Der Totensucher: Thriller

Der Totensucher: Thriller

by Chris Karlden

NOOK Book1. Auflage (eBook - 1. Auflage)

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Product Details

ISBN-13: 9783841214010
Publisher: Aufbau Digital
Publication date: 08/18/2017
Sold by: Libreka GmbH
Format: NOOK Book
Pages: 400
File size: 4 MB

About the Author

Chris Karlden, Jahrgang 1971, hat Rechtswissenschaften studiert und arbeitet derzeit als Jurist in der Gesundheitsbranche. Er lebt mit seiner Familie im Südwesten Deutschlands. Sein erster Psychothriller »Monströs« war bereits ein großer Erfolg. Mehr zum Autor unter www.chriskarlden.de

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Die Standstrahler der Spurensicherung tauchten die nähere Umgebung des Tatortes in gleißend helles Licht. Weitere vereinzelt aufgestellte Scheinwerfer beleuchteten den Rest der stillgelegten Fabrikhalle und projizierten hier und da die Schatten von Polizeibeamten und schweren Maschinen in monströser Größe an die verschmutzten Backsteinwände. Speer und Bogner blieben in der Zugluft des offenen Hallentors stehen. Vor ihnen, in etwa fünfzig Metern Entfernung, hing die Leiche eines Mannes kopfüber in der Luft.

»Du meine Güte. Das ist definitiv mal was anderes als einfach nur erschlagen, erstochen oder erschossen«, sagte Robert Bogner und kaute auf seinem Kaugummi herum. »Das Schwein, das dafür verantwortlich ist, hat sich richtig ins Zeug gelegt.«

Kriminalhauptkommissar Adrian Speer ließ seinen Blick durch die Halle schweifen. Der Boden war von einem Gemisch aus Sand und Kohlestaub bedeckt und die Fensterscheiben von Ruß überzogen. Im unteren Bereich war das Mauerwerk mit bunten Schmierereien besprüht. Davor lagen leere Wein- und Schnapsflaschen, zwei aufgerissene und verdreckte Matratzen sowie jede Menge Müll. Das für Ende November typische nasskalte Wetter passte zu der bedrückenden Stimmung in der Halle. Alle Farben schienen durch Grautöne unterschiedlicher Schattierungen ersetzt worden zu sein, und obwohl es erst halb fünf am Nachmittag war, verdunkelte sich der Himmel bereits zusehends. Nachdem er vor einer Woche nach über einem halben Jahr in den Dienst hatte zurückkehren dürfen, war Speer froh, wieder zu etwas nutze zu sein. Auch wenn das bedeutete, in einer heruntergekommenen Fabrikhalle ein grausam zugerichtetes Mordopfer in Augenschein zu nehmen. Die tiefen Schuldgefühle, seine alles überschattende Trauer und das zerreißende Gefühl der Ungewissheit über Lucys Schicksal wurden dadurch, dass seine Suspendierung aufgehoben worden war, nicht besser, das würde vermutlich niemals geschehen, und das wollte er auch gar nicht. Aber seine Tätigkeit in der neu gegründeten Mordkommission war eine Ablenkung, die er dringend brauchte, um nicht wahnsinnig zu werden bei den ständigen Überlegungen darüber, was geschehen war und was hätte sein können.

Als Speer und Bogner zu dem Toten gingen, kam ihnen auf halber Strecke einer der Kollegen vom Kriminaldauerdienst entgegen, die den Tatort als Erste betreten und gesichert hatten. Als der Mann keuchend bei ihnen ankam, nickte er Bogner, mit dem er schon bekannt zu sein schien, zu und gab Adrian Speer die Hand. Er stellte sich ihm als Oberkommissar Lauer vor. Lauer war schon etwas mehr als nur korpulent, trippelte in seinem braunen zerknitterten Anzug von einem Fuß auf den anderen und schlang die Arme um sich.

»Mir ist scheißkalt. Hab meinen Mantel zu Hause vergessen. Ich muss jetzt gleich schnellstmöglich irgendwohin, wo es warm ist, sonst hab ich morgen 'ne fette Erkältung.«

»Was wissen wir bis jetzt?«, fragte Bogner.

