Kursbuch Klassenfahrt: Alles, was Lehrer, Eltern und Schüler wissen wollen

Kursbuch Klassenfahrt: Alles, was Lehrer, Eltern und Schüler wissen wollen

by Ralf Olk, Oliver Winter

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Overview

Woran erinnern wir uns alle zuverlässig, wenn wir an die eigene Schulzeit zurückdenken? Klassen-, Stufen- und Kursfahrten gehören zu den wichtigsten Ereignissen jeder Schullaufbahn. Das Projekt Klassenfahrt bedarf aufmerksamer Planung und Durchführung. Eine Klassenfahrt fördert auch die zunehmend wichtiger werdende Sozialkompetenz, denn niemals sonst ist die Zeit der Schüler so intensiv, ohne den üblichen 45-Minuten-Rhythmus und ohne Lehrplandruck. Lehrer und begleitende Eltern werden schon in der Vorbereitung zu Reiseveranstaltern, Stadtführern und Pädagogen gleichzeitig. Dieses Buch ist Organisationshilfe, Nachschlagewerk und Ratgeber für alle engagierten Lehrer und natürlich für Eltern.

Product Details

ISBN-13: 9783843720939
Publisher: Ullstein Ebooks
Publication date: 02/22/2019
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 200
File size: 887 KB

About the Author

Ralf Olk ist gelernter Reiseverkehrskaufmann, Jugendhotelbetreiber, leidenschaftlicher Busfahrer und dreifacher Vater. Das langjährige Vorstandsmitglied im Deutschen Fachverband für Jugendreisen (engagiert sich in weiteren touristischen Ausschüssen / Projekten) und ist Veranstalter von Gruppenreisen.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Nicht alle Wege führen nach Rom Auswahl und Entscheidungsfindung

Die Klassenfahrten-Formate

Welche Formate für Ihre Klassenfahrt in Frage kommen, wird in gewissem Maße von den Umständen diktiert. Unseres Wissens ist noch kein Lehrer auf die Idee gekommen, mit Grundschülern in Kleinasien auf den Spuren des Apostels Paulus zu wandeln. Genauso wenig wird die Kursfahrt der Zwölftklässler zum Indoor-Spieleparadies im Harz führen oder werden die pubertierenden Achtklässler der Brennpunkt-Schule ins Kloster Sankt Nirgendwo fahren.

Wohin die Reise geht, das ist zunächst keine Frage der Geografie, sondern vielmehr der inhaltlichen Zielsetzung. Entscheidend ist, was die Fahrt bewirken soll.

Klein anfangen: Wandertag und Tagesfahrt

Es ist nicht nur eine Frage der Klassenstufe, ob sich die Klassenfahrt auf nur einen Tag beschränken soll. Auch ein enges Budget, Zeitmangel oder andere Gründe können durchaus dafürsprechen, eine Klassenfahrt auf nur einen Tag zu beschränken. Das »Erlebnis Klassenfahrt« als großes Abenteuer und prägendes Ereignis der Schullaufbahn ist die auf einen Tag beschränkte Tour aber definitiv nicht – und wird deshalb in diesem Buch auch nur am Rande erwähnt, nämlich jetzt und hier und dann gar nicht mehr. Dennoch: Manchmal geht's eben nicht anders.

Die einfachste Variante ist es, einen Bus zu mieten und zum nächstgelegenen Freizeitpark zu fahren. Dort bekommen die Schüler Zeit zur freien Verfügung bis zum Nachmittag, und dann geht es wieder retour. Zielfördernd ist das kaum, kreativ keinesfalls. Die Schüler werden im besten Fall Spaß haben, mehr aber auch nicht. Wer sich für die Tagestour in den Freizeitpark entscheidet, muss sich nur im Klaren sein, was er mit dem Entschluss »pro Freizeitpark« tut – nämlich in der Regel nichts Wertvolles.

