Und jetzt auch noch Liebe: Roman

Und jetzt auch noch Liebe: Roman

NOOK Book1. Auflage (eBook - 1. Auflage)

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Overview

Gibt es einen falschen Zeitpunkt für den Richtigen? Emma träumt von der Liebe, aber als sie von ihrem langjährigen Problemfreund Ned schwanger wird, erkennt sie, dass man mit ihm lieber keine Familie gründen sollte. Also hakt sie den Traum vom Glück zu dritt ab. Ausgerechnet jetzt läuft ihr der Mann ihres Lebens über den Weg. Dumm nur, dass der eine andere heiraten will. Und sie das Kind eines anderen erwartet. Und ihren Job verloren und eine dysfunktionale Familie hat. Sie kann sich jetzt nicht auch noch um Liebe kümmern. Aber wie soll man Leben schenken, wenn man selbst gerade das Gefühl hat, dass es einem genommen wird? Und der Termin der Geburt rückt näher, ob es ihr gefällt oder nicht, und wenn alles schiefläuft, hat man Träume doch am Allernötigsten...

Product Details

ISBN-13: 9783841213990
Publisher: Aufbau Digital
Publication date: 08/18/2017
Sold by: Libreka GmbH
Format: NOOK Book
Pages: 464
File size: 4 MB

About the Author

Catherine Bennetto wurde in Neuseeland geboren und ging nach England, um von Design bis Biomedizinische Wissenschaften alles Mögliche zu studieren und als Regieassistentin beim Film zu arbeiten. Mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Jungen ist sie überall auf der Welt zu Hause, zurzeit in den Weinanbaugebieten Südafrikas. Mehr Informationen zur Autorin unter www.catherinebennetto.com
Teja Schwaner, Studium in Hamburg, Frankfurt und London. Arbeitete als Musik- und Filmjournalist.Übertrug neben Hunter S. Thompson Daniel Woodrell und Daniel Friedmann ins Deutsche.
Iris Hansen lebt nach Aufenthalten in Kanada und Spanien als Übersetzerin in Hamburg.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

»UND CUT! WO BLEIBT PRÜGELPROSTITUIERTE NUMMER 3?«

Ich schoss in die Senkrechte und schnappte mir das Sprechfunkgerät vom Schreibtisch, den Finger zögernd über der Sendetaste. Prügelprostituierte Nummer 3? Prügelprostituierte Nummer 3? Ist denn heute Prostituierten-Tag? Ich dachte, es sei Autounfall-Tag?

»Quentin an Emma«, tönte es wieder knarzend aus dem Funkgerät. »Bitte Prügelprostituierte Nummer 3 zum Set bringen.« Ohne die flehentliche Bitte zu beachten, blätterte ich durch einen überquellenden Aktenordner und warf einen Blick auf die Buchungsliste für Komparsen. Verletzter Zuhälter Nummer 1, Verletzter Zuhälter Nummer 2, Junge mit Beinbruch, drei Krankenschwestern, zwei Ärzte, ein Pförtner und ein Rebhuhn in einem Birnbaum, okay, kein Rebhuhn. Aber auch keine Prügelprostituierte Nummer 3.

»O nein.«

Ich sah die beiden Kollegen an, mit denen ich mir das Büro teilte: Sophie, die kurzhaarige Sechsundzwanzigjährige aus Somerset, deren Eltern eine Käserei betrieben, und Douglas, der mit siebenundzwanzig, allmählich schütter werdendem Haar und Nickelbrille wie ein verirrter Buchhalter wirkte. Wie er in die abgründige Welt der Produktion zweitklassiger Krankenhausserien gelangt war, entzog sich meiner Vorstellungskraft.

Sophie sah mich aus rotgeränderten Augen an. »Du hast vergessen, sie zu buchen?«

Ich nickte.

Wenn Prügelprostituierte Nummer 3 in der Notaufnahme nicht zu weinen anfing, konnte unsere Hauptdarstellerin (eine knackige Zweiundzwanzigjährige, schon als Kind erfolgreiche Turnierreiterin, die trotz ihrer Körpergröße von einem Meter siebenundzwanzig auf alle Menschen von oben herabblickte) Prügelprostituierte Nummer 3 nicht besänftigen und ihre qualvollen Schluchzer nicht zum Verstummen bringen. Und wenn der männliche Hauptdarsteller (ein solariumgegrillter Blödmann mit nur zwei Gehirnzellen, von denen er eine leider immer zu Hause ließ) nicht erlebte, wie Prügelprostituierte Nummer 3 getröstet wurde, konnte er sich nicht in die kleine Pferdenärrin verlieben, und wir konnten die Szene nicht drehen.

