Strandrosensommer: Liebesroman Neuerscheinung 2018

Strandrosensommer: Liebesroman Neuerscheinung 2018

by Tanja Janz

NOOK Book(eBook)

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Product Details

ISBN-13: 9783955768263
Publisher: MIRA Taschenbuch
Publication date: 05/02/2018
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 304
File size: 3 MB

About the Author

Tanja Janz wollte schon als Kind Bücher schreiben und malte ihre ersten Geschichten auf ein Blatt Papier. Heute ist sie Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen im Ruhrgebiet. Neben der Schreiberei und der Liebe zum heimischen Fußballverein schwärmt sie für St. Peter-Ording, den einzigartigen Ort an der Nordseeküste.

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CHAPTER 1

Inga

Inga blinzelte gegen die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne an, die einen Bilderbuchtag im Frühling verhießen. Als die Ampel auf Grün sprang, bog sie mit ihrem klapprigen Kombi links ab und fuhr die am frühen Morgen noch leere Straße entlang. Die Brücke über dem Kanal verschwand fast gänzlich im Morgennebel. Es war erst kurz nach fünf Uhr. Noch lag Ruhe über den Straßen von Gelsenkirchen, was sich aber in den nächsten eineinhalb Stunden ändern würde, wenn der Berufsverkehr die Straßen verstopfte. Doch bis dahin hatte sie längst alles erledigt – so wie jeden Tag.

Inga fuhr auf den Hof einer Großbäckerei im Gewerbegebiet, auf dem bereits ein weißer Kombi parkte, an dessen Fahrertür ein mittelgroßer Mann mit Glatze lehnte und genüsslich eine Zigarette rauchte.

»Morjän, Engelschen! Du siehst aber schick aus heute«, begrüßte er sie gut gelaunt.

Inga parkte, stieg aus dem Wagen und ging zu dem Mann. »Morgen, Hasan! Ja, ich bekomme heute hohen Besuch, mein Vermieter kommt!«, entgegnete sie gut gelaunt, musste dabei aber gähnen.

»Na, ich glaube, du brauchst erst mal einen Kaffee«, sagte Hasan lachend und zwinkerte ihr fröhlich zu.

»Unbedingt. Aber: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.«

Eigentlich war sie nie eine Frühaufsteherin gewesen, sondern jemand, der die Nächte zum Tag gemacht und am liebsten erst gegen Mittag vorsichtig die Augen geöffnet hatte, um sich dann noch mal auf die andere Seite zu rollen und eine weitere halbe Stunde vor sich hin zu dösen. Eine notorische Langschläferin, die ohne einen starken Kaffee gar nicht in die Gänge kam. Typ Eule eben, niemand, der auch nur im Entferntesten die Lerchen verstehen konnte, die sich schon um fünf Uhr früh die Joggingschuhe anzogen und bereits um sieben Uhr geduscht und gefrühstückt hatten und mit bester Laune ihrer Arbeit nachgingen.

Doch Ingas Leben hatte sich vor knapp zehn Jahren von einem Tag auf den nächsten schlagartig verändert, als ihre ehemalige Nachbarin aus gesundheitlichen Gründen ihr Café in der Gelsenkirchener Altstadt hatte aufgeben müssen und nach einem Nachfolger für den Laden gesucht hatte. Damals war Inga gerade Mitte zwanzig und voller Tatendrang gewesen und noch dazu gelangweilt von ihrer Assistenzstelle bei einem großen Energieversorgungskonzern in einer Nachbarstadt von Gelsenkirchen. Da kam ihr die Chance nach einer neuen beruflichen Herausforderung, bei der sie zum einen kreativ sein konnte und zum anderen ihr eigener Chef, gerade recht.

Inga dachte nicht lange nach, sondern ergriff die Möglichkeit beim Schopfe und übernahm das alteingesessene Café am Neumarkt von ihrer Nachbarin. Sie war noch nie der Typ gewesen, der lange über Entscheidungen gebrütet hatte, sie entschied immer aus dem Bauch heraus und machte zügig Nägel mit Köpfen. So wurde aus dem etwas angestaubten Oma-Café am Neumarkt das Café Die Insel.