Damit sollen Freizeitparks keinesfalls unter Generalverdacht gestellt werden, nur dem Spaß zu dienen und ansonsten für Klassenfahrten nicht zu taugen. Gerade als Teil mehrtägiger Klassenfahrten können sie durchaus eine sinnvolle Station sein, bei der die Schüler relativ kontrolliert Dampf ablassen und Spaß haben können – in einem Umfeld, wo das zum Konzept gehört. Und obwohl sich die Einrichtungen alljährlich mit neuen Superlativen zu übertrumpfen versuchen – etwa mit dem höchsten Freefall-Turm, der spektakulärsten Achterbahn oder der wildesten Wildwasserbahn –, gibt es manchmal tatsächlich auch gut gemeinte pädagogische Programmangebote oder ScienceCenter.

Dennoch bleibt es dabei: Wenn Sie nur einen Tag haben, gibt es viele gute, kreative Alternativen zum Freizeitpark.

Der »Wandertag« ist der Klassiker unter den eintägigen Klassenausflügen. Es ist dabei aber ratsam, den Begriff »Wandertag« zu meiden – auch wenn es einer ist. Das Wort löst bei Schülern reflexartig eine Abwehrhaltung aus wie ein Wespenschwarm im Freibad. Eine »Challenge«, ein »Hike« oder eine »Tour« sind sicher bessere Begriffe, um bei den Schülern eine ansatzweise Akzeptanz des Vorhabens zu fördern.

Wichtiger als der Name ist allerdings, was man daraus macht. Die gute, alte Schnitzeljagd bedarf zwar intensiver Vorbereitung, kann aber für Schüler durchaus attraktiv sein, weil sie mit einem Wettbewerbscharakter verbunden ist. Die Weiterführung ist eine »GPS-Rallye«, bei der mithilfe entsprechender Geräte in Kleingruppen entweder Aufgaben gelöst oder bestimmte Ziele gefunden werden sollen. Die schnellste oder die kreativste Gruppe gewinnt.

Fast ganz ohne Vorbereitung auskommen kann der »SurvivalTrip«. Er besteht ganz einfach daraus, alle Schüler in Kleingruppen von drei bis fünf Teilnehmern in einer bestimmten, bitte nicht zu geringen Entfernung von der Schule »auszusetzen«. Wichtig: ohne Geld, ohne Handy, bestenfalls mit einer topografischen Karte ausgestattet. Die Transportlogistik will, vielleicht mithilfe von Eltern, organisiert sein, aber mehr Vorbereitung braucht es nicht.

Das Projekt ist tatsächlich recht abenteuerlich und birgt durchaus gewisse Risiken, weswegen Überzeugungsarbeit beim Elternabend und eine ausdrückliche, weitreichende Einverständniserklärung aller Eltern geboten sind.

Der Variantenvielfalt sind dabei kaum Grenzen gesetzt. So können die Kleingruppen im Zufallsprinzip oder nach Schülerwunsch gebildet werden. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kann erlaubt sein oder ausdrücklich nicht, was vor allem eine Frage der Risiko- und Gefahrenanalyse und der Entfernung vom Zielort ist. Ist Proviant vorgesehen? Vielleicht doch ein Handy je Gruppe, nur für Notrufe? Um den Anspruch zu steigern, kann zur erfolgreichen Rückkehr zum Treffpunkt noch eine Aufgabe hinzugefügt werden – zum Beispiel einen bestimmten Gegenstand zu finden und mitzubringen.

Wer es weniger improvisiert, aber trotzdem pädagogisch »wertvoll« will, ist bei einem professionellen Anbieter für erlebnispädagogische Programme gut aufgehoben. Eine solche Klassen-»Fahrt« kann sogar ohne Fahrt realisiert werden, indem der Mitarbeiter oder das Team des Programmanbieters zum Schulstandort oder zum nahegelegenen Wald kommt und die Schulklasse selbst gar nicht wegfährt. Solche mobilen erlebnispädagogischen Programmanbieter gibt es in jedem Winkel des Landes und ganz sicher auch in Ihrer Nähe.

Achten Sie dabei aber auf Qualität! Bei einem guten, seriösen Anbieter gibt es neben guter Beratung mit Bedarfsanalyse und Briefing natürlich auch eine durchdachte Durchführung mit ausgebildeten Fachleuten, nicht mit billigen Hilfskräften ohne erlebnispädagogische Vorkenntnisse.