»QUENTIN AN EMMA, HÖRST DU MICH?«

»Mi-hist.« Mit flehendem Blick zu Sophie hob ich mein Sprechfunkgerät und drückte die Sendetaste. »Ja, tut mir leid, Quentin. Also ... wir brauchen noch fünf Minuten mit der Prostituierten. Over.« Sophie schüttelte den Kopf, so dass ihr winziger diamantener Nasenstecker im Licht der Neonröhren an der Decke aufblitzte.

»Bitte, Sophie, ich beschwöre dich!« Ich stand vor ihrem mit Aktenmappen überladenen Schreibtisch.

»Tut mir leid, Emma. Kommt nicht in Frage.« Sie nahm einen unordentlichen Stapel Terminnotizen zur Hand. »Ich hab neue Drehbücher; eine Terminplanung, die ohnehin nicht realistisch ist, und dann hat auch noch der Erste Regieassistent den gesamten Drehplan für morgen umgestellt, so dass ich vierzig Amputierte aufs Neue buchen muss und bei Uber nicht genügend behindertengerechte Wagen kriege. Ich hab sie schon so weit, dass sie mehrere auf einmal transportieren würden, aber die ohne Arme können ja keine Rollstühle schieben, oder? Und ...«

»Ach, komm ...« Ich schlug die Hände zusammen. »Letzte Woche hab ich für dich doch auch die Autoaggressive gespielt.«

»Muss die Prostituierte unbedingt eine Frau sein?« Douglas schob die Brille auf die Stirn und bot seine Dienste an.

Unsere Freundschaft wurde an jenem Tag besiegelt, als wir beide vor sechs Jahren bei der Serie anfingen und feststellen mussten, dass es nirgends vernünftigen Kaffee gab. Seither brachte er mir jeden Morgen einen Costa Coffee mit.

»Könnte ich nicht einspringen? Ich habe meine Arbeit so gut wie erledigt, und ich ...«

»Danke, Douglas. Aber wir brauchen definitiv eine Frau. Eine äußerst ramponierte Frau, die ordentlich was auf die Mütze bekommen hat und deswegen außer sich ist.« Ich warf Sophie einen bedeutsamen Blick zu, die inzwischen ein paar Zettel in der Hand hielt und telefonierte.

»Sophie am Apparat. – Okay, haben Sie keine Beine oder keine Arme?«

»Quentin an Emma.« Die Stimme aus dem Funkgerät klang nicht fröhlich. »Bringt mir sofort diese Tussi her.«

»Was für ein Arsch.« Ich drückte die Sendetaste. »Ist schon auf dem Weg.«

*
Es war bereits nach halb zehn, als ich die Eingangstür meiner dunklen Wohnung in Tooting öffnete. Mein Job beim Fernsehen sollte mir eigentlich exotische Schauplätze, inspirierende Geschichten und ein so gutes Einkommen bieten, dass die Salami von Waitrose für mich erschwinglich wäre. Ich war ausersehen, eine wesentliche Rolle in der Avantgarde britischer Filmkunst zu spielen, dessen war ich mir sicher. Gebührte es mir etwa nicht, in eine von angenehmen Düften geschwängerte Wohnung heimzukehren, in der eine Perserkatze wartete, die ihres eigenen Werbespots für Fleisch in Gelee würdig war und sich bereits die Schwuchtelpfoten danach leckte? Stattdessen war ich nur ein ganz normales kleines Rädchen und arbeitete in einem gedrungenen Backsteingebäude aus den Siebzigern, das garantiert von jemandem entworfen worden war, der mit der Wiedereinführung der Fenstersteuer rechnete. In meiner Wohnung roch es nach nichts Besserem als Abwasser, einem schmutzigen Kühlschrank und Tomatensoße von vorgestern. Ich stieg über ein Paar halb zerfetzte Skate-Schuhe und lud meine Tasche zwischen die Stapel von Hochglanzflyern ab, die für Zwei Pizzas essen, eine bezahlen und billige Telefonverbindungen nach Polen Werbung machten. Mit ihren feuchten Wänden und geräuschvollen Heizkörpern war unsere Wohnung ein Parterreloch, das mein Freund Ned gefunden und angesichts meiner offensichtlichen Verzweiflung mit dem Ausruf »Aber die Küche hat Teppichboden!« angepriesen hatte, als sei das etwas besonders Erstrebenswertes. Wir konnten uns eines gut besuchten Puffs im Nachbarhaus erfreuen, und direkt neben uns hauste ein Paar, das sich voller Hingabe gegenseitig versohlte – beim Geschlechtsakt oder wann auch immer und obendrein ungeniert laut. Die Huren waren ganz nett, wenn auch ein wenig abgetakelt, aber die Versohler nagelten ständig zu nachtschlafender Zeit irgendwelche Sachen an die andere Seite unserer Schlafzimmerwand. Vielleicht auch einander.

