Sagrada: Mystery-Thriller

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Overview

Sagrada: Mystery-Thriller by Enric Balasch

Der Einfluss der Tempelritter ist dunkel und mächtig Eine tote Restauratorin in der Sagrada Familia in Barcelona. Eine Leiche ohne Haut an Händen und Füßen. Ein Geheimcode in einer Templerkapelle. Rätselhafte Vorfälle, die ein Geheimnis verbergen, gefährliche Spuren, die Inspektor Munárriz auf eine Fährte führen, die sich weit in die Vergangenheit erstreckt – bis zu einem sonderbaren Kreuz und den Nachfahren von König Salomos Baumeister. Einer von ihnen ist Antonio Gaudí, der Erbauer der Basilika. Doch was verbarg der Meister, für das es sich zu töten lohnt? Spirituelles Vermächtnis oder alchimistische Formel – die Sagrada Familia birgt Geheimnisse, für die manche töten würden …

Product Details

ISBN-13: 9783641046415
Publisher: Blanvalet
Publication date: 07/27/2010
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 506
File size: 1 MB

About the Author

Enric Balasch (Gracia 1955) arbeitet als Journalist und hat über hundert Länder bereist. Er hat zahlreiche Reiseführer veröffentlicht, die in sieben Sprachen übersetzt wurden. Darüber hinaus ist er Autor von Rundfunkbeiträgen sowie Dokumentarsendungen für das spanische Fernsehen.

