeln. Dann zuckte er mit den Schultern, drehte sich wortlos um und verschwand.

"Danke", wandte Kate sich an ihren Retter. "Der war ziemlich lästig."

"Kein Problem. Ich wollte gerade an die Bar, als ich bemerkt habe, dass etwas nicht stimmt. Sie sahen so aus, als wäre Ihnen die Situation unangenehm. Aber ist ja alles gut gegangen. Okay, dann hole ich mir jetzt mal mein Bier. Schönen Abend noch."

"Oh, darf ich Sie einladen?", erwiderte sie schnell. "Als Dankeschön?"

So hatte die Sache begonnen, dachte Kate nun. Und irgendwie hatte der Abend dann hier geendet. In dem Bett, in dem sie sich jetzt befand. Nackt. Mit trockenem Mund und bohrenden Schmerzen in den Schläfen.

Sie starrte auf die Äste vor dem Fenster, während sie versuchte, die Bruchstücke, die ihr Gedächtnis noch hergab, zu einem Ganzen zusammenzufügen. Sie erinnerte sich daran, wie sie neben Mike die Straße entlanggestolpert war. Dann waren sie vor der Tür zu einem Apartmenthaus stehen geblieben. Sie hatte ihn geküsst. Irgendwann später hatte Mike sie bei der Hand genommen und sie in ein Schlafzimmer geführt. Wo er begonnen hatte, sie auszuziehen – auch daran erinnerte sie sich noch.

Sie schloss die Augen und stöhnte. Wie konnte das sein? Das war gar nicht ihre Art. Sie war keine Frau, die einfach mit fremden Männern nach Hause ging, um dann Sex mit ihnen zu haben. So etwas hatte sie noch nie gemacht. Egal, wie betrunken sie gewesen war.

Aber war es wirklich so gewesen? Hatten sie Sex gehabt? Aus dem Nebel in ihrem Kopf tauchte ein Bild auf. Dann ein paar Wortfetzen: Sie hatte ihn nach Kondomen gefragt.

"Sicher?", hatte er zurückgefragt. "Willst du es wirklich? Wir müssen das nicht tun."

Aber sie war sich sicher gewesen. Gestern Nacht zumindest war sie sich völlig sicher gewesen. Ganz im Gegensatz zu heute. Denn heute gab es nur eins, was sie mit Sicherheit wusste: Dass sie sich wünschte, gestern Nacht Nein gesagt zu haben. "Nein. Lass uns noch warten." Oder: "Nein, ich muss jetzt gehen. Meine Freundinnen machen sich bestimmt schon Sorgen um mich."

Aber seltsamerweise – jetzt fiel es ihr wieder ein – war er derjenige gewesen, der Nein gesagt hatte. Er hatte den Kopf geschüttelt, sie noch mal geküsst und dann erklärt: "Ich glaube, du hast ganz schön viel getrunken. Gehen wir erst mal schlafen. Dann kannst du morgen sehen, ob du noch derselben Meinung bist."

Empört hatte sie erwidert, dass es ihr ganz hervorragend ginge. Besten Dank auch! Aber das war wohl der Alkohol gewesen, der da aus ihr gesprochen hatte. Sie war definitiv nicht mehr klar im Kopf gewesen und Gott sei Dank hatte Mike ihren Zustand nicht ausgenutzt.

Aber wieso war sie derart betrunken gewesen? Eigentlich hatte sie doch gar nicht so sehr über die Stränge geschlagen. Okay, Wein zum Essen. Danach ein paar Gin Tonics in diesem Club. Aber das führte normalerweise noch nicht dazu, dass sie so sehr die Kontrolle verlor. Allerdings waren die Barkeeper im Club ziemlich großzügig beim Einschenken gewesen. Das musste es sein.

Ab jetzt würde sie bis zum Ende des Urlaubs vorsichtig sein. So etwas durfte nicht noch einmal passieren.

Das Ende des Urlaubs. Momentan wäre sie am liebsten sofort nach Hause geflogen, statt noch zwei Nächte in Kalkan zu verbringen. Dabei hatte sie sich so auf die Erholung gefreut.