Lauer hielt die Hände vor den Mund und blies hinein, als ob er sich so etwas wärmen könnte.

»Zwei Jungen im Alter von zwölf und dreizehn Jahren haben den Toten gefunden«, sagte er und machte eine kurze Pause, um zu verschnaufen. »Der Mann heißt Horst Rokov und ist sechsundsechzig Jahre alt. Die Geldbörse mit jeder Menge Barem, Kreditkarten und Personalausweis steckte noch in seinem Jackett. Sieht also nicht nach einem Raubmord aus. Das Opfer wohnte in Dahlem und war verheiratet, so viel haben wir schon ermittelt.«

Bei dem Namen Rokov wurde Adrian Speer hellhörig. Er wusste, wer das war, seine Kollegen aber offensichtlich noch nicht.

»Sieht mir hier nicht gerade nach einem Kinderspielplatz aus«, sagte Bogner.

»Nein, eher nach einem Rückzugsort für Junkies, Rumtreiber und Obdachlose.« Lauer zeigte in die linke hintere Ecke der Halle. »Dahinten gibt es ein Loch in der Außenwand. Die beiden Jungs sind da für eine Mutprobe reingeklettert.«

»Scheiße«, sagte Bogner und kniff die Augen zusammen.

»Das kann man laut sagen. Die Kinder sind völlig aufgelöst nach Hause gelaufen, und die Eltern haben dann die Polizei verständigt.«

Der Rest war bekannt. Zwei Streifenpolizisten hatten sich vor Ort ein Bild gemacht und dann den Kriminaldauerdienst informiert. Der wiederum hatte Staatsanwaltschaft, Spurensicherung und Gerichtsmedizin eingeschaltet und die erste Sicherung und Befunderhebung am Tatort übernommen. Nachdem die ersten Informationen beim LKA Berlin eingegangen waren, hatte die Leiterin des Dezernats für Tötungsdelikte, Kriminalrätin Fernanda Gomez, den Fall der neu gegründeten achten Mordkommission übertragen, mit Bogner als erstem Kriminalhauptkommissar an der Spitze und Speer als dessen Stellvertreter. Neben den beiden gehörte zurzeit nur noch die im Innendienst tätige junge Oberkommissarin Tina Jeschke zum Team. Die neue Mordkommission Acht war für ungelöste Fälle und besonders grausame Verbrechen zuständig, und in letztgenannte Kategorie fiel eindeutig dieser Mord.

»Beide Jungen stehen unter Schock und werden psychologisch betreut«, beendete Lauer seine Ausführungen.

Vermutlich würden die Kinder das Bild des toten Mannes nie wieder ganz aus ihren Köpfen bekommen, dachte Speer. Genauso wenig wie er das Wimmern und Flehen seiner Tochter am Telefon, kurz bevor sie entführt worden war, nicht abschalten konnte, und es erklang mehrmals täglich unvermittelt in seinen Ohren, als wenn es erst soeben geschehen wäre. Dabei waren seitdem zwei Jahre vergangen, und es hatte in all der Zeit kein Lebenszeichen von Lucy gegeben. Die Hoffnung, dass seine Tochter am Leben war, hatte er nie aufgegeben, jedoch war sie kaum noch mehr als ein glühender Funke in einem Ascheberg. Jedes Mal, wenn er hörte, dass einem anderen Kind etwas Schreckliches zugestoßen war, katapultierten ihn seine Erinnerungen zurück in jene Nacht, in der Lucy verschwunden war. Er hätte sie niemals allein lassen dürfen, und unter normalen Umständen hätte er das auch nicht getan. Wie allein musste sie sich gefühlt haben, als die Entführer in die Wohnung einbrachen und in ihr Zimmer kamen, in ihr Reich, das sie bis dahin für den sichersten Ort der Erde gehalten hatte. Sein Atem ging wie immer schwer, wenn er daran dachte, welche Angst sein Kind empfunden haben musste. Sein Puls beschleunigte sich, das Herz schlug ihm dumpf pochend gegen die Brust, und sein Hals schnürte sich zu. Eine Panikattacke bahnte sich an, und er wusste, er musste aufhören, an die Entführung zu denken. Er hatte immer geglaubt, seine Kinder vor allem Übel dieser Welt beschützen zu können, dass er ihnen die Voraussetzungen für ein glückliches Leben schaffen konnte. Doch er hatte versagt. Es war seine Schuld, er hatte seine kleine Tochter schutzlos dem Bösen überlassen.

