Suizid: Actionthriller

Suizid: Actionthriller

by Dean Koontz, Wulf Bergner

NOOK BookAuflage (eBook - Auflage)

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Overview

Der rätselhafte Selbstmord ihres Mannes ist nur der Anfang eines ungeahnten Albtraumes: Auf der Suche nach einer Erklärung für seinen Tod entdeckt FBI-Agentin Jane Hawk einen landesweiten Anstieg unerklärlicher Suizide. Als sie der Spur weiterfolgt, erhält sie eine unmissverständliche Warnung: Ein Unbekannter dringt in ihr Haus ein und bedroht ihren Sohn. Jemand Mächtiges scheint dahinterzustecken. Da Jane nicht mehr weiß, wem sie trauen kann, geht sie in den Untergrund. Getrieben von dem Willen, ihre Familie zu schützen und den Tod ihres Mannes zu rächen, macht sie die Jäger nun zu Gejagten. "Dean Koontz schreibt Pageturner. Thriller, die einen fesseln und alles um einen herum vergessen lassen. Dabei trifft er unsere Herzen und unsere Nerven." The Washington Post Book Review "Der erste Teil einer neuen Serie von Bestsellerautor Dean Koontz ist toller Lesestoff für Freunde von actionreichen, schnellen, leicht futuristischen Thrillern: Der Kampf der toughen Jane Hawk gegen eine übermächtige Verschwörung reißt den Leser sofort mit." Literaturkalender FAZ "Der rasant vorangetriebene Thriller mit Gänsehaut-Effekt wandelt auf einem schmalen Grat von gewaltsamer Selbstjustiz mit einer toughen Protagonistin, die sich als Einzelkämpferin  gegen skrupellose Goliath-Schurken durchsetzen muss. Vorwiegend gradlinig und mit diversen Tempiwechseln erzählt, vermag der Pageturner mit SciFi-Elementen zugleich zu ängstigen und zu fesseln." ekz.bibliotheksservice "Der Thriller ist von der ersten Seite an so spannend geschrieben, dass ich sogar nachts noch einmal das Licht angemacht habe, um weiterzulesen." Hamburger Morgenpost "Das Finale wird zum heftigen Showdown und wohl nie war Dean Koontz gemeiner, denn er beschert hier einen Thriller, der in beängstigender Weise mit seiner Realitätsnähe unter die Haut geht. Zu den Qualitäten seiner schnörkellosen und zugleich sprachgewaltigen Prosa gehören aber auch hinreißende Landschaftsbeschreibungen und Darlegungen mancher technischer Feinheiten. Und wer diesen absolut filmreifen Roman schließlich außer Atem gelesen hat, darf sich freuen - es wird weitere Folgen mit Jane Hawk geben!" buchrezension-online.de

Product Details

ISBN-13: 9783959677486
Publisher: HarperCollins Publishers
Publication date: 12/20/2017
Series: Jane Hawk Series , #1
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 512
Sales rank: 659,132
File size: 4 MB

About the Author

The author of numerous bestsellers, Dean Koontz, dubbed "one of the master storytellers of this or any age," is the creator of Odd Thomas, the eminently likeable fry cook with occult powers. Suspense, fantasy, horror, and heart combine in Koontz's novels in equal measure to create unforgettable stories. Early in his career, Koontz wrote books under a number of pen names, including "David Axton," "Leigh Nichols," and "Brian Coffey".

Hometown:

Newport Beach, California

Date of Birth:

July 9, 1945

Place of Birth:

Everett, Pennsylvania

Education:

B.S. (major in English), Shippensburg University, 1966

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Jane Hawk wachte in der kühlen Dunkelheit auf und konnte sich im ersten Augenblick nicht erinnern, wo sie eingeschlafen war, sondern wusste nur, dass sie wie immer in einem breiten französischen Bett lag – mit ihrer Pistole unter dem Kissen, auf dem der Kopf eines Gefährten geruht hätte, wenn sie nicht allein unterwegs gewesen wäre. Das Brummen von Dieselmotoren und die Geräusche von Lkw-Reifen auf Asphalt erinnerten sie daran, dass dies ein Motel in der Nähe der Interstate und dass es ... Montag war.