Tipp: Nähere Informationen und Anbieter erlebnispädagogischer Programme finden Sie zum Beispiel beim Bundesverband für Individual- und Erlebnispädagogik in Dortmund (BE): www.bundesverbanderlebnispaedagogik.de.

Beliebte und gute Ziele für Tagesausflüge sind auch:

• Hochseilgarten

• Baumwipfelpfad

• Kanutour

• Kletterhalle

• Ausstellungen

Natürlich ist bei all diesen Zielen stets auf eine kinder- bzw. jugendgerechte Ansprache, Führung und Programmgestaltung zu achten, wofür die Veranstalter der Events aber meist entsprechende Angebote vorhalten. Wenn nicht: Finger weg.

Doch auch jenseits der »offensichtlichen« Angebote gibt es viele Alternativen zum Wandertag. Einige spannende Optionen:

• Infotag Energieerzeugung vor Ort: Die Palette der Möglichkeiten reicht vom Braunkohletagebau über Atomoder Windkraftanlagen bis zu Gezeiten- oder Pumpspeicherkraftwerk.

• Woher kommen Nahrungsmittel? Ein Besuch beim Landwirt, im Idealfall ein moderner Betrieb mit GPS-gesteuerten Traktoren, Biogasanlage und IT-gesteuertem Melkstand, und im besten Fall mit Kälbchen zum Streicheln, ist reich an Highlights. Lohnend sind auch Molkereien, die Großbäckerei oder vielleicht der regionale Schweinemast-, Hühnerfarmoder Rinderzuchtbetrieb. Oder wie wäre es mit einem lebensmittelverarbeitenden Industriebetrieb? Von Tiefkühlpizza über Mineralwasserabfüller bis hin zum regionalen Metzger?

• Retter hautnah: Sehr willkommen sind Schulklassen meist auch bei den Polizeiinspektionen, den Einrichtungen des Technischen Hilfswerks (THW) und vor allem auf den Feuerwachen. Hier erfahren Schüler authentisch, was passiert, wenn was passiert. Und ganz nebenbei können die Schüler einige der beliebtesten Traumberufe auf Herz und Nieren prüfen.

• Wirtschaft erleben: In fast jedem Ort gibt es spannende Industrie- oder Dienstleistungsbetriebe, deren Besichtigung lohnt. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe sogar einen »Hidden Champion«, also einen der oft eher unbekannten Weltmarktführer? Mindestens findet sich in greifbarer Nähe fast überall ein wichtiger Akteur in seiner speziellen Nische, dessen Besuch interessante neue Perspektiven eröffnet – auf die Welt, aber auch auf die unmittelbare Umgebung. Neben der »freien Wirtschaft« können auch Energieerzeuger, Verkehrsträger, Logistikzentren oder eine »Backstage-Besichtigung« im örtlichen Erlebnisbad mit Einblick in die Technik oder andere lokale Betriebe spannende Ziele für einen Erlebnistag sein. Häufig sind die Unternehmen vor Ort zudem sehr offen für Schüler – gilt es doch, den immer knapper werdenden Nachwuchs frühestmöglich zu begeistern und zu sichern.

Eine Tagesfahrt ist also durchaus eine Gelegenheit für neue Erfahrungen und Einblicke, die nicht alltäglich sind. Mit ein wenig Fantasie und Kreativität ist beinahe jedes Ziel ein attraktiver außerschulischer Lernort, der die Lebens- und Berufskompetenz zu fördern imstande ist.

Groß rauskommen: Die mehrtägige Klassenfahrt

Eine Klassenfahrt ist im Sinne dieses Buches jedoch erst dann eine richtige, ausgewachsene Klassenfahrt, wenn sie über mehrere Tage geht. Punkt.

Denn erst, wenn mehrere Tage und auch Übernachtungen ins Spiel kommen, stellt sich das richtige »Klassenfahrten-Feeling« ein. Erst dann ist die Spannung, der Erlebnisgehalt wirklich spürbar. Intensive, gruppendynamische Prozesse, wie sie nur bei Klassenfahrten zu nachhaltigen Erinnerungen führen, entstehen beim längeren und, vor allem wegen der gemeinsamen Übernachtung, intensiveren Zusammensein von Schülern und Lehrern fern des gewohnten Umfelds – und der heimatlichen Komfortzone.