»Ned?«, rief ich.

»Hier drinnen«, erwiderte eine gedämpfte Stimme aus dem Schlafzimmer.

Ned saß in der Ecke an seinem Computer. Hingekritzelte Notizen lagen verstreut auf dem nicht gemachten Bett.

»Hey, Babe!« Er sprang von seinem Stuhl auf und hätte mich mit seiner ungestümen Umarmung beinahe zerquetscht. Seine Bartstoppeln schmirgelten mir die Wangen. »Wie war dein Tag?«

»Ach, du weißt schon. Wie immer.« Ich blickte auf seinen Computerschirm, auf dem eine nicht sonderlich originelle Sammlung von Motivationszitaten zum Start einer gigantisch erfolgreichen, aber noch nicht näher spezifizierten geschäftlichen Unternehmung prangte, und dann auf einen Haufen schmutziger Wäsche auf dem Fußboden. »Heute viel geschafft?«

»Recherche«, sagte Ned. Sein Handy bimmelte. Er tobte durchs Zimmer, grinste über die Nachricht und machte sich sofort daran, zu antworten.

Ich ging in die Küche und musste feststellen, dass sich dort weder Essbares noch Trinkbares finden ließ und man am Fußboden inzwischen kleben blieb. Ich verscheuchte jeden Impuls zu hausfraulicher Betätigung, ließ mich aufs Sofa fallen und schaltete den Fernseher ein, um mir eine alte Episode Friends reinzuziehen. Nach ein paar Minuten kam Ned ins Wohnzimmer. Die Jeans schlackerten an seinem Klapperskelett, und eine seiner nicht zusammenpassenden Socken war durchlöchert. Bei näherer Inspektion stellte sich heraus, dass die Lochsocke mir gehörte.

»Hast du was zu essen besorgt?« Er ließ sich aufs Sofa plumpsen und legte mir den Arm um die Schulter.

Diese Gesprächseröffnung machte mich fassungslos. Wieder einmal kam es mir vor, als habe er meine Existenz erst wahrgenommen, als ich an diesem Abend zur Tür hereingekommen war.

»Ob ich was zu essen besorgt habe?« Mir schwoll der Kamm.

»Na ja ...« Er blinzelte. »Du kommst doch auf dem Weg nach Hause am Laden vorbei, und daher dachte ich, weißt du ...«

»Ob ich fürs Abendessen eingekauft habe?«

Ned sah mich von der Seite an. »Ähm ...«

»Ich? Die ich heute Morgen um halb sieben aus dem Haus gegangen bin, während du weiß Gott wie lange im Bett geblieben bist und dir den Hintern gekratzt hast?«

Ned hörte sofort auf, eben dieses zu tun.

»Ich? Die ich den gesamten Nachmittag als verprügelte Prostituierte verkleidet herumlaufen musste, weil ein Schauspieler im Verkehr stecken geblieben war, ein anderer ›Continuity-Probleme mit seiner Frisur‹ hatte und ein dritter dann auch noch glutenfreie Pizza mit lactosefreiem Käse verlangte, bevor er an die Arbeit gehen wollte. Und die ganze Zeit hatte ich keine Gelegenheit, mich umzuziehen.« »Ich könnte uns ein paar Bohnen warm machen ...?«

»Ich? Die zum Feierabend vergessen hatte, die Verkleidung als vermöbelte Nutte loszuwerden« – ich wedelte hektisch mit dem Finger vor meinem Gesicht – »und die auf der Straße von einer Frau angesprochen wurde, ob alles okay sei oder sie die Polizei rufen sollte? Die deswegen noch einmal zum Studio zurückrennen musste? Ob ich etwas zu essen besorgt habe?« Mein linkes Auge zuckte, als sich Ross und Rachel auf dem Bildschirm küssten.