Seit dem Tag der Eröffnung vor zehn Jahren klingelte ihr Wecker spätestens um halb fünf, und der erste Weg des Tages führte sie immer zur Großbäckerei am Kanal, um frische Brötchen, verschiedene Brotsorten, Croissants, Kuchen und Gebäck für ihre Gäste zu besorgen. Dort traf sie täglich auf Hasan. Mit dem Beginn ihrer Selbstständigkeit war aus ihr eine umerzogene Lerche geworden – notgedrungen –, denn die meisten ihrer Gäste wollten zwischen acht und zehn Uhr frühstücken und nicht erst dann, wenn der Eintopf bei den Leuten auf dem Herd köchelte oder der Braten im Ofen schmorte.

Nachdem Inga und Hasan ihre Einkäufe erledigt hatten, standen sie an einem der Stehtische und tranken den wohlverdienten ersten Kaffee des Tages.

»Und was will dein hoher Besuch heute?«, wollte Hasan wissen.

»Ach, nichts Weltbewegendes. Der Pachtvertrag für die Insel läuft aus, und wir müssen einen neuen aufsetzen«, erklärte Inga.

»Ist das denn schon alles in trockenen Tüchern? Vielleicht erhöht er ja die Miete«, meinte Hasan. »Da musst du vorsichtig sein.«

»Da wird sich schon nicht so groß was ändern. Ich bin optimistisch. Er hat keinen Grund, mit mir als Pächterin unzufrieden zu sein.«

Sie unterhielten sich noch über die gestiegenen Preise für Bio-Brote und das letzte Derby-Ergebnis zwischen Schalke und dem BVB, bevor sie sich verabschiedeten, um ihre Gäste zu bedienen – Inga in der Insel und Hasan in seinem kleinen Lebensmittelladen, in dem es alles gab.

Inga parkte ihren Kombi direkt vor dem Bistro in der Fußgängerzone und öffnete den Kofferraum. Sie hielt für einen Moment inne und stellte eine Kiste mit Einkäufen auf dem Boden ab. Ihr Blick blieb am Ladenschild hängen, das über dem Eingang des Bistros angebracht war. Auf ihm war ein rot-gelber Leuchtturm auf einer Düne zu sehen, und daneben prangte in großen Lettern der Name ihres Cafés: Die Insel. Neben dem Eingang lud ein blau-weißer Strandkorb zum Verweilen ein. Zum Laden führte eine kleine Holzrampe mit Geländer, die an einen Steg erinnerte. Ein Bistro im friesischen Stil, im Herzen vom Ruhrgebiet.

Ein Ort, an dem die Leute sich wie im Kurzurlaub fühlen und das Meer förmlich riechen sollen, obwohl es mehrere Hundert Kilometer entfernt ist. Das war Ingas Wunschvorstellung damals gewesen. Sie hatte an ihre Sommerferien als Kind bei ihrer Tante Ditte in St. Peter-Ording gedacht und an ein bestimmtes Café im Ortsteil Bad, in dem sie in ihrer Erinnerung den besten Kuchen der Welt gegessen hatte. So sollte ihre Insel auch werden.

Was sich zunächst wie eine Schnapsidee angehört hatte, war eingeschlagen wie eine Bombe. Am Tag der Eröffnung war das ehemalige Lokal nicht wiederzuerkennen gewesen. Aus dem Café, das den verstaubten Charme von Gelsenkirchener Barock verströmt hatte, in das sich nur hartgesottene Stammkunden verirrten, war ein wahrer Traum von einem Bistro im Nordsee-Stil geworden mit Möbeln aus hellem Holz und maritimen Accessoires.

Neben der Theke befand sich die sogenannte »Friesen-Ecke«, ein großes Regal, in dem sie Tees, verschiedene Teezucker, Teebonbons, Romane, die an der Nordsee spielten, Teetassen, Küstenfruchtaufstriche und kleine Nordseetaschen aus Filz ihren Kunden zum Kauf anbot. Inga liebte ihr Café, und bei dem Gedanken an ihre Gäste musste sie lächeln. Sie hatte keinen einzigen Tag der letzten Jahre bereut, ihre gut bezahlte Stelle bei dem Energieversorger aufgegeben zu haben.