»Sonst noch was?«, fragte Bogner und riss ihn aus seinen Gedanken.

Lauer räusperte sich.

»Wir haben einen Schlüssel für einen Mercedes im Jackett des Opfers gefunden. Das passende Auto fehlt, ebenso wie das Messer, das der Täter benutzt haben muss. Aber Näheres zu Tathergang und Todeseintritt erzählt Ihnen dann gleich noch der Doc.«

Lauer nickte in Richtung der Leiche, vor der nun mit dem Rücken zu ihnen ein Mann mit weißen Haaren stand und Untersuchungen anstellte.

»Gibt es Zeugen?«, fragte Bogner, als Lauer ihn wieder ansah.

Lauer schüttelte den Kopf. »Bis jetzt nicht.«

»Okay, dann übernehmen wir jetzt.«

»Bestens«, sagte Lauer und schnaubte. »Bin froh, dass ich den Fall nicht an der Backe habe. So einen kranken Scheiß hab ich noch nie gesehen.« Er hob zum Abschiedsgruß zwei gestreckte Finger an die Schläfe und ging kopfschüttelnd an ihnen vorbei Richtung Ausgang.

»Was für eine Sauerei!«, sagte Robert Bogner und stieß einen tiefen Seufzer aus, als er mit Speer vor dem Flatterband ankam, mit dem der nähere Bereich um die Leiche herum abgesperrt war.

Auch jetzt, einige Stunden nachdem der Tote gefunden worden war, herrschte am Tatort noch rege Geschäftigkeit. Vier Polizisten in Uniform durchsuchten die Halle nach einer Tatwaffe und Spuren. Vor der Halle durchkämmte ein Dutzend weiterer Streifenpolizisten das zugehörige Außengelände.

Einer aus dem Team der Spurensicherung, das durch seine weißen Einwegoveralls gut zu erkennen war, machte Fotos von den in der Halle verstreuten und mit Nummern versehenen möglichen Beweisstücken. Seine Kollegen waren damit beschäftigt, Fingerabdrücke und Fasern sicherzustellen. Vermutlich würde ihre Arbeit noch ein paar Tage andauern.

»Sieht wie eine Hinrichtung aus«, sagte Speer.

»Nur, dass der Strick nicht um den Hals, sondern um die Fußgelenke liegt«, feixte Bogner.

Der um die ein Meter achtzig große und stämmige Tote hing an einem altertümlichen, per Handkurbel betriebenen Lastenkran und schwebte kopfüber etwa einen Meter über dem Boden. Die Hände des Mannes waren mit Kabelbinder hinter dem Rücken zusammengebunden. Ein Seil war um seine Stirn geschlungen und an den Enden mit dem Kabelbinder an den Handgelenken verknotet, so dass der Kopf in den Nacken gezogen und fixiert war. Speer ging in die Knie und sah sich das Gesicht des Toten genauer an. Der Mund des Mannes wurde durch einen seitlich herausragenden Metallgegenstand mit scherenartigen Griffen offen gehalten, wodurch sein Gesicht zu einer angstverzerrten Grimasse entstellt wurde. Aus der Mundhöhle ragte Stroh, das man kaum noch als solches erkennen konnte, da es von Blut durchtränkt war, das in großen Mengen aus der Mundhöhle nach unten geflossen sein musste. Der Tote war nackt. Seine Kleidung und die Schuhe lagen ein paar Meter neben der Blutlache, die sich unter seinem Körper ausgebreitet hatte.

»Muss ein verdammter Irrer gewesen sein, der das getan hat«, sagte Robert Bogner und kaute hektisch auf seinem Kaugummi herum.

»Ich kenne den Mann«, sagte Speer und zog damit Bogners erstaunten Blick auf sich.