Gemma, May und sie waren vor fünf Tagen hier angekommen. Sie und ihre Freundinnen hatten spontan eine Woche Urlaub gebucht, nachdem Phil und sie sich getrennt hatten. Phil. Der Mann, von dem sie jahrelang gedacht hatte, er wäre ihre große Liebe und der perfekte Partner. Bis irgendwann die Zweifel gekommen waren, ob sie beide wirklich so gut zusammenpassten. Also hatte sie die Beziehung beendet. Die Entscheidung war ihr nicht leicht gefallen. Sie war ganz und gar nicht sicher gewesen, dass sie das Richtige tat. Und gerade jetzt kam es ihr wie eine extrem schlechte Idee vor. Denn wozu hatte das alles geführt? Doch nur dazu, dass sie hier in diesem Bett saß, mit wild klopfendem Herzen, heftigen Kopfschmerzen und dem Wissen, haarscharf am ersten One-Night-Stand ihres Lebens vorbeigeschrammt zu sein. Beinahe hätte sie in volltrunkenem Zustand Sex mit einem wildfremden Mann gehabt, von dem sie nicht mal wusste, ob sie ihn wirklich mochte. Es war nur nicht dazu gekommen, weil dieser Unbekannte sich glücklicherweise wie ein Gentleman verhalten hatte.

Verdammt, sie hatte Phil monatelang warten lassen, bevor sie mit ihm geschlafen hatte. Das war ihr normales Tempo in solchen Dingen. Und bei Phil hatte sich all das Warten gelohnt. Wobei ihr zugegebenermaßen die Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Denn Phil war der erste und immer noch einzige Mann, mit dem sie Sex gehabt hatte. Sie beide hatten sich bereits auf der Highschool kennengelernt und waren auch während des Studiums zusammengeblieben. Phil hatte einen Platz an der Uni Bristol bekommen, während sie in Durham studierte. Was bedeutete, dass mehr oder weniger ganz England zwischen ihnen lag. Ein Härtetest für ihre Beziehung, aber sie hatten sich nicht getrennt. Sie waren zusammengeblieben und nach dem Studium zurück nach Stockton Heath gezogen, die kleine Stadt, in der sie beide aufgewachsen waren. Dort hatten sie sich Jobs gesucht, ein Haus gemietet und die nächsten Schritte ihres Erwachsenenlebens geplant: Heirat und Kinder.

Bis zu dem Tag, an dem Kate sich schließlich eingestehen musste, dass sie noch nicht so weit war. Egal, wie sehr sie dagegen ankämpfte – das Gefühl, gar nicht richtig gelebt zu haben, war immer stärker geworden. Sie hatte sich damit getröstet, dass sie immer noch zu Phil zurückkehren konnte, irgendwann, wenn der Zeitpunkt richtig war. Das hatte ihr die Trennung ein wenig erleichtert.

Im Gegensatz zu Phil. Er kam nicht so gut damit klar, dass sie nicht mehr zusammen waren. Besser gesagt: Er kam extrem schlecht damit klar. Ständig rief er sie an, am frühen Morgen oder mitten in der Nacht, meistens betrunken. Seit er bei seinem Freund Andy hauste, hatte sich Phils Alkoholkonsum extrem gesteigert und auch sonst schien er total von der Rolle zu sein. Einmal hatte er sie aus einem Club in Bristol angerufen, ein anderes Mal aus dem Haus einer Frau, mit der er gerade ein Date hatte. Soweit Kate seinem betrunkenen Wortschwall entnehmen konnte, hatte Phil ihr bei diesem Anruf mitgeteilt, dass er völlig über sie hinweg war, weil er nämlich eine andere Frau gefunden hatte.

"Ach ja? Und wieso rufst du mich dann um zwei Uhr nachts aus ihrem Badezimmer an?" Natürlich war ihr klar gewesen, dass es unklug war, Phil zu provozieren. Aber sie hatte schon geschlafen, als der Anruf kam, und war entsprechend müde und gereizt gewesen.

"Warum ich dich anrufe? Das fragst du mich allen Ernstes? Fick dich!", hatte er erwidert. Seine Stimme hatte gezittert, als würde er gleich anfangen zu weinen. "Fick dich, Kate!"