Mit Leuchtziffern in sanftem Grün verkündete der Radiowecker die schlechte, aber nicht ungewohnte Nachricht, dass es 04:15 Uhr war: zu früh, als dass sie ihre acht Stunden Schlaf bekommen hätte; zu spät, um noch mal einschlafen zu können.

Sie blieb eine Zeit lang liegen und dachte darüber nach, was sie verloren hatte. Sie hatte sich vorgenommen, in Gedanken nicht länger in der bitteren Vergangenheit zu verweilen. Damit beschäftigte sie sich jetzt weniger als früher, was als Fortschritt hätte gelten können, wenn sie nicht in letzter Zeit angefangen hätte, sich auszumalen, was noch alles verloren gehen konnte.

Jane nahm frische Kleidung und ihre Pistole mit ins Bad. Sie schloss die Tür und klemmte den Stuhl, den sie am Vorabend nach dem Einchecken aus dem Zimmer mitgenommen hatte, unter die Klinke.

Das Zimmermädchen hatte so schlampig geputzt, dass in der Ecke über dem Waschbecken ein radförmiges Spinnennetz hing, das größer war als ihre Hand. Als sie gegen 23 Uhr ins Bett gegangen war, hatte in dem Netz nur ein kleiner Nachtfalter gezappelt. Im Verlauf der Nacht war er mit durchsichtigem Körper und mattgrauen, brüchig wirkenden Flügeln zur leeren Hülse eines Falters geworden. Die fette Spinne beobachtete jetzt zwei gefangene Silberfische: spärlichere Kost, auch wenn es nicht lange dauern konnte, bis ein weiterer Leckerbissen in ihre Falle aus klebrigen Fäden geriet.

Das Licht einer Natriumdampflampe ließ die Milchglasscheibe des kleinen Fensters im Bad golden aufleuchten. Es war so winzig, dass nicht mal ein Kind hätte hindurchklettern können. Andererseits hätte es ihr wegen seiner geringen Abmessungen auch nicht als Fluchtweg im Notfall dienen können.

Jane legte ihre Pistole auf den Toilettendeckel und ließ den Plastikvorhang offen, während sie duschte. Das Wasser war heißer, als sie in einem Zweisternemotel erwartet hätte; es lockerte ihre verkrampften Muskeln und steifen Gelenke, aber sie konnte nicht so lange unter der Dusche bleiben, wie sie sich gewünscht hätte.

CHAPTER 2

Ihr Schulterholster bestand aus dem eigentlichen Halfter mit beweglichen Verbindungsstücken, einer Halterung fürs Reservemagazin und verstellbaren Riemen aus Wildleder. So hing die Waffe dicht unter ihrem linken Arm: eine Position, in der sie unter ihren maßgeschneiderten Blazern praktisch unsichtbar war.

Außer dem Reservemagazin am Schulterholster hatte sie zwei weitere Magazine in den Jackentaschen – mit dem in der Waffe steckenden Magazin insgesamt vierzig Schuss.

Allerdings konnte der Tag kommen, an dem vierzig nicht genug waren. Es gab keine Verstärkung, kein Team, das für den Fall, dass alles schiefging, in einem Van hinter der nächsten Straßenecke wartete. Diese Zeiten waren vorerst, wenn nicht sogar endgültig vorbei. Sie konnte sich nicht für einen endlos langen Kampf bewaffnen. Reichten vierzig Schuss nicht aus, würden auch achtzig oder achthundert nicht genügen. Was ihre Fähigkeiten oder ihr Durchhaltevermögen betraf, gab sie sich keinen Illusionen hin.

Sie trug ihre beiden Koffer zu dem Ford Escape hinaus, öffnete die Heckklappe, stellte das Gepäck hinein und sperrte den Wagen ab.