Zugegeben, es war ein harter Job, ein Café zu führen, jeden Tag mit dem gleichen Elan für seine Gäste das Beste zu geben, kaum Freizeit zu haben, und reich wurde man in der Gastronomie auch nicht. Doch diese Arbeit gab ihr so viel, dass sie für kein Geld der Welt eine andere hätte haben wollen. Inga griff nach der Kiste mit frischen Brötchen und marschierte auf den Eingang des Bistros zu.

Um Punkt neun Uhr betrat ein untersetzter Mann in den frühen Fünfzigern, mit einer braunen Cordhose und einem blauen Hemd bekleidet, die Insel. Ihr Vermieter. Inga hatte ihn nicht gleich bemerkt. Ihre Freundin Konny, die seit fast neun Jahren regelmäßig die Frühstücksschicht übernahm, entdeckte den Mann zuerst. »Herr Seifert ist gerade reingekommen«, raunte sie Inga zu.

»Oh, alles klar, danke.« Inga drehte sich um und begrüßte ihren Vermieter. »Setzen Sie sich doch«, bot sie ihm einen Platz an einem Tisch am Fenster an. »Möchten Sie was trinken?«

Herr Seifert setzte sich. »Danke. Einen Kaffee bitte. Schwarz.« »Bringt meine Kollegin Ihnen sofort. Ich hole derweil die Unterlagen.« Inga gab Konny ein Zeichen und verschwand in ihrem Büro.

Inga griff nach der Mappe mit den Unterlagen und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel. Ihr Blick blieb an den dunklen Schatten unter ihren braunen Augen hängen. Inga schminkte sich notdürftig über, dann kämmte sie ihre schulterlangen blonden Haare und strich ihr blaues Shirt glatt, das mit weißen Ankern bedruckt war. Sie drehte sich prüfend vor dem Spiegel hin und her und betrachtete ihre schlanke Figur. So geht's, stellte sie zufrieden fest. »Dann mal auf in den Kampf«, sagte sie zu ihrem Spiegelbild, wobei dieses Gespräch eigentlich nur reine Formsache sein würde und es schlimmstenfalls zu einer leichten Mieterhöhung für den Laden kommen konnte. Sie hatte in den letzten zehn Jahren immer pünktlich ihre Pacht bezahlt und auch sonst nie Probleme mit ihrem Vermieter gehabt. Und trotzdem war sie etwas nervös – warum auch immer. Sie atmete tief durch.

Herr Seifert las in einer der Zeitungen, die in der Insel für die Gäste auslagen.

»So, da bin ich wieder«, sagte Inga, setzte sich auf den Stuhl ihm gegenüber und legte den Pachtvertrag vor sich hin.

»Ah, gut.« Herr Seifert faltete die Zeitung zusammen und trank noch einen Schluck aus seiner Kaffeetasse.

»Tja, so schnell gehen zehn Jahre vorbei«, versuchte Inga, einen Gesprächseinstieg zu finden. Sie faltete ihre Hände über dem Pachtvertrag und schaute ihren Vermieter erwartungsvoll an.

»So schnell, ja«, sagte Herr Seifert und kratzte sich umständlich am Kopf.

Erst jetzt fiel Inga auf, dass ihr Vermieter keine Tasche oder irgendwelche Dokumente dabeihatte, die sie als neuen Mietvertrag hätte identifizieren können. Noch nicht einmal einen Kugelschreiber hatte er dabei. »Ich habe mal den alten Mietvertrag mitgebracht. Vielleicht können wir den ja einfach formlos verlängern«, schlug sie deswegen vor. »Sie scheinen ja den neuen Vertrag noch nicht dabeizuhaben?«

»Da haben Sie recht. Ich habe keinen neuen Pachtvertrag mitgebracht. Und ich muss Ihnen leider sagen, dass es auch keine Verlängerung des alten Vertrags geben wird«, ließ er die Bombe platzen.

»Wie bitte? Keine Verlängerung?«, fragte Inga verwirrt.