»Da ist noch immer was ...« Ned deutete zaghaft mit dem Finger auf meine Nasengegend. »Da hast du immer noch ein bisschen ...«

*
Im trüben Lichtschein einer nackten Glühbirne ließ ich mir Badewasser ein. In der Küche schepperte ein Topf zu Boden, und Ned jaulte auf. Sollte er tatsächlich versuchen, ein Abendessen für uns zu machen, würde er mit der abgelaufenen Hühnerbrühe und einer sehr fragwürdigen Tomate mächtig zaubern müssen. Oder war es ein fragwürdiger Apfel, der noch sein einsames Dasein im Kühlschrank fristete? Ich ließ mich in die Wanne gleiten und schloss die Augen. Ned und ich waren seit meinem sechsundzwanzigsten Geburtstag zusammen, als ich auf dem Weg von einer Bar zur anderen war, alle meine Freunde aus den Augen verloren hatte, über die eigenen Füße stolperte und wie ein Häufchen Unglück neben einem Typen landete, der in einem Hauseingang saß und eine Tüte Chips futterte. Ned Dixie. Er gab mir von den Chips ab und spendierte mir ein Geburtstag-Kebab, das ich am nächsten Morgen in meiner Handtasche wiederfand und zum Frühstück mampfte. Ned hatte mich an jenem Abend in meine Wohnung begleitet, und ich war die ganze wilde Nacht nicht aus dem Lachen über seine Imitationen von John Cleese als Basil Fawlty herausgekommen. Sein Rotfuchshaar reckte sich in jedem erdenklichen Winkel spitz in die Höhe, und auf seiner Nase tummelte sich eine kleine Schar Sommersprossen. Wie sehr ich Rotfüchse liebte. Man denke nur an Kenneth Branagh, Eric Stoltz in seiner Glanzzeit so ungefähr um 1985 und natürlich den aus Homeland. Nie wollte mir sein Name einfallen. Geht's etwa nur mir so? Jedenfalls hatte Ned rotes Haar, ausdrucksvolle Augenbrauen und ein verruchtes Grinsen. Ich fand ihn sexy. Und er war so kreativ und erkannte in den alltäglichsten Dingen Potential für die eine, die bahnbrechende Geschäftsidee, die sein Leben für alle Zeit ändern würde. Wie etwa Hygienegeländer: Treppengeländer, an denen man sich die Hände desinfizierte, wenn man sich an ihnen entlanghangelte; Loven, der Lunch-Ofen: eine Lunchbox, die Pasteten backte; Furzfüm: Luftkissen, die man in der Gesäßtasche trug und über einen diskret angebrachten Knopf in der Hosentasche aktivierte, wenn man versehentlich in der Öffentlichkeit gefurzt hatte, damit sie parfümierte Luft entweichen ließen und die peinliche Ausdünstung neutralisierten. Aber ja doch, Ned hatte Ideen.

Innerhalb weniger Wochen waren wir zum liebestrunkenen Paar mutiert und sahen uns nach einer gemeinsamen Wohnung um. Er war ein ewig aufgekratztes, übermütiges, unrealistisches und ausgelassenes Bündel tollpatschig chaotischer Verliebtheit. Und ich war total verrückt nach ihm. Einmal war ich arbeiten, geplagt von einem paralysierenden Kater (jener Art, bei der einem der kalte Schweiß den Nacken hinunterrinnt und man fast in Ohnmacht fällt, wenn man auch nur die Augen bewegt), als ich die Nachricht erhielt, Ned sei mit einem üblen Beinbruch ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ich hastete aus dem Studio und verfluchte meinen Freund dafür, dass er dem kleinen alten Mann drei Türen weiter versprochen hatte, dessen Satellitenschüssel zu reparieren. Ich hatte kaum das Studio verlassen und kämpfte noch mit dem Drang, Tequila pur auszuspeien, als ich ihn erblickte, grinsend, mit einer Schinken-und-Ei-Monsterstulle und zwei funktionstüchtigen Beinen: Ned.