Auf der noch nicht aufgegangenen Sonne musste es einige Eruptionen gegeben haben. Der helle, silbern glänzende Mond im Westen reflektierte so viel Licht, dass seine Krater keine Schatten warfen. Er sah nicht wie ein fester Himmelskörper aus, sondern schien ein Loch im Nachthimmel zu sein, durch das reinweißes, fast bedrohlich wirkendes Licht aus einem anderen Universum einfiel.

Am Empfang gab sie den Zimmerschlüssel zurück. Der Kerl hinter der Theke – kahl rasierter Schädel, Kinnbart – fragte fast so, als interessiere ihn das wirklich, ob alles zu ihrer Zufriedenheit gewesen sei. Sie hätte beinahe Ich schätze, wegen all der Käfer sind viele Ihrer Gäste vermutlich Insektenforscher gesagt. Aber sie wollte nicht, dass er mehr von ihr in Erinnerung behielt als die Vorstellung, sie nackt zu sehen. Sie sagte: »Yeah, bestens«, und ging hinaus.

Beim Einchecken hatte sie das Zimmer bar bezahlt und sich mit einem ihrer gefälschten Führerscheine ausgewiesen. Diesem Ausweis nach hatte soeben Lucy Aimes aus Sacramento das Motel verlassen.

Im Vorfrühling ausgeschlüpfte geflügelte Insekten klickten in den konischen Reflektoren der Deckenlampen der überdachten Passage, und ihre übersteigert spinnenbeinigen Schatten zappelten auf den hell angestrahlten Betonplatten.

Auf ihrem Weg zu dem Diner nebenan, der zu dem Motel gehörte, nahm sie die Überwachungskameras wahr, sah aber nicht hin. Solchen Überwachungen konnte niemand mehr entgehen.

Die einzigen Kameras, die ihr gefährlich werden konnten, waren die auf Flughäfen, Bahnhöfen und an sonstigen Brennpunkten, die mit Computern verbunden waren, auf denen in Echtzeit hochmoderne Software zur Gesichtserkennung lief. Fliegen konnte sie deshalb nicht mehr. Sie fuhr mit dem Auto überallhin.

Als dies alles begonnen hatte, trug sie ihr naturblondes Haar lang. Jetzt war sie eine kurzhaarige Brünette. Veränderungen dieser Art konnten jedoch nicht verhindern, dass man erkannt wurde, wenn nach einem gefahndet wurde. Wenn sie sich nicht fingerdick mit Make-up zuspachteln wollte, was ebenfalls unerwünschte Aufmerksamkeit erregen würde, konnte sie nicht viel tun, um ihre individuellen Gesichtszüge so zu verändern, dass die automatische Gesichtserkennung nicht mehr funktionierte.

CHAPTER 3

Ein Käseomelett aus drei Eiern, eine doppelte Portion Bacon, Würstchen, zusätzliche Butter zum Toast, keine Bratkartoffeln, Kaffee statt Orangensaft. Sie lebte von Proteinen, aber zu viele Kohlenhydrate bewirkten, dass sie sich körperlich und geistig träge fühlte.

Die Bedienung kam, um ihr Kaffee nachzuschenken. Sie war ungefähr dreißig, auf verwelkende Weise hübsch, zu blass und zu mager, als zehre und bleiche das Leben sie von Tag zu Tag mehr aus. »Haben Sie von Philadelphia gehört?«

»Was denn?«

»Irgendwelche Verrückten haben einen Privatjet auf einen vierspurigen Expressway während der Rushhour abstürzen lassen. Im Fernsehen heißt's, die Maschine war vollgetankt. Der Highway brennt fast eine Meile weit, eine Brücke ist eingestürzt, Menschen sind in brennenden Autos und Lastwagen eingeschlossen. Grauenvoll. Wir haben in der Küche einen Fernseher. Kaum auszuhalten. Sie sagen, dass sie's für Gott tun, aber sie haben den Teufel im Leib. Was sollen wir bloß gegen sie unternehmen?«

»Keine Ahnung«, sagte Jane.

»Ich glaube nicht, dass das irgendjemand weiß.«

»Das denke ich auch.«

Die Bedienung ging in die Küche zurück, und Jane aß ihr Frühstück auf. Ließ man sich von den Nachrichten den Appetit verderben, konnte man bald gar nicht mehr essen.