»Ja, stimmt. Der Vertrag wird nicht verlängert. Es gibt nämlich bereits einen neuen Pächter für das Ladenlokal.«

Inga runzelte die Stirn. »Entschuldigung, aber das verstehe ich nicht ganz. Ich bin doch Ihre Pächterin.«

Er zuckte bloß mit den Schultern. »Ich habe letzten Monat ein Angebot von einer Mobilfunkfirma für meinen Laden bekommen. Mit unschlagbaren Konditionen und einer Miete, die Sie mir nie zahlen könnten. Wir sind uns ziemlich schnell einig geworden. Das konnte ich unmöglich ablehnen. Wir müssen ja alle sehen, wo wir bleiben, nicht wahr?«, erklärte Herr Seifert. »Es tut mir leid, aber Sie müssen sich für Ihr Café neue Räume suchen. In Gelsenkirchen steht ja genug leer, da werden Sie bestimmt bald was Passendes finden.«

Inga war sprachlos. Sie sollte mit der Insel einfach woandershin?

»Der Vertrag läuft ja bis Ende nächsten Monats, da können Sie in Ruhe das Lokal räumen. Die Renovierung übernimmt übrigens der neue Pächter. Da haben Sie Glück, das fällt dann für Sie weg«, verkündete Herr Seifert gut gelaunt.

»Ja.« Inga nickte benommen und blieb, nachdem sich Herr Seifert von ihr verabschiedet und das Café verlassen hatte, wie betäubt auf dem Stuhl sitzen und schaute mit leerem Blick an die Wand, an der Fotos und Postkarten ihrer Gäste klebten, die sie ihr von ihren Nordseeurlauben geschickt hatten.

Konny setzte sich ihr gegenüber an den Tisch. »Und hat alles geklappt?«, erkundigte sie sich arglos.

»Was?«, fragte Inga und schrak zusammen.

Konny schüttelte den Kopf. »Ist alles in Ordnung mit dir?«

»Nein, der Pachtvertrag wird nicht verlängert«, sagte Inga mit heiserer Stimme und kaute auf ihrer Unterlippe.

»Bitte?«, fragte nun auch Konny mit weit aufgerissenen Augen. »Das kann doch nicht sein!«

Inga stiegen Tränen in die Augen. »Bis Ende nächsten Monats muss die Insel hier raus sein. Er hat einen neuen Vertrag mit einem Handy-Shop geschlossen.« Sie griff nach einer Serviette, die auf dem Tisch lag, und tupfte sich die Stirn ab.

»Ich kann das gar nicht glauben«, sagte Konny entsetzt.

»Er meinte, dass in Gelsenkirchen viele Ladenlokale leer stehen würden und ich bestimmt schnell was Neues finde.« Inga schüttelte fassungslos den Kopf. »Als ob das so leicht wäre. So eine Lage wie diese kriege ich doch nie wieder für die Insel, und dann noch zu dem Preis. Wie stellt er sich das denn vor? Am Neumarkt ist kein einziger Laden frei.«

»Was willst du denn jetzt machen?«

Inga zuckte mit den Achseln. »Der Laden trägt sich. Ich kann davon leben und auch dich beschäftigen, aber mehr ist nicht drin. Die Einrichtung und Renovierung eines neuen Ladenlokals kann ich mir nicht leisten. Dazu bräuchte ich finanzielle Reserven. Aber die habe ich nicht.«

Die beiden Frauen blieben noch einen Moment wortlos am Tisch sitzen. Jede hing ihren eigenen Gedanken nach und konnte es nicht glauben, dass sich ihr Leben vom einen auf den anderen Moment so dramatisch verändert hatte.

CHAPTER 2

Ditte

Ein leichter Wind strich über die Salzwiesen und wiegte den Strandhafer raschelnd hin und her, als Ditte am frühen Nachmittag auf ihrem Friesenpferd Henk Richtung St. Peter Dorf ritt. Sie kam von einem Ausritt am Strand. Nun ging es in gemächlichem Schritttempo über den Seedeich, vorbei an mit Kiefernwäldern bewachsenen Dünen und Sträuchern, in dem schon die ersten Strandrosen blühten. Immer weiter, Richtung Böhler Leuchtturm, dem über hundert Jahre alten Leuchtfeuer von St. Peter-Ording. Dabei genoss sie jedes Mal aufs Neue die einmalige Aussicht über die mit Prielen durchfurchten Salzwiesen, die sich bis hin zum riesigen Sandstrand erstreckten, auf dem die gestelzten Wahrzeichen, die Pfahlbauten von St. Peter-Ording, standen. Schaute man genau hin, konnte man am Horizont bis nach Büsum blicken und bei klarer Sicht nachts sogar das Licht des Helgoländer Leuchtturms erkennen.