Der entscheidende Aspekt für die Vertiefung des Gemeinschaftsgefühls ist tatsächlich das Zusammensein über Nacht. Die Verhaltensmuster der Gruppenmitglieder am Tag sind bekannt: Man kann die anderen einschätzen. Jeder weiß mehr oder weniger, wie er von anderen eingeschätzt wird und welches Verhalten er in Standardsituationen des Schulalltags erwarten kann. Die Rollen sind verteilt und eingeübt.

Am Abend und spätestens in der Nacht, wenn das bekannte »Tagesverhalten« von der Abendtoilette, der individuellen Schlafkleidung, dem Einsetzen von Müdigkeit und nicht zuletzt dem Einschlafen bestimmt ist, öffnet jeder – mehr oder weniger – seine Flanke und zeigt ein neues, noch unbekanntes Rollenverhalten. In der Wechselwirkung der Akteure untereinander und der Wahrnehmung der jeweils anderen ändert sich die Perspektive also radikal, sobald Übernachtungen im Spiel sind, zumal an einem fremden Ort. Das macht die Klassenfahrten für alle Beteiligten ungeheuer spannend – Lehrer eingeschlossen. Deshalb wird sich dieses Buch im Folgenden ausschließlich mit mehrtägigen Klassenfahrten beschäftigen.

Das Feld der mehrtägigen Klassenfahrten ist weit, denn die Möglichkeiten sind breit gestreut. Die folgenden Formate sind am weitesten verbreitet:

Formate mehrtägiger Schulfahrten

Kennenlernfahrt

• meist zum Start in die Schullaufbahn oder in Sekundarstufe I oder II

• häufig mit erlebnispädagogischen Elementen

• geringe Reiseentfernung, kurze Dauer (meist nur zwei bis drei Tage)

Besinnungstage

• Schwerpunkt auf religiösen, ethischen oder philosophischen Fragen

• häufig in Zusammenarbeit mit kirchlichen Institutionen

• ähnlich sind Probenwochenenden (Schulorchester, Chor, Theater) mit entsprechendem Schwerpunkt

• meist kurz (zwei bis drei Tage)

Klassenfahrt

• in Abhängigkeit von schulischen Gegebenheiten, Sozialstruktur und Budget sehr facettenreich hinsichtlich Reiseentfernung, Unterkunft, Programm

• meist maximal fünf Tage

Kursfahrt

• mit Orientierung an konkreten Fächern oder Inhalten (Sprache, Sport, Musik, MINT etc.) oder auch »Grünes Klassenzimmer« oder »Schwimmendes Klassenzimmer«

• häufig Auslandsfahrten

• meist fünf bis acht Tage

Studienfahrt

• meist in Sekundarstufe II

• mit Bezug zum Curriculum

• wenige Tage bis zu zwei Wochen

Betreute Abschlussfahrt

• facettenreich hinsichtlich Budget, Unterkunft, Programm

• Gestaltung häufig unter Einbeziehung der Schüler

• Dauer unterschiedlich

Darüber hinaus gibt es weitere Formate wie Sport-Trainingslager, Skifreizeiten, Fahrten im Rahmen von Schulpartnerschaften und auch mehrtägige Fahrten, zum Beispiel in einem Jubiläumsjahr, für die komplette Schulgemeinschaft.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden all diese Formate meist unter dem Dachbegriff »Klassenfahrt« zusammengefasst – so auch in diesem Buch, wenn kein konkreter Typ benannt wird. Denn die meisten Regeln, Tipps und Erfahrungswerte gelten für all diese Typen von Schulfahrten.

Betreute Abschlussfahrten sind ausdrücklich nicht zu verwechseln mit den in den USA, besonders in Florida, als »Spring Break« bekannten Reiseformaten, die sich auch in Europa zunehmend etablieren. Diese von Schülern meist mit Unterstützung kommerzieller Reiseanbieter zum Beispiel unter dem Etikett »Abi-Reisen« organisierten Party-Touren haben nichts mit den klassischen Schulfahrten gemeinsam. Vielmehr handelt es sich dabei oft um ausschweifende Dauerorgien inklusive vorsätzlich hervorgerufener Enthemmung in allen denkbaren Facetten – und jenseits jeglichen pädagogischen Werts.