CHAPTER 4

Der schwarze Ford Escape schien die Detroiter Standardausführung zu sein, aber er hatte einige Überraschungen unter der Motorhaube und konnte jeden Streifenwagen mit der Aufschrift DIENEN UND BESCHÜTZEN abhängen.

Den Escape hatte Jane vor zwei Wochen in Nogales, Arizona, direkt gegenüber von Nogales, Mexiko, gegen Barzahlung gekauft. Das in den USA gestohlene Fahrzeug hatte in Mexiko eine neue Fahrgestellnummer und mehr Pferdestärken bekommen und war zum Verkauf in die Staaten zurückgebracht worden. Die Ausstellungsräume des Händlers bestanden aus mehreren Scheunen einer ehemaligen Ranch; er machte keine Werbung, stellte keine Rechnungen aus und zahlte auch keine Steuern. Auf Wunsch lieferte er kanadische Kennzeichen und garantiert echte Papiere der Zulassungsstelle von British Columbia.

Als der Tag anbrach, war sie noch immer in Arizona, raste auf der Interstate 8 nach Westen. Die Nacht wich zögernd dem Tag. Als die Sonne hinter dem Ford langsam über den Horizont aufstieg, wurden die hohen Zirruswolken vor ihr rosa, bevor sie sich korallenrot verfärbten, während der Himmel allmählich immer intensiver blau wurde.

Manchmal hörte sie auf langen Autofahrten gern Musik: Bach, Beethoven, Brahms, Mozart, Chopin, Liszt. An diesem Morgen zog sie Stille vor. In ihrer gegenwärtigen Stimmung hätte selbst die beste Musik misstönend geklungen.

Vierzig Meilen nach dem Sonnenaufgang überquerte Jane die südliche Staatsgrenze Kaliforniens. In der folgenden Stunde verdichteten sich die weißen Schleierwolken, sanken ab und bildeten dann eine geschlossene graue Wolkendecke. Wieder eine Stunde später waren die Wolken düster, dunkelgrau, bedrohlich geworden.

Kurz vor dem Westrand des Cleveland National Forest verließ sie die Interstate bei der Kleinstadt Alpine, in der General Gordon Lambert mit seiner Frau gewohnt hatte. Am Vorabend hatte Jane eine ihrer alten, aber noch immer nützlichen Landkarten konsultiert. Sie wusste, dass sie imstande sein würde, das Haus zu finden.

Bei der Modifizierung des Ford Escape in Mexiko war auch das Navigations-system ausgebaut worden – einschließlich des Transponders, der sonst eine ständige Satellitenortung des Fahrzeugs ermöglicht hätte. Es hatte keinen Zweck, vom Radar zu verschwinden, wenn der Wagen, den man fuhr, ständig über Wi-Fi seine Position meldete.

Obwohl Regen so natürlich war wie Sonnenschein, obwohl die Natur absichtslos funktionierte, erschien Jane der aufziehende Sturm bedrohlich. In letzter Zeit war ihre Liebe zur Natur mehrfach durch den vielleicht irrationalen, aber tief sitzenden Verdacht auf die Probe gestellt worden, Mutter Natur arbeite bei bösen und destruktiven Unternehmen mit der Menschheit zusammen.

CHAPTER 5

Alpine hatte vierzehntausend Einwohner, von denen ein gewisser Prozentsatz an die Macht des Schicksals glaubte. Weniger als dreihundert von ihnen gehörten dem Stamm Viejas der Kumeyaay-Indianer an, die das Viejas-Spielkasino betrieben. Jane hatte kein Interesse an Glücksspiel. Jede Minute ihres Lebens glich einem Würfelspiel, und damit war ihr Bedarf reichlich gedeckt.

Das mit Pinien und Lebenseichen bestandene Geschäftsviertel von Alpine hatte den malerischen Charme einer Siedlung im Grenzland. Manche Gebäude stammten tatsächlich aus der Zeit des Wilden Westens, aber andere, neuere Bauten imitierten diesen Stil mit unterschiedlichem Erfolg. Die vielen Antiquitätengeschäfte, Galerien, Souvenirläden und Restaurants ließen auf einen saisonunabhängigen Tourismus schließen, der älter als das Spielkasino war.