»Dachte mir, du könntest einen Tag blaumachen«, sagte er und bot mir seinen freien Arm. Dankbar verkrümelte ich mich in seine Umarmung. Wir fuhren mit der U-Bahn nach Hause, und Ned verbrachte den restlichen Tag damit, meine Katerkrankenschwester zu spielen. Er streichelte mein Haar, machte mir auf dem Sofa ein Bett und sah mit mir zusammen zum 1217ten Mal Die Braut des Prinzen. Zusammengerollt auf dem Sofa, umschlungen vom Arm eines Mannes, der mit wachsendem Vergnügen »Mein Name ist Inigo Montoya. Du hast meinen Vater getötet. Jetzt bist du des Todes!« wiederholte, und das mit einem spanischen Akzent, der eher nach der China-Oma im Schnellimbiss klang. Und er gab nicht auf, bis seine Freundin ihren Kater mit anhaltenden Kicherkrämpfen verscheucht hatte. Unsere Stimmung trübte sich etwas, als wir Schien- und Wadenbeinbruch googelten (womit er in der Telefonzentrale aufgetrumpft hatte) und einsehen mussten, dass Ned zu meiner Betriebsfeier in zwei Wochen seine angebliche Verletzung unter einer Orthese verstecken müsste, die wir hoffentlich günstig unter den Kleinanzeigen bei eBay finden könnten. Überdies ließ er sich eine raffinierte Geschichte einfallen, in der ein ungesichertes Baugerüst, ein verirrtes Vögelchen und eine der ansehnlicheren Prostituierten von nebenan vorkamen.

Er belegte online einen Businesslehrgang und verkündete, er werde mit unternehmerischen Initiativen der einen oder anderen Art ganz groß herauskommen. In New York. Wir sahen uns online Apartments in Brooklyn an, nahmen diverse Rassen wohnungstauglicher Hunde in Augenschein und träumten davon, dass ich an einem Film der Gebrüder Weinstein mitarbeiten würde. Ich hatte mich schrittweise von Teeköchin/Papierkorbausleererin zur Zweiten Regieassistentin emporgearbeitet und damit begonnen regelmäßig etwas beiseitezulegen. Dann schmiss Ned seinen Lehrgang. Und keine seiner Erfindungen brachte es weiter als bis zum Stadium Notizgekritzel-auf-der-Rückseite-der-Wasserrechnung. Meine NewYork-Träume lösten sich zusehends in Luft auf, und bisher hatte ich keinen Ersatz für sie gefunden.

»Babe?« Ned klopfte an die Tür. »Babe, kommst du raus? Ich hab was für dich.« Als er mich das letzte Mal mit diesen Worten aus dem Bad gelockt hatte, mussten meine Augen nach dem Öffnen der Tür sehen, dass er sich die Vorhaut über den Bund seiner Jeans gezogen hatte, sie seine getrocknete Aprikose nannte und sich darüber amüsierte wie ein Schuljunge. Ich holte tief Luft, wickelte mich in ein heizkörpergewärmtes Handtuch und öffnete die Tür. Feixend stand er da.

»Folgen Sie mir bitte, gnädige Frau.« Er bot mir den Arm und führte mich ins Wohnzimmer. Über dem Teppich hatte er eine Decke ausgebreitet, auf der in nicht zusammenpassenden Töpfen und beschädigten Tellern ein Picknick angerichtet war. Auf dem Couchtisch hatte er Kerzen angezündet, deren Wachs sich tropfend ausbreitete.

»Madame, heute hätten wir anzubieten ...« Ned hob den Deckel einer alten beigefarbenen Schüssel. » ... junge Erbsen in Minzsoße.« Er lüftete die Serviette über einer kleinen Konservendose. »Thunfisch in Quellwasser – für die Dame selbstverständlich delphinfreundlich gefangen – serviert mit Crackern von Huntley and Palmers.« Er nahm einen Cracker und verbog ihn, ohne dass er brach. »Nicht mehr ganz frisch, aber sehr bekömmlich.« Er wies auf den Tomatenapfel, der auf einem braunen Teller schlaff vor sich hin vegetierte. »Und was das dort ist, weiß ich leider nicht.« Ned setzte ein hoffnungsfrohes Lächeln auf, und ich spürte meine Widerborstigkeit dahinschwinden.

Er rückte näher und zog mich zu einem Kuss an sich. Ned mochte seine Bankkarte (auf deren Rückseite die Pin-Nummer notiert war) letztes Jahr zweimal in der U-Bahn vergessen haben, und vielleicht war er häufiger, als es für normale Menschen nachvollziehbar war, mit dem Auto zum Einkaufen gefahren und dann mit dem Bus wieder nach Hause gekommen. Außerdem hatte er für die feine Gesellschaft möglicherweise zu viele Sommersprossen und zu rote Haare. Doch ein prima Küsser, das war er zweifellos. Ich ließ mein Handtuch fallen. In meinem Bauch starteten die Schmetterlinge, als seine Lippen von meinem Mund abließen, hinunter über meine Brüste wanderten, an meinem Bauchnabel vorbei und schließlich ...

(Continues…)



Excerpted from "Und Jetzt Auch Noch Liebe"
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Copyright © 2016 Catherine Bennetto.
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