Reisezeit und Reiseziel

Wohin? Wann? Das sind zentrale Fragen, mit denen die meist unvermeidlichen Diskussionen häufig starten. Die Antworten auf diese beiden Fragen bilden die Grundlage für die gesamte weitere Planung. Deswegen sind sie für jede Klassenfahrt absolut elementar.

Wohin?

Jeder, der schon einmal eine Klassenfahrt durchgeführt hat, kennt die »Lehrer-Schüler-Diskrepanz« beim Ringen um die inhaltliche Ausrichtung, viel mehr aber noch bei der Wahl des Reiseziels. Die Klassenlehrerin mit den Fächern Deutsch und Geschichte und ihrem Faible für klassische Musik und Literatur kann verständlicherweise Freude an Reisezielen wie Dresden, Bayreuth oder Bonn entwickeln. Diese Ziele lassen sich bequem dem Curriculum oder Kompetenzschwerpunkten der Klasse bzw. des Kurses unterordnen.

Bei den meisten Schülern hingegen wecken diese Ziele eher die Erwartungshaltung von kulturellem Overkill in Tateinheit mit Langeweile. Wie verlockend klingen dagegen Bade- und Party-Hochburgen wie Rimini, die Costa Brava oder der kroatische Party-Strand Zrce?

Vielleicht begründet genau diese »Lehrer-Schüler-Diskrepanz« den Erfolg der deutschsprachigen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Wien als beliebteste Klassenfahrtenziele. Dort ist die Schnittmenge der Erwartungshaltungen von Schülern und Lehrern am größten. Auf ein solches Ziel können sich alle Beteiligten oft mit geringem Diskussionsbedarf einigen: Berlin hat »cool« und »Kultur«.

Um sich als Lehrer dagegen mit den für Schüler wenig attraktiv scheinenden Zielen durchzusetzen, braucht es Rückgrat. Schließlich gilt es, die inhaltliche Zielsetzung zu verfolgen, die den Wert der Klassenfahrt ausmacht. Das Reiseziel hat sich dem zu fügen. Dieses Vorhaben umzusetzen ist nicht immer leicht. Doch das Durchsetzungsvermögen wird belohnt, wenn die Lernziele kreativ mit Erlebnis, Spaß und Party verknüpft werden. Und das geht auch in Weimar, wenn man es den Schülern einerseits geschickt vermittelt und es dann, nicht zuletzt durch perfekte Vorbereitung, auch gut umsetzt.

Bei weniger experimentierfreudigen Pädagogen beliebt ist die immer wiederkehrende Adaptierung des Reiseziels vom Vorjahr. An manchen Schulen ist diese Variante im gesamten Kollegium gängige Praxis, bisweilen über ganze Lehrergenerationen hinweg. Schließlich sind es ja immer andere Schüler, wen soll es also stören? Die historisch gewachsenen Verbindungen zu Beförderungsunternehmen, Unterkunft und Programmpartnern machen die Organisation zum Kinderspiel – man kennt sich. Junge Kollegen fahren einfach mit einem »alten Hasen« mit und sind dann gleichfalls ruck, zuck auf alle künftigen Klassenfahrten vorbereitet. Die allwissende, erfahrene Kollegin brilliert mit den Geheimtipps vor Ort und bewahrt das Greenhorn souverän vor Fehlern und Fallstricken.

Auch für die Schüler ist es irgendwie bequem, denn sie wissen, worauf sie sich einzustellen haben: Von den höheren Klassenstufen weiß man ja schon, was wann und wo passiert sein wird, mit Wochentag und Uhrzeit. Die besten Verstecke für Unerlaubtes, in der Neonleuchte im Klo nämlich, kennt man schon vor der Abfahrt. Wann Küchenhilfe Lisa Dienst hat, bei der man Kippen schnorren kann, und auch, wie man durch das Getränkelager über die Nottreppe auf den Speicher kommt – alles im Griff. Ach ja: Da müsste Svenja letztes Jahr ihre Powerbank verlegt haben. Schau doch mal bitte nach, wenn du schon da bist.