San Diego, die achtgrößte Stadt der USA, war keine dreißig Meilen entfernt und lag gut fünfhundert Meter tiefer. Überall, wo mindestens eine Million Menschen dicht gedrängt lebten, musste an jedem beliebigen Tag ein beachtlicher Prozentsatz das Bedürfnis haben, aus dem Bienenstock an einen weniger geschäftigen Ort zu flüchten.

Am Ortsrand von Alpine stand auf etwa tausend Quadratmetern Grund das weiße Holzhaus der Lamberts mit seinen schwarzen Jalousien von einem Lattenzaun umgeben und mit Korbstühlen auf der Veranda. An einem Fahnenmast in der Nordostecke des Grundstücks waren die Stars and Stripes gehisst, deren rot-weiße Streifen träge in der Brise flatterten, während das Feld mit den fünfzig Sternen sich klar sichtbar von den düster dräuenden Wolken abhob.

Weil die Geschwindigkeit hier auf fünfundzwanzig Meilen begrenzt war, konnte sie langsam daran vorbeirollen, ohne den Anschein zu erwecken, sich auffällig für das Haus zu interessieren. Sie konnte nichts Ungewöhnliches feststellen. Aber wenn sie vermuteten, Jane könnte herkommen, weil ein gemeinsames Schicksal sie mit Gwyneth Lambert verband, würden sie fast bis zur Unsichtbarkeit vorsichtig sein.

Sie kam an vier weiteren Villen vorbei, bevor die schmale Straße als Sackgasse endete. Dort wendete sie und parkte den Escape so, dass sie schnell losfahren konnte.

Die fünf Häuser standen auf einem Hügelrücken mit Blick auf den El-CapitanSee. Jane folgte einem leicht abfallenden Fußweg durch lichten Baumbestand und über eine mit jungem Gras bestandene freie Fläche, die im Hochsommer weizengelb leuchten würde. Am Ufer ging sie nach Süden weiter und blickte über den See hinaus, der friedlich und aufgewühlt zugleich wirkte, weil die dräuenden Wolken sich in seinem Wasser spiegelten. Zwischendurch achtete sie auch auf die Häuser links von sich und sah zu ihnen auf, als bewundere sie jedes einzelne. Ihre Zäune ließen erkennen, dass die Grundstücke knapp unterhalb des Hügelrückens endeten. Nur der weiße Lattenzaun der Lamberts setzte sich zum See hinunter fort.

Sie ging an zwei weiteren Villen vorbei, bevor sie umkehrte und den Hang zu dem weißen Holzhaus hinaufstieg. Die Hintertür im Gartenzaun öffnete sich, als Jane die Klinke herabdrückte.

Sie schloss die Tür hinter sich und sah zu den Fenstern auf, die mit hochgezogenen Jalousien und geöffneten Vorhängen anscheinend möglichst viel von dem grauen Tageslicht einlassen sollten. Sie konnte niemanden erkennen, der über den See hinausblickte oder sie zu beobachten schien.

Umkehren kam nicht mehr infrage, also ging sie den Zaun entlang zur Vorderseite des Hauses. Während die Wolken noch tiefer herabsanken und die Flagge in einer Brise rauschte, die schwach nach dem bevorstehenden Regen oder dem Wasser des Sees roch, stieg sie die Stufen zur Veranda hinauf und klingelte an der Haustür.

Im nächsten Augenblick öffnete ihr eine schlanke, attraktive Frau, die Jane auf Mitte fünfzig schätzte. Zu Jeans trug sie einen Pullover und eine mit Erdbeeren bestickte knielange weiße Schürze.

»Mrs. Lambert?«, fragte Jane.

»Ja?«

»Uns verbindet etwas, worauf ich hoffentlich zurückgreifen kann.«

Gwyneth Lambert zog leicht die Augenbrauen hoch, lächelte schwach.