Das Fell des Friesen dampfte noch immer von dem strammen Ausritt, als sie mit Henk links auf den Dünenweg einbog, der geradewegs zum Wilhelmshof führte. Den Pferdehof hatte Ditte nach dem Tod ihrer Schwiegereltern hauptsächlich allein bewirtschaftet, weil ihr Mann Matthias die meiste Zeit auf See verbracht und höchstens vier Monate im Jahr das Leben einer Landratte geführt hatte.

Ditte ritt über den Hof, und die Geräusche von Henks eisenbeschlagenen Hufen hallten von den Stallgebäuden mit den grünen Schiebetüren wider. Der Wilhelmshof lag zwischen den Ortsteilen St. Peter Dorf und Böhl und bestand aus fünf Gebäuden: zwei großen Ställe, die in L-Form gebaut und in denen insgesamt rund dreißig Friesenpferde untergebracht waren, einer Scheune sowie zwei weißen reetgedeckten Friesenhäusern mit dunklen Sprossenfenstern, die etwas versetzt voneinander standen. Das vordere war das ehemalige Gutshaus, in dem früher die Besitzer des Hofes gelebt hatten und das Ditte nun allein bewohnte, seitdem ihr Mann Matthias auf See verschollen war. Das nach hinten versetzte Haus stand den Gästen des Wilhelmshofs als Urlaubsunterkunft zur Verfügung. Zu ebener Erde lag der Speiseraum mit Aussicht in den Garten. In der oberen Etage befanden sich Doppel- und Mehrbettzimmer mit Dusche und WC. Außerhalb der Ferien kamen die Schüler vom ortsansässigen Nordsee-Internat zu Reitstunden auf den Hof, und ein paar Jugendliche stellten ihre Pferde bei Ditte unter.

Ein kräftiger Mann mit dunkelblauer Mütze, unter der rote Haare hervorblitzten, trat aus den Stallungen. Er schob eine Schubkarre voller Pferdemist vor sich her, auf den er eine Mistgabel gelegt hatte. »Moin, Ditte«, grüßte er, als er sie sah, und setzte die Karre ab.

»Moin, Hauke«, erwiderte sie seinen Gruß und saß vom Pferd ab.

Hauke übernahm die Zügel des Friesen. »Na, du dampfst ja, als kämst du gerade aus der finnischen Sauna«, stellte Hauke fest und klopfte Henk den nassen Hals. Er war seit seiner Lehre auf dem Hof vor über fünfundzwanzig Jahren für den Stall und dessen Bewohner zuständig. Er kannte jeden Winkel und jedes Mauseloch im Mauerwerk der Stallungen. Hauke gehörte im Grunde zum Inventar, und Ditte konnte sich den Wilhelmshof nicht mehr ohne den Pferdepfleger vorstellen.

»Du meinst wohl eher aus der friesischen Sauna.« Ditte lachte und zog sich die blauen Reithandschuhe aus. »Wir sind im gestreckten Galopp fast über den Strand geflogen.«

Hauke nickte. »Dann wollen wir dich mal ordentlich mit Stroh abreiben«, sagte er und führte das Pferd auf das Stallgebäude zu. Mitten im Gang blieb er stehen und wandte sich um. »Ach, bevor ich es vergesse, Lilo hat vorhin auf dem Stalltelefon angerufen, ich soll dir ausrichten, dass es bei ihr eine halbe Stunde später wird.«

»Das trifft sich gut. Dann kann ich noch in Ruhe duschen gehen und muss mich nicht abhetzen. Danke!« Ditte winkte Hauke noch mal zu und ging ins Haus.

»Verflixt, jetzt habe ich gekleckert!«, ärgerte sich Lilo Ampütte und stellte schwungvoll die Tasse zurück auf den Untersetzer, wobei ihre langen Perlenketten, die sehr dekorativ zu ihrer farbenfrohen Tunika aussahen, klimperten.

»Aber das macht doch nichts«, versuchte Ditte sie zu beschwichtigen.

(Continues…)


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