Also, ja. Insgesamt konnte man wohl sagen, dass Phil die Sache mit der Trennung nicht besonders positiv aufgenommen hatte. Was einer der Gründe für diesen Urlaub war. Zu Hause in Stockton Heath war Phil ständig präsent. Und nach so vielen Jahren Beziehung hatte sie jetzt einfach das Bedürfnis nach ein wenig Abstand und Ruhe. Also war sie mit ihren Freundinnen in die Türkei geflogen.

Ihre Freundinnen! Bestimmt waren Gemma und May schon völlig außer sich vor Sorge. Kate beugte sich über den Bettrand und schaute auf die am Boden verstreuten Kleider hinunter: ein kurzes rotes Sommerkleid, schwarze Spitzenunterwäsche, hochhackige Riemchensandaletten. Vor dem Urlaub war sie extra noch einkaufen gegangen, um die passende Kleidung für lange Nächte am Strand und in den Clubs zu haben.

Tja, die letzte Nacht war definitiv lang gewesen. Viel zu lang. Wäre sie doch nur mit May und Gemma zurück ins Hotel gegangen, dann wäre all das nicht passiert. Aber es war passiert. Und jetzt musste sie zusehen, wie sie hier rauskam.

Neben dem roten Kleid lag ihre Tasche. Sie griff danach und zog ihr Telefon hervor. Phil hatte offenbar ein paar Mal angerufen. Schon wieder. Außerdem gab es einige verpasste Anrufe von Gemma und May sowie eine Reihe von Textnachrichten.

2:02 Uhr, Gemma:

Wo bist du?

2:21 Uhr, May:

Verdammt, Kate, melde dich! Machen uns Sorgen!

2:25 Uhr, wieder eine Nachricht von Gemma:

Bist du mit diesem Typen mitgegangen? Du musst dich melden, Kate! Jetzt!

Zu ihrer Verblüffung entdeckte Kate, dass sie um 2:34 Uhr geantwortet hatte.

Alles in Ordnung. Bin mit Mike (Typ aus Club) unterwegs. Er ist nett! Macht euch keine Sorgen! Wir sehen uns morgen.

Gott, sie musste gestern wirklich extrem betrunken gewesen sein. Nicht mal an diese Nachricht konnte sie sich erinnern. Und wann sie die an Gemma geschickt hatte, war ihr ebenfalls schleierhaft. Bevor sie mit Mike zu seinem Apartment gegangen war? Als sie schon hier gewesen war? Egal. Sie hatte jetzt wichtigere Probleme. Hastig tippte sie eine neue Nachricht:

Bin auf Rückweg. Alles unschön. Erzähle ich gleich.

Sie stellte die Füße auf den kalten Fliesenboden und griff nach ihren Kleidern. Okay, damit begann jetzt der wirklich unangenehme Teil. Sie musste Mike gegenübertreten und möglichst schnell von hier verschwinden.

Die Schlafzimmertür war nur angelehnt. Kate holte tief Luft und drückte sie auf. Wie in den meisten Ferienwohnungen bildeten Küche und Wohnzimmer einen großen Raum, von dem das Bad und zwei weitere Räume abgingen. Die Tür zu dem zweiten Zimmer war geschlossen. Vermutlich schlief dahinter einer von Mikes Freunden. Umso mehr Grund, schleunigst das Weite zu suchen.

Sie ging zwei Schritte in Richtung der Tür. Dann entdeckte sie ihn. Er saß auf dem Sofa, barfuß, in der einen Hand eine Tasse Kaffee, in der anderen ein iPad. Jetzt hob er den Kopf und lächelte ihr zu. "Hi, Kate. Gut geschlafen?"

CHAPTER 2

"Ja, danke", sagte Kate. Im nächsten Moment ärgerte sie sich über die Lüge. Warum hatte sie das Bedürfnis, höflich zu sein, statt einfach die Wahrheit zu sagen?

"Möchtest du etwas trinken? Orangensaft? Kaffee, Tee?" Er zog eine Augenbraue hoch. "Oder vielleicht lieber ein Bier?"

"Was?", stieß sie hervor. Ihre Stimme war nur ein leises Krächzen. Sie räusperte sich. "Soll das ein Witz sein?"