Jane sagte: »Wir haben beide einen Marine geheiratet.«

»Das verbindet uns allerdings. Was kann ich für Sie tun?«

»Wir sind beide verwitwet. Und ich glaube, dass dieselben Leute die Schuld daran tragen.«

CHAPTER 6

In der Küche roch es nach Orangen. Gwyn Lambert war mit solcher Energie dabei, große Mengen von Orangen-Schokolade-Muffins zu backen, dass man zwangsläufig vermuten konnte, auf diese Weise wehre sie die Trauer ab, die sie nicht an sich heranlassen wollte.

Auf den Arbeitsflächen standen neun Backbleche mit jeweils einem halben Dutzend abgekühlter Muffins, die in Frischhaltefolie darauf warteten, an Freunde und Nachbarn verteilt zu werden. Ein zehntes Blech mit noch warmen Muffins stand auf dem Tisch in der Essnische, während im Backofen sechs weitere Muffins perfekt aufgingen.

Gwyn gehörte zu den imponierenden Meisterköchinnen, die kulinarische Wunder ohne sichtbare Nachwirkungen produzieren. Keine Schüsseln mit Teigresten oder sonstiges Geschirr im Ausguss. Keine Mehlspuren auf den Arbeitsflächen. Keine Krümel auf dem Fußboden.

Jane lehnte einen Muffin dankend ab, nahm aber gern einen starken schwarzen Kaffee. Dann saßen ihre Gastgeberin und sie sich am Küchentisch gegenüber, während aus ihren Bechern träge aromatischer Dampf aufstieg.

»Habe ich richtig verstanden, dass Ihr Nick Lieutenant Colonel war?«, fragte Gwyn.

Jane hatte ihren echten Namen genannt. Das Band zwischen Gwyn und ihr garantierte, dass ihr Besuch geheim blieb. Wenn sie unter diesen Umständen einer Frau, die mit einem Marine verheiratet gewesen war, nicht trauen konnte, durfte sie niemandem trauen.

»Colonel«, stellte Jane richtig. »Er hat den Silver Eagle getragen.«

»Mit zweiunddreißig? Dann waren die Sterne schon zum Greifen nahe.«

Gordon Lambert, Gwyns Ehemann, war Lieutenant General gewesen: drei Sterne, nur einen Dienstgrad unter den ranghöchsten Offizieren des Marine Corps.

Jane sagte: »Nick hatte das Navy Cross, die DDS und eine ganze Brust voll weiterer Orden.« Das Navy Cross rangierte nur eine Stufe unter der Medal of Honor. Nick, der übermäßig bescheiden war, hatte nie über seine Auszeichnungen gesprochen, aber Jane hatte manchmal das Bedürfnis, ein bisschen mit ihm anzugeben, um sich zu vergewissern, dass er gelebt und durch seine Existenz die Welt sicherer gemacht hatte. »Ich habe ihn vor vier Monaten verloren. Wir waren sechs Jahre verheiratet.«

»Schätzchen«, sagte Gwyn, »da müssen Sie blutjung geheiratet haben.«

»Keineswegs. Mit einundzwanzig. Wir haben eine Woche nach meiner Versetzung aus Quantico ins Bureau geheiratet.«

Gwyn wirkte überrascht. »Sie sind beim FBI?«

»Falls ich jemals wieder zurückgehe. Im Augenblick bin ich beurlaubt. Wir haben uns kennengelernt, als Nick zum Combat Development Command in Quantico abkommandiert war. Er hat sich nicht um mich bemüht. Ich musste um ihn werben. Bei mir war's Liebe auf den ersten Blick, und ich kann verdammt stur sein, wenn ich etwas haben will.« Sie war überrascht, als ihr Herz sich verkrampfte und ihre Stimme stockte. »Diese vier Monate kommen mir manchmal wie vier Jahre vor ... und dann wieder wie vier Stunden.« Sie bedauerte ihre Gedankenlosigkeit sofort. »Verdammt, das tut mir leid. Ihr Verlust ist frischer als meiner.«

(Continues…)



Excerpted from "Suizid"
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