Welch ein Abenteuer, diese Destinations-Dauerschleife!

Ernsthaft, liebe Lehrer – das können Sie besser. Wo bleibt die Kreativität? Wo ist die Lust auf Neues? Der Drang nach neuen Erfahrungen und der Wunsch nach Erweiterung des Horizonts? Immerhin bietet das Erlebnis Klassenfahrt nicht nur Schülern die Chance auf neue Erfahrungen, sondern auch ihren Begleitern. Bequemlichkeit mag manche Überraschung ersparen, hat aber auch einen Preis. Die Währung dafür heißt Langeweile.

Den Schülern kann das Reiseziel grundsätzlich nie zu weit weg sein. Auch die »touristische Relevanz« und das Party-Image können gar nicht groß genug sein. Und mit den heutigen Transportmöglichkeiten und einer global immer verlässlicheren Infrastruktur sind den Möglichkeiten rein theoretisch kaum Grenzen gesetzt.

Ein Faktor ist für die Eingrenzung der Antwort auf das »Wohin?« – neben den inhaltlichen Zielen und der Experimentierfreude der Lehrer – allerdings fast immer vorab entscheidend: das Geld! Bevor über die Frage nach dem Wohin auch nur nachgedacht wird, sollte deshalb Klarheit über das Budget herrschen. Eine knifflige Angelegenheit, denn Budget ist nicht gleich Budget (siehe dazu Kapitel 3).

(Continues…)


Excerpted from "Kursbuch Klassenfahrt"
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Copyright © 2019 Ralf Olk and Oliver Winter.
Excerpted by permission of Ullstein Buchverlage.
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Table of Contents

Vorwort Ein bisschen Schwund ist immer,
Teil I Vorbereitung,
1. Nicht alle Wege führen nach Rom Auswahl und Entscheidungsfindung,
2. Alles, was Recht ist Gesetze und Verordnungen,
3. Das liebe Geld Budgetplanung und Kostenkontrolle,
4. Wenn's hart auf hart kommt Krisenprävention,
5. Ist Qualität messbar? Was Gütesiegel wirklich aussagen,
Teil II Transport,
6. Die Qual der Wahl Das optimale Verkehrsmittel finden,
7. Immer erste Wahl? Der Reisebus,
8. Zug um Zug Bahnreisen,
9. Jetset für alle? Flugreisen,
10. Zu Land, zu Wasser Klassenfahrt mit Fahrrad oder Schiff,
Teil III Unterkunft,
11. Wie man sich bettet Die passende Unterkunft wählen,
12. Wie eh und je Jugendherbergen, Schullandheime und Co.,
13. Die Gewerblichen vom Fach Hostels und (Jugend-)Hotels,
14. Selbst ist der Schüler Selbstversorger-Unterkünfte,
15. Airbnb-Feeling inclusive Gastfamilien,
16. Abgefahren? Zelt, Baumhaus, Zirkuswagen,
Teil IV Schulfahrten-Veranstalter,
17. Einmal mit Profis arbeiten! Schulfahrten-Veranstalter und was sie leisten,
18. Schöne, bunte Katalogwelt Den passenden Partner finden,
Teil V Durchführung,
19. Weniger ist mehr Gepäck, Equipment und Proviant,
20. Risikomanagement on the road Gefahrenquellen am Wegesrand,
21. Sex, Drugs and Rock 'n' Roll Ohne Regeln geht es nicht,
22. Den Sack Flöhe hüten Wie Begleitpersonen sich selbst schützen,
23. Erwartung und Wirklichkeit Fallstricke und wie man sie meistert,
24. GAU, Super-GAU oder ganz normaler Wahnsinn Was tun, wenn etwas passiert?,
25. Geschafft, und schön war's! Die Nachbereitung,
Die Dos and Don'ts bei Klassenfahrten Anhang,
Anhang,
Das Kursbuch Klassenfahrt im Netz,
Literatur und Organisationshilfen,
Verzeichnisse von Gruppenunterkünften,
Verbände,
Anmerkungen,

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