»Vor etwa einem Jahrzehnt war Rokov eine Kiezgröße. Trotz intensiver Ermittlungen ist es uns nie gelungen, ihn wegen seiner Drogengeschäfte hinter Gitter zu bringen.«

Bogner hörte kurz auf, seinen Kaugummi zu malträtieren und kaute dann langsamer weiter. Er stemmte seine Hände in die Hüfte und besah sich den Toten noch einmal genauer.

»Wenn das Opfer aus dem Milieu kommt, liegt die Vermutung nahe, dass der Mord was damit zu tun hat. Das Stroh im Mund deutet darauf hin, dass ihm jemand das Maul stopfen wollte. Vielleicht hat er etwas ausgeplaudert, was er nicht sollte. Ist es möglich, dass er mit der Polizei zusammengearbeitet hat und aufgeflogen ist?«

»Das kann ich mir zwar nicht vorstellen«, sagte Speer, »lässt sich aber leicht nachprüfen.« Er zog ein kleines schwarzes Büchlein und einen Bleistift aus der Innentasche seiner Lederjacke und machte sich eine entsprechende Notiz.

»Rokov muss gelebt haben, als er mit dem Kran nach oben gezogen wurde«, sagte er dann.

»Warum so sicher?«

»Der Mann sollte offensichtlich gedemütigt werden, deshalb musste er sich vorher ausziehen. Der ganze Aufwand macht keinen Sinn, wenn Rokov vorher schon tot war.«

»Das klingt plausibel«, sagte Bogner und fügte seine eigenen Überlegungen hinzu. »Danach hat der Mörder den Kopf des Opfers fixiert und es gezwungen, dieses Ding zwischen die Zähne zu nehmen und ihm anschließend Verletzungen im Mund zugefügt. Äußerlich sind ja keine Wunden zu erkennen, von denen dieses ganze Blut sonst stammen könnte.«

Der ältere Mann mit den schlohweißen Haaren, den Lauer eben Doc genannt hatte, kam jetzt auf sie zu. Er hatte seinen weißen Overall schon ausgezogen und wirkte mit seinem dunkelblauen Anzug und der roten Fliege zu festlich für diesen Ort. Auf seiner Nase trug er eine eckige Brille, die ebenso wie sein sauber rasiertes Gesicht zu seinem vornehmen Äußeren passte. Er reichte zuerst Bogner und dann Speer die Hand.

»Darf ich vorstellen«, sagte Bogner. »Dr. Eisenbeiß ist Chef der Gerichtsmedizin an der Charité und Professor für forensische Pathologie und Toxikologie an der Universitätsklinik Berlin.«

Speer gab Dr. Eisenbeiß die Hand und stellte sich vor.

»Und Hauptkommissar Speer ist Ihr neuer Partner?«, fragte Dr. Eisenbeiß.

Robert Bogner nickte. »Der Kollege war vorher bei der Drogenfahndung.« In seiner Stimme schwang eine gewisse Geringschätzung mit.

»Und jetzt zur Mordkommission, wie das?«, fragte Dr. Eisenbeiß.

Adrian Speer verzog kurz das Gesicht. Die Wahrheit war, dass er die gefährlichen verdeckten Ermittlungen in einer Frankfurter Rockergang, die in Drogen-, Waffenhandel und Zwangsprostitution verwickelt war, nur deshalb übernommen hatte, weil er hoffte, dort eine Spur zu seiner entführten Tochter zu entdecken. Letztlich war aber alles aus dem Ruder gelaufen und hatte mit seiner Suspendierung geendet. Im Zuge seiner verdeckten Ermittlungen hatte er Grenzen überschritten, um seine Glaubwürdigkeit innerhalb des Motorradclubs zu steigern. Er hatte sich an illegalen Geschäften beteiligt und Kokain genommen, wenn man es ihm angeboten hatte. Bei einem Drogendeal, den er mit einem weiteren Clubmitglied durchziehen sollte, hatten die beiden Käufer plötzlich Pistolen gezogen und auf sie geschossen. Am Ende waren die beiden Käufer und das andere Gangmitglied tot. In dem Koffer, in dem das Geld sein sollte, war nur Papier. Er hatte die Drogen genommen und sie zu seiner Einsatzleitung gebracht. Dort hatte man den verdeckten Ermittlungseinsatz sofort abgebrochen. Seitdem stand er bei der Rockergang, die seine wahre Identität nicht kannte, auf der Abschussliste. Sie gingen davon aus, dass er mit dem Geld und den Drogen abgehauen war. Er hatte dann die Suche nach Lucy im Alleingang fortgesetzt. Doch dabei war er keinen Schritt weitergekommen. Es war deprimierend gewesen. Als vor zehn Tagen der Polizeipräsident Leonard Grabitz, der ein guter Freund seines im Dienst ermordeten Onkels gewesen war, persönlich vor seiner Tür gestanden und ihn gefragt hatte, ob er seinen Dienst in einer neu gegründeten Mordkommission wieder aufnehmen wolle, war er sofort einverstanden gewesen.