Read an Excerpt

Barcelona
Versöhnungskirche Sagrada Familia Montag, 7. Juni 1926

Antonio Gaudf verbrachte den ganzen Tag in seinem großen Atelier, in das durch eine Glaskuppel Tageslicht fiel. Auf einer hölzernen Estrade hatte er sein Zeichenbrett aufgestellt sowie ein Fotolabor eingerichtet. In einem großen Nebenraum stand ein maßstabsgerechtes Modell der Kathedrale Sagrada Familia; außerdem hingen dort mehrere Versuchsmodelle von der Decke. Diesen Ideenfriedhof nannte sein Modellbauer und Freund Lorenzo Matamala »die Schlangengrube«.
Über das Haus im Park Güell hatte sich nach dem Tod von Gaudfs Vater Francisco und seiner Nichte Rosa Egea eine trübselige Stimmung gelegt. Er war jetzt allein; lediglich zwei Karmeliterinnen kamen einige Male in der Woche, um ihm die Wohnung sauber zu halten und die Wäsche zu waschen. Sein Freund, der Bischof Torres y Bages, war 1916 gestorben, und zwei Jahre später war ihm Gaudis Mäzen Eusebio Güell gefolgt. Ohne Angehörige und enge Freunde beschäftigte sich Gaudf nunmehr ausschließlich damit, sein Hauptwerk zu vollenden, die Sagrada Familia. Wegen seiner Einsamkeit und der großen Entfernung zwischen der Sagrada Familia und dem Park Güell war er im Herbst 1925 in den unfertigen Kirchenbau übergesiedelt und hatte sich dort Arbeitsräume eingerichtet. Dort schlief er nachts auf einer hölzernen Pritsche in einer kleinen Kammer, die ein einfacher Vorhang von den anderen Räumen abtrennte.
Er hatte nahezu den ganzen Tag ununterbrochen gearbeitet und strich sich jetzt mit einer erschöpften Geste über die kurzen grauen Haare. Da seine arthritischen Finger den Bleistift kaum noch halten konnten, fiel ihm das Zeichnen von Plänen täglich schwerer. Auch wenn der Tag hektisch gewesen war, bedeutete er zugleich das Ende der Sorge, die ihn schon seit Jahren quälte. Endlich war es ihm gelungen, das Versprechen einzulösen, das er einst dem Vater gegeben hatte, nämlich das Geheimnis seiner Familie zu bewahren. Damit war nach Jahrhunderten der Auftrag ausgeführt, den Gott einst den Gaudfs erteilt hatte.
Der düstere Abend des Jahres 1894, an dem ihm der Vater dieses Geheimnis anvertraut hatte, hatte dem Leben des damals Zweiundvierzigjährigen eine gänzlich neue Richtung gegeben. Noch jetzt erinnerte er sich so deutlich daran, als läge das Ganze erst wenige Minuten zurück. Seither war er oft wie ein Mystiker des Mittelalters geradezu in Ekstase verfallen, wobei ein seltsam begeisterter Glanz in seine leuchtend blauen Augen zu treten pflegte.
Sein Auftrag als Architekt Gottes verlangte von ihm, eine Kirche zum Ruhm des Höchsten zu errichten und dabei den unbehauenen Stein, das Chaos, in einen Triumph des Schöpfers zu verwandeln, aus den im Steinbruch des Montjüic gebrochenen Blöcken eine Lobpreisung Gottes, der Allumfassenden Ordnung, zu schaffen. Das fortwährende Hämmern der Arbeiter, das wie das Echo eines fernen Gemurmels zu ihm hereindrang, wurde in seinen Ohren zum Gesang eines Engelschores. Dank all dieser Hammerschläge nahm der Bau nach und nach Gestalt an. Die Geburtsfassade war vollendet, und schon bald würde sie farbig gefasst werden, ganz wie einst die Fassaden der romanischen und gotischen Kirchen.
Er beendete die Entwurfsskizze einer Glocke und legte den Stift auf das Zeichenpapier. Monate hatte er damit zugebracht, die vierundachtzig Glocken, die ihren Platz in den Türmen finden sollten, so zu gestalten, dass sie voll Wohlklang wie mit einer einzigen Stimme ertönten. Er fuhr sich mit den Fingern durch den weißen Bart, zog den Arbeitskittel aus und strich sich mechanisch die Jacke glatt. Dann warf er einen letzten Blick auf das Zeichenbrett, als hätte er etwas vergessen. Vor sich sah er Pläne, Entwürfe und Darstellungen biblischer Szenen sowie eine Ausgabe der Werke des von ihm zutiefst verehrten französischen Architekten Violletle-Duc ... Ermattet stieß er einen Seufzer aus und löschte das Licht einer Lampe mit tulpenförmigem Glasschirm.
»Vicente«, sagte er, als er sich von seinem Mitarbeiter verabschiedete, »komm morgen zeitig, es gibt spannende Dinge zu tun.«
»Geht Ihr schon, Meister?«
»Ja«, gab Gaudi zurück und rieb sich die brennenden Augen. »Für heute ist es genug.«
Er musste sich auf einen Stock stützen, um das Gleichgewicht zu halten. Er war nicht mehr der Jüngste — in zwei Wochen würde er seinen vierundsiebzigsten Geburtstag feiern. Vor der Tür blieb er einige Augenblicke stehen, um zu lauschen. Sirenen kündigten im Stadtteil Sant Marti de Provenfals das Ende eines langen und harten Arbeitstages an. Ihnen folgte die der nahe gelegenen Brauerei Damm, aus der bald darauf deren rund tausend Arbeiter auf die Straßen strömten.
Abend für Abend ging Gaudi nach der Arbeit zu Fuß die drei Kilometer von der Sagrada Familia zur Kirche San Felipe Neri, wo er mit seinem geistlichen Beistand, dem Priester Agustin Mas, zu sprechen pflegte. Vor dem Kiosk an der Plaza de Urquinaona blieb er kurz stehen und kaufte La Veu de Catalunya. Er legte die Zeitung zusammen, klemmte sie sich unter den Arm und setzte seinen Weg fort. Es war schon dunkel, als er, wie immer zu Fuß, zum Abendessen in die Sagrada Familia zurückkehrte, das gewöhnlich aus zwei in Brotbröseln gewendeten Armen Rittern und einer Handvoll Rosinen bestand. Diesen immer gleichen Tagesablauf änderte er lediglich dann, wenn er den Priester José Pedragosa Monclus aufsuchte. Dieser leitete das sogenannte »Familienhaus«, in dem Strafgefangene nach ihrer Entlassung aus dem Mustergefängnis von Barcelona Aufnahme fanden. Oft verbrachte Gaudi dort die Nacht, von Missetätern umgeben, wie einst Jesus am Kreuz.
An jenem Abend ging er die Calle Bailén hinab zur Kreuzung mit der breiten Gran Via de les Corts Catalanes, in deren Mitte zwei Straßenbahngleise verliefen. Tief in Gedanken über die günstigste Form seiner Glocken versunken, hörte er beim Überqueren der Straße die schrille Klingel der Linie 30 nicht, woraufhin der Fahrer bremste. Als die Räder auf den Schienen kreischten, wich Gaudi instinktiv zurück, und so erfasste ihn die Bahn, die auf dem Nebengleis in der Gegenrichtung herangekommen war. Durch den heftigen Aufprall wurde er gegen einen Mast der Fahrleitung geschleudert. Der Fahrer hielt an, stieg aus und beugte sich über den wie leblos am Boden Liegenden. Da er ihn wegen seines schäbigen Aufzugs für einen betrunkenen Vagabunden hielt, schob er ihn achtlos beiseite und setzte die Fahrt fort. Gaudi blutete aus einem Ohr.

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