"Ja", sagte er und lachte. "Soll es."

Sie spürte, wie sie errötete. "Oh, klar. Tut mir leid. Ich bin noch nicht so ganz in Form heute Morgen."

"Ich auch nicht. Die Drinks gestern waren ganz schön heftig." Er trank den Kaffee aus und stand auf. "Ich glaube, ich brauche noch eine Tasse. Willst du auch eine?"

Nein, wollte sie nicht. Obwohl Mike und sie letztendlich doch keinen Sex gehabt hatten, hatte sie nicht das Bedürfnis, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Sie war müde und verkatert. Vor allem aber schämte sie sich für ihren Auftritt gestern Nacht. Andererseits war das ja nicht Mikes Schuld. Er hatte sich unter den Umständen mehr als nett verhalten. Daher wollte sie ihn jetzt nicht vor dem Kopf stoßen. Und eine Tasse Kaffee klang tatsächlich gut.

"Gern", sagte sie. "Aber nur, wenn der Kaffee schon fertig ist. Ich muss gleich los."

"Kein Problem. Wenn du verabredet bist, dann geh ruhig." Seine Art zu sprechen ließ kaum einen Hinweis darauf zu, woher er kam. Nur seine Vokale klangen etwas flacher. Also stammte er vermutlich aus dem Norden – Lancashire, vielleicht. "Du musst nicht aus Höflichkeit bleiben, wenn du nicht willst."

"Nein, nein", erwiderte Kate verlegen. "Ein Kaffee wäre wirklich toll. Danke."

Er ging barfuß über den Kachelboden zur Küche hinüber und füllte zwei Tassen. Heute Morgen trug er Leinenhosen und dazu ein khakifarbenes T-Shirt. Vermutlich war er etwa zehn Jahre älter als sie, also Ende dreißig. Er war nicht breitschultrig, aber sein Körper war muskulös. Seine Bewegungen waren präzise, fast schon elegant. Mike war durchaus attraktiv, nur eben auf diese zurückgenommene Lehrer-Art. Damit war er das absolute Gegenteil von Phil, der den gedrungenen, breitschultrigen Körper eines Rugby-Spielers hatte und alles war, nur nicht präzise und elegant. Seine Freunde zogen Phil immer damit auf, dass er der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen war. Er selbst behauptete, einfach mehr Kraft zu haben, als ihm guttat. Egal, welche Auffassung nun stimmte – seine Kraft war eine der Sachen gewesen, die Kate an ihm geliebt hatte.

Mike griff nach einem Milchkarton, der offen auf der Küchenplatte stand. "Möchtest du?"

"Ja, bitte."

Er goss einen Schluck Milch hinein und reichte ihr die Tasse. "Leider ist es keine frische Milch. Die haben hier nur dieses ultrahocherhitzte Zeug. Aber der Kaffee ist stark und aromatisch."

Der Kaffee war gut. Kate trank gleich noch einen zweiten Schluck. Sie wünschte nur, sie könnte ihn mehr genießen. Zum Beispiel in einem der Cafés am Strand, zusammen mit ihren Freundinnen, während sie auf das Meer hinausschauten.

"Schmeckt's?", fragte Mike.

"Ja", erwiderte sie. "Danke."

Eine peinliche Pause entstand. Kate trank noch einen Schluck Kaffee.

Schließlich brach Mike das Schweigen. "Woher kommst du, Kate? Zu Hause, in England, meine ich."

Sie wollte es ihm nicht sagen. Wollte nicht, dass er irgendetwas über sie wusste. Es lag nicht an ihm, er war wirklich nett. Unter anderen Umständen hätte sie ihn vermutlich gemocht. Aber sie wollte die letzte Nacht einfach nur vergessen.

"Aus Stockton Heath", sagte sie schließlich. "Eine ganz kleine Stadt. Eigentlich eher ein Dorf. In der Nähe von Warrington, in Cheshire."

Er runzelte die Stirn. "Das kann doch nicht sein, oder?"

"Doch. Wieso?"

(Continues…)



Excerpted from "Jeden Tag gehörst du mir"
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Copyright © 2016 Alex La.
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