Aber diese Vorgeschichte ging weder den Gerichtsmediziner noch sonst jemanden etwas an.

»Man hielt mich wohl für den Richtigen«, sagte er deshalb nur knapp. Speer bemerkte, dass Bogner ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und einem schelmischen Grinsen von der Seite musterte. Seit ihrem ersten gemeinsamen Tag wurde Speer das Gefühl nicht los, dass Robert Bogner ihn nicht ernst nahm.

Dr. Eisenbeiß nickte zögerlich. Vermutlich hatte er sich eine ausführlichere Antwort auf seine Frage erhofft. Doch dann lächelte er. »Und jetzt übernimmt die neue Abteilung Acht ihren ersten Fall. Da kann man nur gutes Gelingen und viel Erfolg bei der Aufklärung wünschen.«

»Können Sie uns schon Genaueres über die Todesumstände sagen?«, fragte Bogner.

Der Gerichtsmediziner schob seine Brille hoch. Sein Gesichtsausdruck wurde ernst. »Wir wollten das Opfer noch in der Position belassen, in der es aufgefunden wurde, damit Sie sich ein besseres Bild machen können. Aber ich habe mir den Toten schon näher angesehen und das Stroh ein wenig beiseitegedrückt, um einen Blick in die Mundhöhle werfen zu können.« Er machte eine kurze Pause und zog die Augenbrauen hoch. »Dem Opfer wurde die Zunge herausgeschnitten. Vielleicht hat der Täter sie sogar mitgenommen, gefunden haben wir sie bis jetzt jedenfalls noch nicht. Das Messer, das der Täter benutzt hat, muss sehr scharf gewesen sein. Die Zunge wurde mit einem sauberen glatten Schnitt abgetrennt. Ich tippe auf ein Skalpell.«

»Ich wette, der Mann war noch am Leben, als ihm die Zunge entfernt wurde?«, sagte Bogner. »Ansonsten hätte der Täter nicht den Kopf fixieren müssen.«

»Das kann ich noch nicht mit Gewissheit sagen. Aber was Sie anführen, spricht tatsächlich dafür, dass der Mann noch gelebt hat. Die Menge an Blut, die ausgetreten ist, ist ein zusätzliches Indiz. Durch den hohen Blutverlust nach dem Entfernen der Zunge und die Kopfüberlage ist der Tod dann vermutlich sehr schnell eingetreten.«

»Kann ein Mensch auch allein aufgrund der Kopfüberhaltung sterben?«, fragte Speer.

»So sicher wie das Amen in der Kirche. Es ist nur eine Frage der Zeit, dauert aber von Person zu Person je nach Konstitution unterschiedlich lange. Bei gesunden Menschen kann es mehrere Stunden bis zu über einen Tag dauern. Entweder kommt es dann wegen zu hohen Blutdrucks zu tödlichen Hirnschwellungen oder Hirnblutungen. Oder aber das Opfer erstickt, da die Lunge durch den Druck anderer Organe nicht mehr richtig arbeiten kann.«

»Wann, schätzen Sie, ist der Tod eingetreten?«, wollte Bogner jetzt wissen.

Dr. Eisenbeiß legte die Stirn in Falten. »Sie wissen, dass ich Ihnen den Todeszeitpunkt ohne weitere Untersuchungen nicht präzise sagen kann.«

»Und wie lautet Ihre grobe Einschätzung?«

(Continues…)



Excerpted from "Der Totensucher"
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